Wettbewerb der Schulen

Schüler aus Bonn ermitteln Stadtsieger im Vorlesen

Die 22 Schulsieger zeigten beim Stadtentscheid im Vorlesewettbewerb im Haus der Bildung ihr Können.

Die 22 Schulsieger zeigten beim Stadtentscheid im Vorlesewettbewerb im Haus der Bildung ihr Können.

Bonn. Im Haus der Bildung trafen sich die Schulsieger zum diesjährigen Vorlesewettbewerb. Mit ihren Vorträgen erzeugten sie ganz unterschiedliche Stimmungen.

Luisa würde gerne mehr lesen. „Aber ich mache ja auch so viele andere Sachen“, sagt die Elfjährige. Tennis, Tanzen, Klavierspielen zählt sie auf – und die Schule gibt es ja auch noch. Trotzdem sitzt Luisa am Mittwochnachmittag ziemlich gespannt mit ihrer Mutter in der zweiten Reihe im großen Saal im Haus der Bildung. Denn in ihrer Schule hat sie den Vorentscheid des 59. Vorlesewettbewerbs gewonnen, der auf Initiative des Börsenvereins des deutschen Buchhandels traditionell immer im Frühjahr in den sechsten Klassen stattfindet.

22 Mädchen und Jungen vertreten hier ihre Schule, um aus ihrer Mitte den Stadtsieger zu ermitteln. Viele haben auch Eltern und Mitschüler zur Unterstützung mitgebracht. Einige haben extra ein Vorlese-Coaching besucht.

„Vorlesen ist ja etwas ganz anderes als stilles Lesen“, sagt Gundula Strauss. Die Geschäftsleiterin der Buchhandlung Witsch + Behrendt richtet seit Jahren den Stadtentscheid aus. Mit der eigenen Stimme, mit Tempo und Modulation könne man einem Text ganz unterschiedliche Stimmungen unterlegen. Hauptsache, den Zuhörern wird nicht langweilig und sie bekommen Lust auf mehr. Versprecher sind nicht so schlimm. Sie werden nach den Wettbewerbsregeln nicht angekreidet.

Die Begeisterung ihrer Zuhörerschaft gelingt den meisten Kindern bei ihrer immerhin ersten öffentlichen Vorlesung beeindruckend gut. Man merkt es schon an der andächtigen Stille, die mancher Lehrer sich im Unterricht wohl auch wünschen würde. In ihren kurzen Passagen von jeweils drei Minuten entfachen Christian, Firdaouss, Inga und all die anderen erlesenes Kopfkino. Da gilt es, einen Dämon zu bezwingen, den Angriff eines Hais zu überleben, auf dem Dorfplatz eine Bande zu gründen oder die neue Lehrerin zu ärgern. Was heißt die auch Miss Braitwhistle und trinkt Tee mitten im Unterricht?

Das Spektrum der vorgestellten Bücher reicht von Klassikern bis zu flotten Jugendbüchern im saloppen Stil der 2010er Jahre. Ottfried Preußlers „Krabat“ ist vertreten, aber auch Sherlock Holms und – erstaunlich selten diesmal Cornelia Funke. Harry Potter ist dagegen Schnee von gestern.

Hanno aus Oberkassel hat den dicken Erstling „Eragon“ von Christopher Paolini mitgebracht. Deutlich zerlesen sieht der Fantasy-Schmöker schon aus. So glaubt man Hanno gerne, dass er den Großteil der 736 Seiten bereits geschafft hat. „Das Buch hat er mit 15 Jahren allein geschrieben. Das beeindruckt mich“, sagt Hanno. Als Heimschüler in Montana mag die Langeweile dabei eine Rolle gespielt haben. Auch Hanno hat viele Ideen für ein eigenes Buch, aber lieber liest er andere. Und ist damit nicht allein, denn wer glaubt, nur Mädchen würden gut lesen, der kann sich bei diesem Wettbewerb eines Besseren überzeugen.

Stadtsieger wurde Mika Velden vom Kardinal-Frings-Gymnasium in Limperich. Er vertritt Bonn nun im Bezirksentscheid.