Kommentar zu Nike Wagner

Schaden fürs Beethovenfest

Nike Wagner.

Nike Wagner.

BONN. Dass sich die Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner argumentiert, sich im Fall des verurteilten Musikwissenschaftlers Siegfried Mauser als "Privatperson" geäußert zu haben, ist für GA-Redakteur Andreas Baumann nicht überzeugend. Ein Kommentar.

Manchmal verrät das, was nicht gesagt wird, mehr als alle Worte. So ist es auch mit Nike Wagners „Erklärung“ zum Fall des prominenten Musikwissenschaftlers Siegfried Mauser, der ein verurteilter Sexualstraftäter ist. Mit keiner Silbe nimmt die Intendantin des Beethovenfestes ihre früheren Äußerungen über Freund Mauser zurück, mit denen sie dessen Taten verharmlost hat. Für Nike Wagner ist er ein Opfer von Intrigen.

Nur um es zu verdeutlichen: Wir sprechen hier nicht von Gerüchten oder vagen Beschuldigungen. Wir sprechen von einem rechtskräftigen Urteil in einem Fall und von einer hohen Haftstrafe in einem zweiten Fall, die Mauser nur deshalb noch nicht antreten musste, weil eine Revision am Bundesgerichtshof läuft. Die Vorsitzende Richterin am Münchener Landgericht sprach in diesem zweiten Fall von „ausgesprochen gravierenden Taten“ – und zwar nach eingehender Beweisaufnahme an 19 Verhandlungstagen und der Befragung von 32 Zeugen.

Doch Nike Wagner kommentierte die Vorwürfe gegen Mauser mit dem Hinweis, Frauen auf Jobsuche seien „auch nicht immer nur Engel“. Wenn sie jetzt in ihrer Erklärung ihre Wertschätzung für die „#MeToo“-Bewegung betont, weil Opfer sexueller Gewalt „endlich eine berechtigte und längst fällige Stimme erhalten“ hätten, so wirkt das alles andere als überzeugend. Sie hat Mausers Opfer mit ihren Aussagen in Heidelberg herabgewürdigt. Das wiegt umso schwerer, als Nike Wagner eine Persönlichkeit aus einer berühmten Familie ist, die ihre Worte sorgfältig zu wägen weiß.

Das Argument, sie habe sich nur als Privatperson geäußert, überzeugt nicht. Auf einem öffentlichen Forum wie dem im Heidelberger Theater wird Wagner selbstverständlich mit ihrer Funktion als Intendantin assoziiert. Nicht umsonst hat sie dort auch – völlig zu Recht – beklagt, dass das Beethoven-Jubiläumsjahr in Bonn ohne angemessenen Konzertsaal stattfinden wird. Mit ihrer Verteidigung Siegfried Mausers hat sie einen offenen Brief der Münchener Hochschule für Musik und Theater provoziert. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass Wagner auch dem Beethovenfest geschadet hat. „Auch große Kunst schützt Menschen nicht davor, strafbare Handlungen zu begehen“, schrieb Hochschulpräsident Bernd Redmann in diesem Brief. Treffender kann man die „Causa Mauser“ kaum einordnen.