GA-Serie: 100 Bonner Köpfe

Seine erste Liebe ist das Schlagzeug

Schlagzeuger Richard Münchhoff übt in seinem Übungsraum im Keller seines Elternhauses.

Schlagzeuger Richard Münchhoff übt in seinem Übungsraum im Keller seines Elternhauses.

31.01.2016 Bonn. Der preisgekrönte Drummer Richard Münchhoff übt und spielt, seitdem er laufen kann. Während Gleichaltrige ihre Zeit mit Videospielen, Smartphones und Youtube in der digitalen Welt verbrachten, zog sich Richard stundenlang in einen Kellerraum zurück, um seiner Liebe nachzugehen.

Mit eineinhalb Jahren hat Richard Münchhoff die Liebe seines Lebens gefunden. Da hatte er eben erst laufen gelernt. Schon als Kleinkind begann er, mit Holzstöcken auf Eimern, Rohren und Küchenutensilien zu trommeln. Heute gehört der 17-Jährige aus Bonn zu Deutschlands talentiertesten Nachwuchsmusikern und hat bereits viele Preise gewonnen. Richards Liebe ist das Schlagzeug, und der will er bis ans Ende seines Lebens treu bleiben.

Umgeben von zahlreichen großen und kleinen Trommeln und Becken in verschiedenen Größen sitzt Richard, nickt ein paar Mal mit dem Kopf, schließt die Augen und lässt die Holzsticks in seinen Händen übers Schlagzeug fliegen. Aus schwarzen Boxen tönt ein Rhythm-and-Blues-Playback, das der hochgewachsene, schlaksige Jugendliche mit seinem Rhythmus untermalt. Richard lächelt und träumt sich weg in eine andere Welt. Richards kleines Reich ist ein elf Quadratmeter kleines Zimmer im Keller eines Reihenhauses in Endenich, fensterlos und spärlich eingerichtet. Der Boden ist mit Teppich ausgelegt, an der niedrigen Decke hängt Schaumstoff. Den Raum füllt das Schlagzeug aus. Hier verbringt der Bonner bis zu fünf Stunden am Tag. Am liebsten spielt er Groovemusik: Funk, Fusion, Rhythm and Blues.

Als seine Mutter Ursula schwanger mit ihm war, bemerkte sie bereits den musikalischen Einschlag ihres Sohnes. Wenn sie zu Musik tanzte, die dem heranwachsenden Jungen in ihrem Bauch nicht gefiel, begann er zu treten, bis sie den Raum verließ. „In dem kleinen Paket, das da ankam, war bereits das Schlagzeug mit drin“, sagt sie. Mit eineinhalb Jahren habe ihr Sohn zum ersten Mal einen Drummer gesehen, da sei er wie zur Salzsäule erstarrt.

Auf dem Museumsmeilenfest interessierten sich die anderen Kinder für Rutschbahn und Hüpfburg. Der kleine Richard aber stand vor der Musikband und starrte wie gebannt auf den Schlagzeuger. Seine Eltern erkannten und förderten das Talent ihres Sohnes. Mit fünf Jahren nahm er Schlagzeug-Unterricht in Bad Godesberg bei Orsat Gozze. Ab 2010 gewann er zahlreiche Preise bei Musikwettbewerben, darunter vier Mal bei Landes- und Bundeswettbewerben von „Jugend musiziert“.

Heute spielt der Gymnasiast in bis zu 15 Bands mit, nimmt Musik mit Pop-Sänger Fabio Battista auf, wird vom Land im Rahmen der Hochbegabtenförderung unterstützt und studiert neben der Schule an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Die Musik füllt nahezu sein ganzes Leben aus.

Großen Einfluss hatte auf ihn das Medienverbot, das ihm seine Eltern als Teenager erteilten. Er bekam kein Handy und durfte nur wenig Zeit vor Computer und Fernseher verbringen. Was ihn damals ärgerte, dafür ist Richard heute dankbar. „Ich bin froh, dass es so war“, sagt er. „Dadurch habe ich es geschafft, meine Musik zu machen und kreativ zu sein.“ Kaffee, Alkohol, illegale Drogen und zuviel Ablenkung durch Internet und Fernsehen, all das lehnt der 17-Jährige vehement ab. Ekstase findet er in der Musik: „Es hat definitiv etwas von Rausch, wenn ich Schlagzeug spiele.“

In Richards Schlafzimmer stehen ein Keyboard, ein Übungspad für Schlagzeuger sowie eine Musikanlage und ein Radio aus den Siebzigern. Was fehlt: Fernseher und Spielekonsole. „Ich finde es schade, wie wenig sich Leute in meinem Alter für Musik und Kultur interessieren“, sagt der 17-Jährige.

Richards Welt ist analog, er spielt Schlagzeug. Die Welt seiner Generation ist digital, sie spielen Videospiele. „Ich glaube ich sitze auch mit 90 Jahren noch am Drumset und bin glücklich“, sagt Richard. „Mit anderen in einer Band zu spielen, ist pure Magie.“

Im Wohnzimmer der Familie kramt Ursula Münchhoff Videos und Broschüren hervor, die ihren Sohn zeigen. Die Eltern kümmern sich um die Vermarktung des Nachwuchsmusikers. Eine eigene Internetseite gehört dazu. Seit er fünf Jahre alt ist, fährt ihn seine Mutter zu Musikunterricht, Proben und Auftritten. „Ich kutschiere seit Jahren 50 Teile Drumset im Auto hin und her“, sagt sie. Es sei wichtig, mit der Vermarktung so früh wie möglich anzufangen. „Vitamin B ist leider fast noch wichtiger, als gut spielen zu können“, sagt Richard und bleibt bescheiden: „Ich will weder reich noch berühmt werden, sondern dahin kommen, dass ich davon leben kann; solange ich meine Musik machen kann, bin ich glücklich.“ (Andreas Dyck)