Parallelen zwischen 1913 und heute

Schüler befragen Abgeordnete im Haus der Geschichte

"Ist es nicht immer eine blöde Idee, Waffen zu liefern?" Schüler von drei Bonner Schulen diskutierten mit Steffen Bruendel (von links), Claudia Lücking-Michel, Katja Dörner und Ulrich Kelber. GA-Chefin vom Dienst, Sylvia Binner, moderierte.

BONN. Wie weit sind wir heute vom Jahr 1913 entfernt, dem Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs? Rechnerisch ist diese Frage für Oberschüler natürlich schnell zu beantworten.

Aus politischer Sicht aber ist sie kompliziert. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Vorkriegssituation von damals und der krisenhaften Weltlage, der sich die deutsche Politik gerade gegenübersieht? Das diskutierten die drei Bonner Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne), Ulrich Kelber (SPD) und Claudia Lücking-Michel (CDU) am Freitag mit historisch interessierten Jugendlichen vom Helmholtz-Gymnasium, Clara-Schumann-Gymnasium und der Integrierten Gesamtschule im Haus der Geschichte.

Nach einer Einführung des Historikers Steffen Bruendel lasen die Abgeordneten aus dem anekdotischen Sachbuch "1913" von Florian Illies. Wie in einem Brennglas bündelt es die geistigen Strömungen und Lebensumstände jener Zeit; schon kurze Ausschnitte machten Parallelen und Unterschiede zu 2014 deutlich.

In der anschließenden Diskussionsrunde ließen sich die Podiumsteilnehmer aufs Offenste von den Schülern und der Diskussionsleiterin Sylvia Binner, Chefin vom Dienst des General-Anzeigers, befragen. "Hat man die Feinde von heute nicht selber bewaffnet?" gab ein Schüler mit Blick auf den Vormarsch der IS-Miliz im Irak zu bedenken. "Und sollte man nicht daraus lernen, dass es immer eine blöde Idee ist, Waffen zu liefern?"

Mit langem Vorlauf war die Veranstaltung von den Parlamentariern geplant worden, die politische Aktualität machte sie nun noch spannender. Denn am Montag müssen Lücking-Michel, Kelber und Dörner in einer Sondersitzung des Bundestages ihre Zustimmung oder Ablehnung für diese Waffenlieferungen signalisieren. Wie ernst sie das Gespräch mit den 16- und 17-Jährigen nahmen, war an ihrem gründlichen Zuhören ebenso zu merken wie am Fehlen parteipolitischer Spitzen. "Ist ein Spiegel-Titelbild wie »Stoppt Putin jetzt« nicht genau die gleiche Propaganda, wie sie vor hundert Jahren stattgefunden hat?", fragte einer.

"Wie können wir sicher sein, dass wir von den Medien ehrlich informiert werden?" Auch bei anderen Schüler-Fragen standen auffallend oft Wahrheit und Moral im Zentrum - Tugenden, die in Krisensituationen schnell auf der Strecke bleiben. Martha, 17, hatte dafür eine gute Erklärung: "Wir sind jetzt in einem Alter, in dem wir anfangen, uns eine eigene Meinung zu bilden. Und es ist blöd, dabei gleich an Grenzen zu stoßen."