Kommentar

Selbstkritik? Fehlanzeige

Bonn. Drei Dinge, auf die er besonders stolz ist, muss man Jürgen Nimptsch wirklich lassen.

Er hat, erstens, unnachgiebig einen härteren Sparkurs bei den Stadtfinanzen verlangt - ungeachtet des Bürgerzorns, den er sich zuzog. Er weiß, dass die verschuldete Stadt nicht auf Dauer über ihre Verhältnisse leben darf. Er hat, zweitens, die Bürgerbeteiligung gerade bei den Haushaltsberatungen vorangebracht - auch wenn das Interesse der Bonner nach ersten Erfolgen nachließ. Und er hat, drittens, als Verwaltungschef die Fertigstellung des World Conference Centers Bonn (WCCB) letzten Endes mit einem positiven Ergebnis gemanagt. Dass der Bund nachträglich Millionensummen für das Projekt bewilligte, ist nicht zuletzt ein Verdienst des scheidenden Oberbürgermeisters.

Nimptsch hatte keine Scheu vor dicken Brettern. Die wirklich zu durchbohren, dafür braucht es aber auch taktisches und politisches Geschick. Und das war die große Schwäche des Jürgen Nimptsch - vor allem im Umgang mit dem Bonner Stadtrat. Sein kläglich gescheiterter Vorstoß zur Opernfusion mit Köln ist dafür nur eins von vielen Beispielen. Nimptsch selbst sieht das völlig anders. Selbstkritische Töne sucht man in seiner 96 (!) Seiten dicken schriftlichen Bilanz der vergangenen sechs Jahre ohnehin vergebens.

Sie liest sich wie der Versuch eines Menschen, die eigene Rolle in der Stadtgeschichte selbst zu definieren - eine ganz persönliche Sicht der Dinge auf städtischem Druckpapier. Dass der Noch-OB dieses Forum nutzt, um die kritische GA-Berichterstattung zum WCCB-Skandal als unseriösen Journalismus zu diffamieren, passt dabei ins Bild. Einen Gefallen tut er sich damit nicht.