Ausstellung bis zum 30. Juni

Satelliten-Bilder aus dem All im Bonner Stadthaus

Bonn. Die Bonner Firma Mundialis zeigt im Stadthaus eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen des Satelliten Sentinel-1A. Die Fotos lassen einen staunen, wie schön die Erde ist.

Es ist ein großes Rätsel. Mitten in der mauretanischen Sahara klafft ein riesiges Loch. Tief ist es nicht, dieses Auge Afrikas, aber mit seinen zwiebelförmigen Ringen erinnert es an einen gewaltigen Krater. „Vor Ort würden Sie es allerdings gar nicht wahrnehmen“, erklärt Till Adams.

Deshalb hat der Geschäftsführer der Bonner Firma Mundialis eine hochauflösende Aufnahme des europäischen Fernerkundungssatelliten Sentinel-1A mit ins Stadthaus gebracht. Es gebe bereits eine ganze Menge bunter Theorien, wie das Auge entstand, aber noch keine schlüssige, sagt der Diplom-Geograf, „vielleicht gibt es ja demnächst noch mehr“.

Bis zum 30. Juni zeigt Mundialis im Stadthaus-Foyer nicht nur das Auge Afrikas, sondern auch eine Reihe weiterer eindrucksvoller Landschaftsaufnahmen aus dem Weltall, die mit den europäischen Fernerkundungssatelliten im Zuge des Copernicus-Programms aufgenommen wurden.

Adams hat das Unternehmen mit zwei Partnern 2015 als Ableger der eigenen Firma terrestris gegründet, die 2002 seinerseits aus Ausgründung der Bonner Universität entstanden war. „Das Copernicus-Programm hat uns dazu beflügelt“, erklärt Adams. Schließlich sind die Daten der bislang drei Sentinel-Satelliten frei verfügbar und die kommerzielle Nutzung ist ausdrücklich erwünscht. Adams und seine Partner und Mitarbeiter werten diesen Datenschatz nun mit frei verfügbarer Software aus und entwickeln daraus Beratungsangebote.

So liefern die Satelliten viermal täglich hochpräzise Temperaturkarten für die gesamte Erde. Nur Wolken stören das Bild und müssen deshalb herausgerechnet werden. Winzergenossenschaften und Landwirtschaftskammern können die Geografen auf dieser Grundlage angesichts der Erderwärmung zu besseren Fruchtfolgen und besser angepassten Rebsorten beraten.

Als Nebenprodukt der Arbeit haben die Wissenschaftler immer wieder gestaunt, wie schön die Erde von oben aussieht und wie ihre Strukturen in der richtigen Vergrößerung und Farbgebung abstrakter Kunst ähneln. Schließlich nehmen die Satellitenkameras acht Farbtöne auf, die sich beliebig mischen lassen. Sylt mit dem Wattenmeer, leichte Wölkchen über der Steppe Sibiriens oder das Mündungsgebiet des Rio de la Plata in Südamerika sind so für optische Überraschungen gut. Ebenso Bonn, die Region und das Rheintal. In einer eigenen Edition bietet Mundialis diese Bilder jetzt auch nach Kundenwunsch konfektioniert auf Acryl oder Aluplatten gedruckt zum Kauf an.

Theoretisch kann jedermann sich aber auch selbst ein Bild der Welt machen. Die Daten und Programme sind frei zugänglich. „Die Datenmengen würden ein privat üblichen PC aber sehr schnell überfordern“, warnt Mundialis-Mitarbeiterin Susanne Meyer. Und es brauche auch Erfahrung den Wust an Rohdaten überhaupt richtig zu lesen.