Stadtrat diskutiert über Klimaanlagen

Schwitzen Bonner weiter in Bus und Bahn?

Die Bonner müssen weiterhin in Bussen und Bahnen schwitzen.

ES ist noch unklar, ob die Fahrzeuge der Stadtwerke Bonn zukünftig alle klimatisiert sein werden.

Bonn. Die Politik vertagt den Entschluss, ob alle Bahnen klimatisiert sein sollen, die die Stadtwerke Bonn kaufen wollen. Die Anschaffung würde insgesamt 65 Millionen Euro kosten.

Vor der Sommerpause hat der Stadtrat Finanzierungsdetails zum Ankauf von 26 neuen Straßenbahnen (Linien 61, 62, 65) für rund 65 Millionen Euro beschlossen. Noch bis Ende dieses Monats können Unternehmen Angebote unterbreiten, der Zuschlag soll spätestens Anfang Oktober erfolgen. Unklar ist bislang allerdings, ob es klimatisierte Fahrzeuge werden. Die Stadtwerke Bus und Bahn (SWB) haben diesen Aspekt in ihrer Ausschreibung zwar als Option berücksichtigt, es ist politisch aber noch keine grundsätzliche Entscheidung dazu gefallen.

Klimaanlage zu betreiben, verbraucht doppelt so viel Strom

Die SPD hat einen Antrag in den Rat eingebracht, der darauf abzielt, nur klimatisierte Niederflurbahnen zu berücksichtigen. Er wurde allerdings vertagt und in den nächsten Verkehrsausschuss am 11. September zur Mitberatung verwiesen. Geht es nach den Sozialdemokraten, sollten die SWB bei sämtlichen Neuanschaffungen von Bahnen und Bussen künftig nur noch auf klimatisierte Fahrzeuge setzen und „klimafreundliche Kältemittel“ verwenden. Derzeit wird das Kältemittel R134a eingesetzt – ein Treibhausgas. Mit alternativen Anlagen sind laut Umweltbundesamt einige Forschungsprojekte befasst.

Weiter noch als die SPD geht der Bürger Bund Bonn (BBB), der ob des Klimawandels und zu erwartender steigender Temperaturen im Sommer sogar auf Vollklimaanlagen bei neuen Bussen und Bahnen besteht. Im Gegensatz zu elektrischen Klimaanlagen, die laut Angaben der Stadt in der Lage sind, die Raumtemperatur um etwa vier Grad gegenüber der Außentemperatur abzukühlen, können Vollklimaanlagen die Innentemperatur auf 20 Grad absenken. BBB-Fraktionschef Marcel Schmitt begründet den Vorstoß mit den Worten: „Eine Fahrt mit Bussen und Bahnen während heißer Tage gleicht in Bonn eher einem Saunagang.“

Die Fraktionen der Jamaika-Koalition halten Klimaanlagen durchaus für „wünschenswert“. Sie betonen allerdings auch die wirtschaftliche und ökologische Verhältnismäßigkeit der Ausstattung. „Sie soll überall dort erfolgen, wo technisch möglich und wirtschaftlich beziehungsweise im Hinblick auf den Stromverbrauch vertretbar“, sagte Henriette Reinsberg (CDU) auf Nachfrage. Rolf Beu von den Grünen betont, „eine Klimatisierung der Busse und Bahnen dient der Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs“. Eine „Übersteuerung“ sei aber nicht nur gesundheitsschädlich, sondern auch aus ökologischen Gründen „nicht wünschenswert“. FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich hält eine Ausstattung mit Vollklimaanlagen für nicht notwendig, da etwa bei Bussen mit Dieselmotoren „der Verbrauch und damit die Emissionen stark ansteigen“.

Höhere Kosten

Allerdings hat ein solches Unterfangen unter mehreren Gesichtspunkten seinen Preis: „Die Kosten für die Beschaffung der Klimaanlagen unterscheiden sich abhängig von Fahrzeugart und -größe sowie Ausschreibungsergebnissen, sind aber nicht vernachlässigbar“, schreibt die Bonner Stadtverwaltung in einer Stellungnahme. Die SWB verweisen auf Nachfrage gegenüber dem GA zu den genauen Preisunterschieden auf die laufende Ausschreibung.

Zumindest lässt sich an einigen Beispielen erkennen, wie sich Klimaanlagen finanziell auswirken. Die SWB haben derzeit 15 Stadtbahnwagen (Linien 16, 18, 63, 66, 67, 68) mit elektrischen Klimaanlagen. Nach deren Auskunft kostet die Wartung pro Bahn 3200 Euro im Jahr. Wenn die Klimaanlage in Betrieb ist, braucht sie den doppelten Fahrstrom. Bei den Bussen sind für Wartung und Instandhaltung pro Fahrzeug jährlich 250 Euro bei elektrischen Klimaanlagen und 1500 Euro bei Vollklimaanlagen fällig.

Zudem verbraucht ein Bus im Betrieb bei den einfacheren Klimaanlagen einen halben Liter mehr Diesel, bei den technisch hochwertigen Anlagen vier Liter mehr. Allerdings gilt nach wie vor die Ansage von Anja Wenmakers, Chefin der SWB-Tochter, bis 2030 auf Elektrobusse umsteigen zu wollen. Nichtsdestotrotz wird die zusätzliche Energie auch bei E-Bussen irgendwo herkommen müssen. Nicht seriös beantworten lässt sich aus Sicht der Verwaltung, „in welcher Höhe durch den höheren Reisekomfort zusätzliche Fahrgäste und Fahrgeldeinnahmen gewonnen werden können“.

Wie effizient sind die Klimaanlagen?

Die SWB haben stets zu bedenken gegeben, ob die Investition in Fahrzeuge mit teuren Klimaanlagen sinnvoll ist. Gerade Straßenbahnen und Busse führen viele Haltestellen an und öffneten entsprechend häufig die Türen. „Außerdem werden Temperaturen von Fahrgästen individuell sehr unterschiedlich empfunden“, sagte SWB-Sprecher Werner Schui. Es stellt sich also die Frage nach der Effizienz. Der Bürger Bund hält dem entgegen, dass in vielen südeuropäischen Großstädten klimatisierte Busse und Bahnen zum Standard gehörten.

Die Linksfraktion setzt sich mit einem Änderungsantrag zum SPD-Vorschlag dafür ein, die SWB mögen künftig gerade beim Ankauf von Gelenkbussen darauf achten, Modelle mit größeren Fenstern anzuschaffen. Damit wäre beim Ausfall von Klimaanlagen immerhin gewährleistet, dass frische Luft von außen ins Fahrzeug komme. Es müsste Verriegelungsmöglichkeiten der Fenster geben, damit sie beim Betrieb der Klimaanlagen nicht offen stünden.

Bei den Linienbussen setzen die SWB seit zehn Jahren auf Fahrzeuge mit elektrischen Klimaanlagen. Derzeit sind 162 Standard- und Gelenkbusse damit ausgestattet. Bei Neufahrzeugen setzen die Stadtwerke, so Schui, auf auf separate elektrische Klimaanlagen für den Fahrerraum, um angenehmere Arbeitsbedingungen zu schaffen.