Stil der Gotik und Romanik

Sankt Sebastian in Poppelsdorf wird 125 Jahre alt

Die Kirche Sankt Sebastian in Poppelsdorf: Es dominieren neoromanische und neogotische Elemente - die Baustile des 19. Jahrhunderts.

POPPELSDORF. Bis 1888 gab es nur eine kleine Kapelle am Poppelsdorfer Platz. "Aber damals platzte Poppelsdorf aus allen Nähten", erzählt Poppelsdorfs Pfarrer Bernd Kemmerling. Viele Firmen und Universitätsmitarbeiter hatten sich dort niedergelassen. Und so beantragte man in Köln eine größere Kirche.

Was das Erzbistum gestattete - dazu trug sicher auch bei, dass die Poppelsdorfer bereits ein gutes Startkapital zusammengebracht hatten. Und so feiert man an diesem Sonntag die Grundsteinlegung der Pfarrkirche Sankt Sebastian vor 125 Jahren.

Deren Architekt Frank Langenberg übernahm die Gestaltung des dreischiffigen Gebäudes und entschied sich für eine Kombination aus neoromanischem und neogotischem Baustil. Das zeigt sich schon im Eingang: Die Spitzbögen sind gotisch, die Fenster romanisch. Diese Mischung sei typisch für den sogenannten Historismus, sagt der Pfarrer. Im ersten Bauabschnitt bis 1890 entstanden Chor und Mittelschiff, danach wurden bis 1908 das Joch und die Fassade mit Glockenturm fertiggestellt.

Seitdem hatte es diverse Sanierungen gegeben, die letzten waren 2004/05 am Turm und 2008/09 am Langhaus, das auch mit neuer Technik ausgestattet wurde. Im Inneren steht als wertvollstes Stück eine Bischofsstatue aus dem 14. Jahrhundert, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dank einiger Spenden auch eine Sebastianusstatue für die Werktagskapelle angeschafft. Das Chorgestühl stammt aus der Abtei Maria Laach, einige Figuren und die Köpfe der zwölf Apostel aus der Kölner Kirche Maria im Capitol - "wir sind kunsthistorisch mit dem Erzbistum vernetzt", so Kemmerling. Darüber hinaus ist das Kruzifix hinter dem Altar eine Nachbildung des Wechselburger Kreuzes in Sachsen nach gotischer Art mit drei Nägeln.

Anfang der 60er Jahre sammelte der damalige Pfarrer Stöcker in der Gemeinde Geld, denn er wollte für die große Kirche auch eine ordentliche Orgel haben. Sie wurde am 29. September 1963 von der Firma Klais installiert und ist seitdem zwar restauriert, aber nicht verändert worden. Mit 36 Registern, drei Manualen, 2718 Pfeifen, mechanischer Traktur und elektrischer Registrierung zählt sie laut Kemmerling "zu den wertvollsten Instrumenten in den Bonner Kirchen".

Und der Kirchenchor an Sankt Sebastian harmoniere hervorragend damit. Die Gemeinde feiert an diesem Wochenende also gleich zwei Jubiläen. Viele beteiligen sich daran, wofür Pfarrer Kemmerling sehr dankbar ist: "Es geht darum, dass die Gemeinde aus lebendigen Steinen besteht."

Festprogramm

Das 125-Jahre-Fest an diesem Sonntag beginnt mit einem Festhochamt ab 10.30 Uhr, bei dem der Kirchenchor zusammen mit einigen Solisten Mozarts Krönungsmesse singt. Anschließend wird ein Frühschoppen organisiert, bei schönem Wetter draußen, sonst im Pfarrsaal. Dabei verkaufen unter anderem die Messdiener, die kürzlich auf Wallfahrt in Rom waren, Kuchen, um ihre Kasse aufzubessern. Um 16 Uhr spielt Kantor Christoph Hamm auf der Klais-Orgel ein Konzert mit Werken von Bruhns, Bach, Mandelssohn-Bartholdy und anderen Komponisten. Die Gemeinde hofft auf viele Gäste.