Fragen nach der Verantwortung bleiben unbeantwortet

Schweigen bei den Firmen und im Presseamt

Gestern Nachmittag am WCCB: Material für die Bauarbeiter wird angeliefert und abgeladen. FOTO: HORST MÜLLER

Fragen nach der Verantwortung des Generalplaners und der Projektsteuerer bleiben unbeantwortet

BONN. Bei den Firmen, die bislang Nachtragsforderungen gestellt haben, handelt es sich um die mit Hochbauarbeiten beauftragte Firma Ed. Züblin AG, um die Imtech GmbH (Sanitär und Lüftung) sowie die Elektro-Anlagenbau GmbH Neustrelitz (EAN). Alle drei Firmen hat der GA nach den Gründen für die Nachtragsforderungen gefragt.

Geantwortet hat bisher nur Züblin: "Ich muss Sie bitten, sich an die Stadt Bonn zu wenden. Dort werden alle Anfragen zu dem Projekt bearbeitet", erklärte Firmen-Sprecherin Birgit Kümmel. Doch auch das städtische Presseamt mauerte mit Hinweis auf Vertraulichkeit bei Vertragsangelegenheiten. Aus den Vorlagen für die nichtöffentliche Ratssitzung am Donnerstag ist aber zu entnehmen, dass die Firmen insbesondere "gestörte Bauabläufe" mit der Folge von "Bauzeitenverlängerungen" als Gründe anführen.

Eine der Hauptursachen soll der Umstand sein, dass es seit Mai 2014 keinen abgestimmten Bauzeitenplan zum genauen Ablauf auf der Baustelle mehr gegeben habe, heißt es in der Ratskoalition.

Dies sei dem WCCB-Unterausschuss nicht in der Deutlichkeit mitgeteilt worden, wie man es hätte erwarten können, kritisierte der Vorsitzende Tom Schmidt gestern. Insofern sehen viele Ratspolitiker nach GA-Informationen vor allem den Generalplaner - die Arbeitsgemeinschaft Heinle Wischer GmbH und Inros Lackner AG - mit in der Verantwortung für das Dilemma.

Eine entsprechende Anfrage des GA ließ Architekt Markus Kill von der Arge unbeantwortet. Auch die Stadtverwaltung schwieg sich aus - wieder mit Hinweis auf die Vertraulichkeit bei Vertragsangelegenheiten. Sie beantwortete nicht einmal die GA-Frage, was genau die Aufgaben des Generalplaners und des Projektsteuerers Ernst & Young bei der WCCB-Fertigstellung sind und ob sie für die Kostenentwicklung in die Verantwortung genommen werden könnten.

Fest steht: Nachdem der damalige Insolvenzverwalter Christopher Seagon die ursprünglichen WCCB-Konstruktionsunterlagen nur gegen eine hohe Summe herausrücken wollte, verzichtete das Städtische Gebäudemanagement (SGB) als Bauherr auf den Kauf und beauftragte den Generalplaner mit der Erstellung neuer Pläne. Die Arge bekam außerdem die Bauleitung.

Das ursprünglich vom Rat bewilligte Budget von rund 65 Millionen Euro ist schon lange überzogen. Aktuell sollen die Fertigstellungskosten für den Kongresssaal samt Parkhaus, Abgeordnetenhäusern und Außenflächen bei 79,8 Millionen Euro liegen. Ursprünglich sollten die reinen Baukosten für das gesamte WCCB - also Hotel plus Kongresszentrum - rund 100 Millionen Euro betragen. bau/lis/ww