Bürgerdienste der Stadt Bonn

Selbstbedienung im Stadthaus in sechs Sprachen

Nicht jeder möchte sich ungeschützt vor den Selbstbedienungsterminals in Positur bringen und fotografieren lassen. Hier könnte die Stadtverwaltung für mehr Intimität sorgen.

Nicht jeder möchte sich ungeschützt vor den Selbstbedienungsterminals in Positur bringen und fotografieren lassen. Hier könnte die Stadtverwaltung für mehr Intimität sorgen.

Bonn. An neuen Terminals können Bürger Foto, Fingerabdruck und Unterschrift für ihren neuen Pass selbst auf den Weg bringen. Und die durchschnittlichen Wartezeiten sind im Moment der Stadt zufolge auch "deutlich im grünen Bereich".

„Herzlich Willkommen im Dienstleistungszentrum der Stadtverwaltung Bonn“: Via Bildschirm wird freundlich begrüßt, wer sich vor eine der beiden neuen Selbstbedienungsstationen gegenüber der Information im Stadthaus stellt, um die Beantragung eines Reisepasses, Personalausweises oder Führerscheins mit der selbstständigen Erfassung von Passfoto, Fingerabdruck und Unterschrift einzuleiten.

Brigita Piljic hat von ihrem Platz am Infoschalter aus die beiden Terminals im Blick. „Oh Gott, habe ich gedacht, was kommt da Neues auf mich zu“, erzählt sie. „Als hier noch der Fotofix stand, kamen die Leute häufiger zu mir und wussten nicht, wie es geht. Auch weil die Anleitung nur auf Deutsch vorhanden war. Oder sie wollten Geld wechseln, oder die Bilder gefielen ihnen nicht. Aber jetzt geht alles reibungslos.“ Die Terminals führen Antragsteller in Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch und Türkisch durch die Schnellerfassung.

„Die bisherigen Fotoautomaten konnten nur Bilder machen“, sagt Thomas Fricke, Abteilungsleiter des Dienstleistungszentrums. „Und sie produzierten zudem viel ‚Sondermüll‘“, spielt er auf die nicht immer schmeichelhaften biometrisch erstellten und ausgedruckten Fotos an, die nur selten dazu geeignet waren, über ihren Einsatz im Ausweisdokument hinaus als Erinnerung aufbewahrt zu werden. Auch wenn sich in einer kurzen Befragung von Bürgern, die an den seit etwa zwei Wochen aufgestellten Terminals eigenständig ihre Passfotos erstellt hatten, niemand fand, der mit seinem Foto zufrieden gewesen wäre, akzeptierten sie die drei automatisch gemachten Aufnahmen und wählten das gelungenste Bild aus.

„Wir standen ja im letzten Jahr mit hohem Andrang und langen Wartezeiten ziemlich negativ in der Presse“, erinnert Fricke. Er ist froh darüber, den bisherigen Zeitaufwand für die Erstellung von Fingerabdrücken und Unterschriften am Arbeitsplatz durch die Automatisierung um etwa fünf Minuten pro Vorgang verkürzt zu haben. „Unsere durchschnittlichen Wartezeiten sind im Moment deutlich im grünen Bereich.“ Er will dieses Ergebnis jedoch nicht alleine den neuen Terminals zuschreiben, sondern auf die Zahlen am Ende des Monats warten. „Aber man kann schon erahnen, dass es uns ein wenig hilft.“

 

Auch die vom GA im Dienstleistungszentrum befragten Bürger empfanden den reibungslosen Ablauf an den neuen Terminals als zeitsparend und kundenfreundlich. Die Menüführung der Geräte wurde weitestgehend als selbsterklärend empfunden. „Man müsste nur mal wieder den Vorhang zuziehen können“, kritisierte eine Besucherin die Tatsache, dass jedermann zusehen könne, wie man sich in Positur bringt.

Der Vorhang scheint (noch) der einzige Vorteil des Papierfoto produzierenden Automaten gewesen zu sein. Für Nostalgiker ist er immer noch am Kiosk des Stadthauses zu finden. So bleibt es jedem selbst überlassen, sich hinter dem Vorhang ablichten zu lassen oder auch mit einem vom Profi erstellten Foto seinen Ausweis zu beantragen. Nur „biometrisch“ muss es sein.