Theaterschule "Bühnenreif"

Schule für Bühne und Persönlichkeit in Ippendorf

Schüler der Theaterschule Bühnenreif führen eine Parodie auf Sherlock Holmes auf.

Schüler der Theaterschule Bühnenreif führen eine Parodie auf Sherlock Holmes auf.

Ippendorf. Am Samstag feierte die Theaterschule „Bühnenreif“ ihr zehnjähriges Jubiläum. Die Kinder lernen dort nicht nur das Schauspielen, sondern auch andere Dinge, die ihnen im Leben weiterhelfen.

Luca kann es nicht mehr halten und rastet aus. Finja hingegen bleibt kühl und ruhig. Abfällig mustert sie das Schwein unter ihr. Jeder im Raum kann die Abscheu förmlich spüren.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Kinder- und Jugendlichen-Theaterschule „Bühnenreif“ spielten die beiden Schülerinnen gemeinsam eine Szene aus „Die kuriose Marie“ im Jugendheim St. Barbara. Das Besondere dabei: Beide schlüpften in dieselbe Rolle und spielten im Wechsel. Dadurch füllte jede von ihnen die Kuh „Marie“ mit einem völlig anderen Charakter. Es war eine von mehreren kurzen Vorstellungen, die Schauspielerin Tanja Gottschalk ihre 20 Schützlinge vor den Eltern und Ehemaligen aufführen ließ.

Aber nicht nur das schauspielerische Können stand am Samstag im Fokus. Für alle war es gleichzeitig Gelegenheit, alte Freunde und Schauspielkollegen wieder zu treffen.

"Wie eine kleine Familie"

Schließlich sind hier alle „wie eine kleine Familie“, erzählt der 22-jährige Alessandro Grossi. Er ist schon seit Tag 1 – na gut, genau genommen seit der zweiten Unterrichtsstunde – mit dabei. Und seitdem kam er vom Theaterspiel nie mehr los. Grossi studiert nun Schauspiel an der Alanus Hochschule in Alfter. Bei „Bühnenreif“ nahm für ihn alles seinen Anfang: „Hier habe ich erst wirklich gelernt, was es bedeutet, eine Geschichte zu erzählen.“ Und das tut er mittlerweile mit Erfolg: Grossi spielte bereits oft auf Bonner und Kölner Bühnen, im nächsten Jahr geht er mit seinen Kommilitonen auf Tour.

Lehrerin Gottschalk selbst fand bereits im Alter von zwölf Jahren zur Schauspielerei. Damals hatte sie gemeinsam mit ihren Eltern das Stück „Andorra“ besucht. Mit dem Schließen des Vorhangs öffnete sich für Gottschalk ihr Traum vom Leben auf und mit der Bühne. In Hamburg und an der renommierten Lee-Strasberg-School in London erlernte sie fortan das professionelle Handwerk.

Vor zehn Jahren gründete sie dann ihren Ein-Frau-Betrieb, nachdem sie in Südafrika kleinen Kindern das Theater beigebracht hatte. „Das war einfach atemberaubend, was das bei den Kindern damals freigesetzt hat“, erzählt sie strahlend. Berauscht von ihren Erlebnissen stand für sie bei ihrer Rückkehr nach Deutschland fest: Sie will auch hier andere für die Bühne begeistern.

Mehr als Schauspieler erschaffen

Aber in der Schule geht es um mehr als nur darum, Schauspieler zu erschaffen, sagt Gottschalk. „Ich möchte, dass meine Schüler das Rüstzeug dafür bekommen, einen authentischen und selbstbewussten Auftritt zu haben“. Bei der 13-jährigen Luca Bolling hat das wunderbar geklappt. Ihr hat "Bühnenreif" Selbstbewusstsein gegeben: „Jetzt kann ich auch zum Beispiel in der Klasse besser Vorträge halten, weil meine Schüchternheit weg ist.“

Mehrfach im Jahr treten die 20 Kinder und Jugendlichen von „Bühnenreif“ mit ihren Stücken auf. Alle zwei Jahre gibt es dann eine große, professionelle Aufführung – inklusive Hairstyling und aufwendigen Kostümen. So spielten die Schüler in den vergangenen Jahren bereits Stücke wie die Kleine Zauberflöte oder Narnia im Haus der Springmaus oder auch im Kleinen Theater Bad Godesberg. Der gesamte Gewinn wird anschließend für Kinder in Bonn gespendet. Wieso ihre Schule einen solchen Erfolg hat? „Wir teilen alle die gemeinsame Leidenschaft, und ich glaube, das macht einfach die Qualität und Freude der letzten zehn Jahre aus.“