Landesmuseum Bonn

Schwere Glasscheiben hängen an Saugnäpfen

BONN. Die unendliche Geschichte um bruchgefährdete Glasscheiben auf dem Dach und an der Fassade des Landesmuseums findet anscheinend jetzt doch bald ein Ende. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR), Träger des Museums an der Colmantstraße, lässt seit Anfang dieser Woche die sogenannte Überkopfverglasung auf dem Dach komplett austauschen.

Im Frühjahr soll die Sanierung der an einigen Stellen schadhaften Glasfassade folgen. Eine Gefahr für Besucher besteht nicht, erklärte am Dienstag Birgit Beyer, Sprecherin des Museums.

Die Überkopfverglasung muss Beyer zufolge nach Abschluss eines Beweissicherungsverfahrens der Haftplichtversicherer der Architekten zahlen, weil bei der Instandsetzung des Gebäudes falsche Glasscheiben verwandt worden waren.

Die Scheiben werden nun mit Hilfe eines Krans aufs Dach gehievt und peu à peu ausgetauscht. Die Kosten für den Austausch der Scheiben an der Fassade werden laut Beyer anteilig den Versicherungsleistungen des Haftpflichtversicherers der Architekten und den geltend gemachten Bürgschaftsleistungen der insolventen Ausführungsfirma bezahlt. Bei den Fassadenscheiben sei gut die Hälfte vom Austausch betroffen. Wie hoch die Kosten insgesamt sind, konnte sie am Ddienstag allerdings noch nicht sagen.

Drei Jahre nach Abschluss der rund 80 Millionen Euro teuren Grundsanierung des Museums, begann 2006 der anfangs rätselhafte Glasbruch an der Fassade. Zwei ein mal drei Meter große Scheiben hatten sich gelöst und waren zu Boden gefallen.

In den darauffolgenden Jahren fielen weitere Scheiben herab, seitdem sind grüne Sicherheitsnetze an den betroffenen Stellen gespannt. Der Haupteingang wurde mit einer Dachkonstruktion gesichert, zudem halten Gitter die Besucher von den Gefahrenzonen fern.

Untersuchungen ergaben, dass die damals beauftragte und inzwischen insolvente Glasbaufirma beim Gros der Scheiben nicht, wie abgesprochen, bruchsicheres Glas verwendet hatte. Einzig die Ecke über dem Restaurant war mit dem teureren bruchsicheren Glas verkleidet worden.

So beschäftigte der Fall auch seit 2007 das Bonner Landgericht. Der LVR hatte nach den ersten Vorfällen ein selbstständiges Beweisverfahren angestrengt. Bereits weit vor der Einweihung des sanierten Museums 2003 waren der Altbau aus dem Jahr 1898 sowie die Erweiterung des Neubaus von 1967 ständig in den Schlagzeilen.

Denn nicht nur die einst auf umgerechnet 45 Millionen Euro veranschlagten Kosten hatten sich nahezu verdoppelt, sondern auch die eigentlich auf drei Jahre geplante Bauzeit.