United Tribuns in Bonn

Schlag gegen Rockerbande aus Troisdorf

BONN. Polizei und Staatsanwaltschaft haben der Straßenbande United Tribuns einen empfindlichen Schlag versetzt. Nach monatelangen Ermittlungen verhafteten die Beamten bei einer Razzia am 22. Januar drei Männer zwischen 23 und 25 Jahren, wie das Präsidium gestern mitteilte.

Zwei Anführer der Bande aus Troisdorf sitzen schon seit dem vorigen Jahr in Untersuchungshaft. Die Polizei beschlagnahmte sogenannte Rockerkutten, Schlagwerkzeuge, Messer, Bargeld, Drogen und Hormonpräparate. Der Bande wird unter anderem Körperverletzung, Landfriedensbruch und Drogenhandel vorgeworfen.

Die United Tribuns, gegründet von einem Ex-Boxer aus Bosnien, kommen ursprünglich aus Süddeutschland, wo sie sich blutige Kämpfe mit den rivalisierenden Hells Angels geliefert haben. Sie fahren zwar kaum Motorräder, sind aber in einer ähnlich strengen Hierarchie organisiert wie die Rockergangs. Die Tribuns, viele davon Türsteher, Kraft- und Kampfsportler, sind auf "Expansionskurs", wie ein Ermittler dem GA sagte. Es gibt zum Beispiel Chapter in Duisburg, München, Passau, Ingolstadt, Aachen und Köln. Den Troisdorfer Ableger schätzt die Polizei auf 20 Mitglieder.

Deren Gewaltbereitschaft ist offenbar hoch. Der "Präsident" des Chapters, ein in Bonn lebender 31-jähriger Iraker, ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er soll im August 2014 einen Türsteher niedergestochen haben, weil dieser ihm den Zugang zu einer Party in einem Beueler Hotel verwehrt hatte. Später tauchten mehr als 20 mit Schlagstöcken bewaffnete Bandenmitglieder auf, die offenbar die Türsteher im Hotel angreifen wollten.

Als ein Streifenwagen in Sicht kam, zogen sie wieder ab. Die Bande soll danach Mitarbeiter des Partyveranstalters massiv bedroht haben. Ziel war wohl, dass die Firma künftig die United Tribuns als Türsteher einsetzt. Nicht nur in Ermittlerkreisen ist klar: Wer die Tür kontrolliert, kontrolliert auch den Drogenhandel im Club. Ein Spezialkommando nahm den 31-Jährigen fünf Tage später in einer Shisha-Bar an der Kölnstraße fest.

Im Monat darauf klickten für den "Vizepräsidenten" des Kölner Tribuns-Chapters die Handschellen: Bei dem 43-jährigen Iraner stellten die Beamten neben Hieb- und Stichwaffen rund 20 Gramm Kokain sicher, wie die Polizei gestern berichtete. Er sei bis kurz vor seiner Festnahme Vize-Chef der Troisdorfer Tribuns gewesen und gelte als Haupttäter einer Messerstecherei vor einer Spielothek in der Bonner Kölnstraße im Januar 2014. Damals waren Mitglieder der Rockergang Sioux untereinander in Streit geraten (siehe unten). Der größte Teil der Bonner Sioux hat sich später nach Erkenntnissen der Polizei den Tribuns angeschlossen.

Die Ermittler werfen der Troisdorfer Bande auch einen besonders brutalen Angriff auf völlig unbeteiligte Bürger in Siegburg vor - mit Schlägen und Tritten bis zur Bewusstlosigkeit. Am 12. Oktober sollen Tribuns-Mitglieder nachts auf der Frankfurter Straße drei Insassen eines haltenden Autos attackiert haben. Zwei weitere Personen, die helfen wollten, seien ebenfalls schwer verletzt worden. Auf der Flucht sollen sie zwei weitere Passanten verprügelt haben.

"Dieser umfangreiche Ermittlungskomplex hat verdeutlicht, dass die Mitglieder dieser rockerähnlichen Gruppe Straftaten im Gewalt- und Drogenbereich begehen und im Türstehermilieu aktiv sind", erklärte der Erste Kriminalhauptkommissar Rainer Bell als Leiter des Kommissariats 21, das für die Bekämpfung organisierter Kriminalität zuständig ist. "Analog zu klassischen Rockergruppen bewegt sie sich in den einschlägigen Kriminalitätsfeldern", erläuterte Bell. Trotz der fünf Haftbefehle sei nicht auszuschließen, dass die Troisdorfer Bande weitermache.

So wie in Baden-Württemberg: In Reutlingen kontrollierte die Polizei am Donnerstagabend mit einem Großaufgebot eine 30-köpfige Gruppe der United Tribuns. Die Beamten beschlagnahmten unter anderem acht Teleskopschlagstöcke und sieben Messer.