Bonner Uniklinik-Direktor

Seilbahn ist einzige Alternative zum Stau

Bonn. Wegen Kanalbaustellen auf den Zubringerstraßen zum Venusberg rauften sich Autofahrer und Fahrgäste in den Bussen wieder die Haare. Es staute sich hinunter bis nach Poppelsdorf und Kessenich. In der Schlange stand auch Professor Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor am Uniklinikum (UKB). Seine Schlussfolgerung: Ohne Seilbahn geht es nicht.

„Die Staus auf den Zufahrtswegen zum UKB haben ein kritisches Maß überschritten“, sagte Holzgreve auch angesichts der Staus durch Glatteis in den vergangenen Tagen.

„Wir ergreifen viele Maßnahmen zur Reduzierung des Individualverkehrs, die vom Mobility Ticket über E-Bikes bis zur Mitfahrerzentrale gehen und uns viel Geld wert sind.“ Doch letztlich gehe es darum, auf dem Klinikgelände anzukommen.

Dabei könnten die zweispurigen Zufahrtswege über Robert-Koch-Straße und Ippendorf aber nicht verbreitert werden. Die müssen für Anwohner, Besucher, 8000 Mitarbeiter, jährliche 350.000 ambulante und 50.000 stationäre Patienten reichen.

Auch bei schönem Wetter kommt es zu den Stoßzeiten zu Stop-and-go-Verkehr, oft schon an der Ampel vor dem St. Marien-Hospital.

Das Land würde 90 Prozent übernehmen

Eine alternative Route durch den Kottenforst sei laut Holzgreve gesetzlich nicht durchsetzbar, auch ein Tunnel mit Aufzug zum Venusberg utopisch. „Eine Seilbahn ist vernünftig und ökologisch gut“, sagte er. Sie sei auch finanziell die beste Lösung.

Diese Varianten für die Trassenführung der Seilbahn sind im Gespräch.

Diese Varianten für die Trassenführung der Seilbahn sind im Gespräch.

Verkehrsexperte Professor Heiner Monheim rechnet mit Kosten von etwa 50 Millionen Euro für eine Umlaufbahn mit mehreren Gondeln zwischen Regierungsviertel und Klinik. Das Land würde 90 Prozent übernehmen. Wie berichtet, gibt es mehrere Trassenvarianten – so der Zwischenbericht der laufenden Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse im März vorliegen sollen.

„Die positive Erfahrung vieler Länder zeigt, dass eine Seilbahn als alternatives Verkehrsmittel enorme infrastrukturelle Vorteile für die Stadt bringen kann. Für Bonn geht es jedoch um viel mehr – nämlich um Menschenleben“, so Holzgreve, der auf einen baldigen Ratsbeschluss hofft.

Bürgerinitiative sammelt Unterschriften

Doch es gibt auch Gegner wie die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“, die derzeit Unterschriften für ihre Anliegen sammelt. Kritiker beklagen, dass die Bahn über ihre Häuser hinweg fahren und eine Schneise in den Venusberg geschlagen werde. Dabei schweben die Gondeln, in die auch Fahrräder mitgenommen werden könnten, später wohl zu weiten Teilen über unbewohntem Gebiet und auch über die Wipfel der Bäume am Hang. Das geht laut Holzgreve aus bereits vorliegenden Untersuchungen hervor.

Dem Ärztlichen Direktor ist es egal, ob die Bergstation auf dem Klinikgelände selbst oder daneben liegen werde. Jeder, der oben ankommt, könne alle Gebäude dann schnell zu Fuß erreichen. Wer heute ohne Jobticket mit dem Auto zur Arbeit auf den Berg fährt, muss für seinen Parkplatz zahlen. Die Gebühren dafür sind nach Angaben des UKB nach Alter und Berufsausübung gestaffelt.

Sollte es für die Bahn, die auch Naherholungssuchende auf den Berg bringen könnte, einmal grünes Licht geben, soll der Bau in wenigen Monaten möglich sein. Das liegt daran, dass die Spezialfirmen viel Erfahrung mit ihren Bergbahnen haben und auch schon woanders in der Welt urbane Seilbahnen errichtet haben.

In Bonn könnte die Talstation zum Beispiel am World Conference Center Bonn und/oder am künftigen Bahnhaltepunkt „UN-Campus“ liegen, wo dann zahlreiche Verkehrsströme – Züge, Stadtbahn, Busse und Autos – zusammenlaufen. Eine Fahrt von dort auf den Venusberg würde nur wenige Minuten dauern. Nach Angaben der Stadt dauert es nicht mehr so lange, bis auf der Robert-Koch-Straße die Baustellenampel verschwunden ist und der Verkehr wieder besser fließt. Die Kanäle sollen am 24. Februar fertig sein.