Cojobo bleibt in der Kritik

Schulausschuss fordert neues Gutachten

BONN. Noch einmal hat der Schulausschuss sich am Mittwochabend mit den Vorwürfen gegen einen Pater des Collegiums Josephinum Bonn (Cojobo) wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs befasst.

Der Redemptoristenorden hatte als Schulträger den Mann vom Dienst suspendiert, nachdem die Staatsanwaltschaft aufgrund einer Anzeige die Ermittlungen gegen ihn eingeleitet hatte.

Die Anzeigenerstatterin, die Mutter eines 16-Jährigen, schilderte in nichtöffentlicher Sitzung des Ausschusses ausführlich, was ihrem Sohn im vorigen Jahr an der Schule widerfahren sein soll. Der Bericht liegt dem GA vor. Darin sagt die Mutter auch, dass sie im vorigen Dezember die Schulleitung über den Vorfall informiert und vorbehaltslose Aufklärung verlangt habe.

Ohne Erfolg. Seitens der Schulleitung und des Schulträgers habe sie ein Klima erlebt, "das ich als Blockade und Bagatellisierung empfunden habe". Ihr Sohn habe die Schule inzwischen verlassen. In einem anderen Fall, in dem die Staatsanwaltschaft ermittelt, geht es um einen damals Elfjährigen, dem an der Schule vor drei Jahren ohne Zustimmung der Eltern ein Zäpfchen verabreicht worden sein soll.

Die Mitglieder des Schulausschusses sind sich laut ihrer Vorsitzenden Dorothee Paß-Weingartz einig, dass dieser Medikamenten-Praxis schnellstens ein Ende gesetzt werden müsse. Dabei verweisen sie auf ein Gutachten, dass die Grünen beim Klinikum Hamburg-Eppendorf eingeholt haben. Auch forderte der Ausschuss den Orden auf, ein unabhängiges Gutachten über die neueren Vorwürfe am Cojobo zu erstellen. Enttäuscht zeigte sich der Ausschuss, dass trotz Einladung kein Vertreter der Bezirksregierung zugegen war.

Der Orden teilte derweil Lehrern, Schülern und Eltern am Cojobo mit, eine von ihm beauftragte Gutachterin habe festgestellt, dass bisher ein "verantwortungsvoller Umgang" mit Zäpfchen an der Schule praktiziert worden sei. Eine "Sexualbezogenheit" habe sie nicht erkennen können. Derzeit werde ein neues Medikamentenkonzept entwickelt, bei dem auf die Zäpfchengabe künftig verzichtet werden soll.