Krönungsmahl im Kapitelsaal des Bonner Münsters

Schnauben und Schmatzen verboten

Krönungsmahl

Uhlehard Freiherr vom Angerbachtal und seine Gattin Hildegundis verlesen Benimmregeln und Tischsitten.

BONN. Die "Königliche Tafel zu Bonna" verhilft zu einer vergnüglichen Zeitreise in das Jahr 1314. Großes steht an in der Stadt, sogar noch nie Dagewesenes: Friedrich der Schöne wird zum König gekrönt, und zwar nicht, wie üblich, in Aachen, sondern im schönen Bonna!

Uhlehard Freiherr vom Angerbachtal und seine Gattin Hildegundis haben Adlige und Bürger versammelt, um die Feierlichkeiten zu planen. Denn bei diesem besonderen Anlass soll nichts dem Zufall überlassen werden.

Wer an der "Königlichen Tafel zu Bonna" teilnimmt, macht eine Zeitreise ins Jahr 1314 und schlüpft in eine der Rollen, die sich Karl Friedrich und Elisabeth Schleier überlegt haben. Am Tisch sitzen der Bürgermeister, der Kämmerer, der Brotbäcker, der Marktmeister, auch Ritter, Hofdamen, Geistliche und viele andere sind zugegen. Für einige haben sich die Schleiers besondere Aufgaben ausgedacht. Sie führen in ihren Rollen als Freiherr und -frau vom Angerbachtal durch den vergnüglichen und leckeren Abend.

Dieser fand am Samstag zum ersten Mal statt. Es war zugleich der Auftakt zur Veranstaltungsreihe rund um das Krönungsjubiläum, denn Friedrich der Schöne wurde 1314 tatsächlich in Bonn gekrönt, als Gegenkönig zu Ludwig dem Bayern. Der Abend im Kapitelsaal des Bonner Münsters, in dem angeblich tatsächlich das Krönungsmahl des Königs stattgefunden haben soll, bot einen unterhaltsamen Einblick in all die Dinge, die es im Spätmittelalter bei den Vorbereitungen für einen solchen Tag zu beachten galt.

Das reichte vom Vorkosten - "Seid gewiss, es ist kein Gift in diesem Essen und in den Getränken" - über Benimmregeln, wenn der neue König durch die Stadt zieht, bis zu den Tischsitten, die unbedingt eingehalten werden müssen: "Kaut mit verschlossenem Munde. Schnauben und Schmatzen sind nicht erlaubt." Den Mund solle man nicht zu voll nehmen, den Nachbarn nicht mit dem Ellenbogen traktieren und, ganz wichtig, sich bloß nicht am Kopf kratzen - es würde den Nachbarn als Zeichen gelten, dass man Läuse hat.

Weise ist, wer sich den eigenen Löffel mitbringt. Ansonsten erhält man einen, den man aber am Ende wieder abgeben muss. Die Veranstalter haben an sehr viele Details gedacht: Heilkräuterempfehlungen von Hildegard von Bingen, alchemistische Experimente zur Überprüfung der Jungfräulichkeit, und Gabeln sind des Teufels! Deshalb hat man neben Löffel und Messer einen kleinen Spieß, um das Menü zu genießen, das im Lauf des Abends aufgetischt wird.

Zwischenzeitlich soll der Aufschneider, der ebenfalls an der Tafel sitzt, zeigen, dass er ein Huhn aufschneiden kann, und nach dem Mahl reinigt man sich die Hände mit einem Tüchlein, das mit "Aqua Rosaria" benetzt wurde. Wer wissen will, woher der Gassenhauer seinen Namen hat, welche Aufgaben der "Magistratus Lustrum" erfüllen soll, was es mit Pimpernüssen und dem Ausruf "All voll!" auf sich hat und wofür man den Löffel aus Rhinozeroshorn benötigt, der sollte sich zur nächsten Königlichen Tafel zu Bonna anmelden.

Termine zum Jubiläum

Das 700-jährige Krönungsjubiläum wird bis Ende November mit historischen Führungen von "Histourical Bonn", dem Nachstellen der Krönungszeremonie im Münster, einem wissenschaftlichen Symposium und der Königlichen Tafel zu Bonna gefeiert.

Die nächste findet am Donnerstag, 11. September, im Kapitelsaal des Münsters statt. Weitere Termine sind 26. September, 25. Oktober, 13. und 21. November. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Die Teilnahme kostet 55 Euro, im Vorverkauf 51,30 Euro. Bis zu 40 Personen können teilnehmen. Infos auf www.kroenung700.de.