Prozess vor dem Bonner Landgericht

Serieneinbrecher hält Karnevalsorden für wertvollen Schmuck

Der Eingang des Landgerichtes in Bonn.

Der Eingang des Landgerichtes in Bonn.

Bonn. Der 58-jähriger Familienvater aus Belgrad erklärt, er sei in Bonn und der Region in zig Häuser eingestiegen, weil er keine Arbeit mehr gefunden habe und Kredithaie hinter ihm her gewesen seien.

Wie ein sportlicher Kletterer sieht der Mann auf der Anklagebank wirklich nicht aus. Dennoch ist der eher behäbig wirkende Familienvater aus Belgrad ein Serieneinbrecher. Von Oktober 2014 bis Dezember 2015 kletterte der 58-Jährige über Balkone und durch Fenster, stieg in Häuser in Bonn, aber auch in Sankt Augustin, Bornheim, Meckenheim und Hürth ein – und hinterließ überall seine DNA. Unter anderem an einem als Maske benutzten Nylonstrumpf, den er am Tatort verlor.

29 Einbrüche listet die Anklage auf, in zehn Fällen soll der 58-Jährige allerdings gescheitert sein. Und gleich zu Prozessbeginn legt der Mann am Donnerstag vor der 10. Großen Strafkammer unter Tränen ein Geständnis ab. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, Geld, Schmuck und andere Wertsachen wie Smartphones und Laptops für insgesamt rund 85 000 Euro gestohlen zu haben. In einem Fall soll er nicht nur Geld und Schmuck, sondern auch eine teure Rolexuhr, eine Harley-Davidson-Lederjacke und weitere Gegenstände erbeutet haben. Gesamtwert: 21 000 Euro.

In einem anderen Fall aber irrte er sich bei der Einschätzung von glänzenden Stücken gründlich: Er hielt Karnevalsorden für wertvollen Schmuck und merkte erst später, dass er sich vom Goldglanz hatte täuschen lassen. Wie der Sohn einer Arbeiterfamilie aus Bosnien schildert, sei seine Familie im Balkankrieg aus der Heimat geflüchtet und über die ganze Welt verstreut. Er selbst sei nach Belgrad gegangen, wo er auch die Mutter seiner beiden inzwischen erwachsenen Kinder kennengelernt habe.

Er wollte seinen Kindern ein besseres Leben ermöglichen

Auf dem Bau hat sich der gelernte Koch nach eigenen Angaben dann bemüht, das Geld für die Familie zu verdienen. Und weil es in Belgrad nicht genug Arbeit gegeben habe, sei er schließlich nach Deutschland gekommen, um hier auf Baustellen zu arbeiten. Auf keinen Fall sei er hergekommen, um Einbrüche zu verüben. Doch dann sei er wegen seines Alters nicht mehr eingestellt worden und habe sich von Kredithaien 1000 Euro leihen müssen. Als er die inzwischen durch Wucherzinsen auf 20 000 Euro angestiegenen Schulden nicht mehr habe zahlen können, sei er aus Not, aber vor allem aus Angst zum Einbrecher geworden. Denn die Geldverleiher seien hinter ihm her gewesen: „Die sind gefährlich.“ Und: Er habe seinen Kindern ein besseres Leben ermöglichen wollen, als er selbst es habe.

Wie er versichert, habe er darauf geachtet, dass in den Häusern, in die er nur abends bei Dunkelheit eingestiegen sei, kein Licht brannte und nichts darauf hinwies, dass Kinder in dem Haus lebten. In einem Fall aber war eine Frau zu Hause und schlief. Als der Lichtkegel seiner Taschenlampe sie traf und sie aufschrie, flüchtete er.

Wie die Verteidiger betonen, wolle der 58-Jährige alles gestehen, um den Prozess so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Allerdings beteuert der Angeklagte: Er habe immer nur Geld und Schmuck mitgenommen, um diesen schnell bei türkischen Goldhändlern in Köln zu verkaufen. Größere Teile hätte er auch gar nicht lagern können, da er keine Wohnung gehabt, sondern auf der Straße gelebt habe. Der 58-Jährige wurde bereits zweimal als Einbrecher verurteilt: 2013 in Bonn und 2014 in Aachen, beide Male erhielt er Bewährungsstrafen.