Welthungerhilfe zeigt faire Produkte

Shopping-Tour mit gutem Gewissen

Die Schüler aus Cochem lassen sich von Iris Schöninger (r.) und Rosa Grabe (2. v. r.) erklären, an welchen Orten und mit welchen Konsequenzen der weltweite Textilhandel vonstattengeht.

Die Schüler aus Cochem lassen sich von Iris Schöninger (r.) und Rosa Grabe (2. v. r.) erklären, an welchen Orten und mit welchen Konsequenzen der weltweite Textilhandel vonstattengeht.

BONN. Dass die Kleidung, die wir tagtäglich tragen, durch die weltweite Textilwirtschaft Auswirkungen rund um den Erdball hat, beispielsweise wegen des hohen Wasserverbrauchs beim Baumwollanbau auf das Schrumpfen des zentralasiatischen Aralsees oder durch die Produktionsbedingungen in Bangladesch, hat am Donnerstag eine Führung der Welthungerhilfe mit Schülern durch die Bonner Innenstadt beleuchtet.

Genau zwei Jahre ist es her, dass in Bangladesch der Einsturz der Fabrik Rana Plaza 1127 Menschen das Leben kostete. Anlässlich des heutigen "Fashion Revolution Days" zum Gedenken an die Opfer veranstalteten am Nachmittag außerdem der Verein "Femnet" und das Aktionsbündnis "Gerechter Welthandel" auf dem Friedensplatz eine alternative Modenschau und protestierten so gegen deutsche Unternehmen, die noch nichts oder zu wenig in den Entschädigungsfonds für die Näherinnen eingezahlt haben.

26 Zehntklässler waren extra aus Cochem angereist, um sich von Iris Schöninger von der Welthungerhilfe und Rosa Grabe, Referentin für globales Lernen beim Programm "Bildung trifft Entwicklung" und Mitbegründerin der konsumkritischen "Greenwalker", durch die Stadt führen zu lassen. "Für mich zählt beim Shoppen vor allem, wie es aussieht", sagte die 16-jährige Jessica Gründer. "Ich glaube nicht, dass man wirklich Einfluss nehmen kann", so auch Klassenkameradin Leandra Wallrath (15). Dass es in Bonn inzwischen aber auch einige Möglichkeiten gibt, fair produzierte Kleidung zu kaufen, wollten die Veranstalter mit ihrer "Fair-Fashion-Führung" zeigen.

l Inzwischen gibt es in Bonn einige Läden, die ausschließliche fair und ökologisch produzierte Kleidung anbieten - so zum Beispiel der Modeladen "Kiss the inuit" in der Friedrichstraße, der unterschiedliche Marken im Angebot hat. Auch "Alma und Lovis" in der Endenicher Allee produziert seine Eigenmarke fair und ökologisch. 100 Prozent fair: Das gilt auch für die Outdoor-Kleidung bei "Jack Wolfskin" in der Bonngasse oder den Weltladen in der Maxstraße.

l Auch viele andere Geschäfte haben einzelne, fair und ökologisch produzierte Kleidung im Angebot. "Leider gibt es bislang keine einheitliche internationale Kennzeichnung", so Grabe. Der "Global Organic Textile Standard" und die "Fair Wear Foundation" sind zwei Siegel, nach denen man Ausschau halten kann. "Am besten fragt man in den Geschäften nach", so Grabe.

l Laut Grabe sind die Deutschen mit 40 Neuanschaffungen im Jahr Weltmeister im Konsumieren von Kleidung. Doch inzwischen erfreuen sich auch Tauschpartys immer größerer Beliebtheit (Termine beispielsweise unter femnet-ev.de), oder auch Kleiderbörsen im Internet wie kleiderkreisel.de. Die gebrauchte Kleidung könne schließlich mit ein paar Nadelstichen oder Farbe aufgehübscht werden, so Grabe.

Einen umfangreiche Broschüre über faire und ökologische Mode in Bonn hat "Femnet" erstellt. Sie kann auch als PDF von der Internetseite des Bonner Vereins (www.femnet-ev.de) heruntergeladen werden. Dort und unter www.welthungerhilfe.de können Sie sich auch über die globale Textilindustrie informieren. Infos zum heutigen "Fashion Revolution Day" außerdem unter fashionrevolution.org.