Innere Nordstadt

Selbst für alteingesessene Altstädter hält sie manche Überraschung bereit

Wissenwertes über die Altstadt, die offiziell Innere Nordstadt heißt, hat Rainer Selmann bei der Führung zu erzählen.

BONN. Eigentlich ist sie gar nicht die Altstadt, und doch ist sie unter diesem Namen bekannt. Selbst für alteingesessene Bonner gibt es in dem beliebten Viertel viel Neues zu entdecken. Davon konnten sich die Teilnehmer von Rainer Selmanns Bonner Stadtspaziergang durch die Bonner Altstadt überzeugen.

"Die eigentliche Altstadt von Bonn, die gibt es gar nicht mehr", erläuterte der Historiker und Stadtführer. 1689 wurde sie im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Damals entging nur ein einziges Gebäude der Zerstörung: Das Fachwerkhaus Am Dreieck, in dem heute ein Teegeschäft ansässig ist. Auch die Altstadt, die später nördlich und südlich der heutigen Kennedybrücke entstand, bekannt als "de Kuhl", fiel 1944 den Bomben zum Opfer.

Die heutige Altstadt heißt offiziell Innere Nordstadt. Erst in den 70er Jahren vermarkteten geschäftstüchtige Gastronomen das Viertel, das bis heute für seine Kneipen bekannt ist, als Altstadt. "Es war ein komplettes Handwerker- und Arbeiterviertel", berichtete Selmann.

Mittels aufwendig verzierter Gründerzeitfassaden wollten Handwerksmeister und Fabrikbesitzer zeigen, was sie hatten und wer sie waren. So schmückt in der Wolfstraße noch heute das Freimaurerzeichen den Eingang von Hausnummer 25. Gemeinsam mit den Nachbargebäuden sei es sogar als Bausatz für die Eisenbahn H0 erhältlich, verriet der Stadtführer.

Auch die Ostersche Gasanstalt war Mitte des 19. Jahrhunderts in der Wolfstraße ansässig. Aus Steinkohle wurde Gas für die Straßenbeleuchtung produziert. Nicht ganz ungefährlich: So seien zum Beispiel sämtliche Brunnen des Viertels mit Ammoniak verseucht gewesen, berichtete Selmann.

Auch sonst gab es Wissenswertes zu hören: Beispielsweise, dass die Maxstraße, benannt nach Kurfürst Max Franz, wiederholt in Karl-Marx-Straße umbenannt wurde. Derweil ist Im Krausfeld vor der Einfahrt zum Frauenmuseum, dem ersten weltweit, bis heute der einstige Verlauf einer römischen Wasserleitung markiert. Das sind nur einige Fakten rund um die Altstadt, die nicht nur Imis oft unbekannt sind.

"Ich mag die Atmosphäre", lobte ein Besucher aus Gera das Viertel und verglich es mit dem Berliner Charlottenburg oder Prenzlauer Berg. Fast hätte es jedoch auch die heutige Altstadt nicht mehr gegeben. Schließlich sollte das Stadthaus ursprünglich nicht alleine für sich stehen, berichtete der Historiker den erstaunten Teilnehmern, sondern von weiteren Hochhäusern umgeben sein. Dafür hätte die heutige Altstadt weichen müssen. Allein für das Stadthaus seien zwei komplette Straßenzüge entfernt worden.

Info: Ein weiterer Stadtspaziergang durch die Bonner Altstadt startet am Samstag, 7. Dezember, um 11.30 Uhr. Treffpunkt ist die Ecke Maxstraße/Breite Straße. Die Teilnahme an der Führung kostet acht Euro.