Kommentar zum antisemitischen Angriff

Schwarzer Mittwoch im Bonner Hofgarten

Am Bonner Hofgarten kam es zu dem antisemitischen Angriff am Mittwochnachmittag.

Am Bonner Hofgarten kam es zu dem antisemitischen Angriff am Mittwochnachmittag.

Bonn. Der doppelte Angriff auf einen Juden im Hofgarten ist abscheulich - und er zeigt nur die Spitze des Eisberges, glaubt GA-Redakteurin Ulla Thiede.

Eine jüdische Bekannte aus Israel, die seit bald zehn Jahren in Bonn lebt, fühlt sich hier schon lange nicht mehr sicher. Ihre beiden kleinen Söhne hat sie gebeten, auf die Frage nach ihrer Herkunft nicht mehr zu sagen: „Aber meine Mama kommt aus Israel!“ Wiederholt ist sie auf der Straße bespuckt und beschimpft worden. Die Aggressoren sind Menschen mit Migrationshintergrund, aus arabisch-muslimischen Staaten.

Seit Jahren wird darüber gestritten, welcher Antisemitismus schlimmer sei, der importierte oder der original deutsche. Wie viel Hass, Vorurteile, Ablehnung gegenüber Juden in der Mehrheitsgesellschaft verbreitet sind, erfährt man schon beim Lesen von Kommentarspalten in den sozialen Medien. Auch die Polizeistatistiken geben Auskunft, obgleich sie nur die Spitze des Eisbergs sein dürften.

Dass ein israelischer Wissenschaftler aus den USA am Mittwoch am helllichten Tag in der Innenstadt doppeltes Opfer eines Angriffs wurde, ist abscheulich. Offenbar war die Kippa für den mutmaßlichen palästinensischen Täter ein rotes Tuch, während sich der anschließende Polizeiübergriff auf denselben Mann – man will es hoffen – als Folge einer Verwechslung seitens der Beamten zwischen Täter und Opfer herausstellen könnte.

Demokratische Tradition in Bonn

Für Bonn, das sich als UN-Standort gern weltoffen präsentiert, das eine glückliche Vergangenheit als erste Hauptstadt der bundesrepublikanischen Demokratie hat, geht dieser Mittwoch als schwarzer Tag in die Annalen ein.

Es komme jetzt keiner mit dem Argument, dass Israel erst seinen Frieden mit den Palästinensern machen müsse, bis wir Deutsche gegen den arabischen Antisemitismus aufstehen. Dies ist eine Argumentation, die in so manchen Köpfen spukt, denen Kritik an Israel so leicht über die Lippen geht und die gleichzeitig für die palästinensisch-arabische Hassrhetorik gegenüber dem jüdischen Staat allzu großes Verständnis aufbringen.

Der israelischen Bekannten würde ich gern Hoffnung machen können, dass Judenhass, egal von welcher Seite, in Bonn nicht geduldet wird. Wäre sie nicht an ihren deutschen Mann und ihre Kinder hier gebunden, sie wäre wohl längst nach Israel zurückgekehrt, sagt sie.