Tannenbusch

Sanierungsstau und Leerstand in der HICOG-Siedlung

BONN. Klara Geilenkirchen steht in ihrer kleinen Küche in der Tannenbuscher HICOG-Siedlung und zeigt, was alles sehr wohl möglich ist. Sie ist stolze Mieterin einer der denkmalgeschützten Wohnungen in der Amerikanischen Siedlung, die der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gehört. Sanierungsstau und Leerstand: Mieter der HICOG-Siedlung fordern "Runden Tisch"

"Hier ist sogar Platz für eine Spülmaschine. Ansonsten ist die Einrichtung für diese Größe doch optimal." Klara Geilenkirchen steht in ihrer kleinen Küche in der Tannenbuscher HICOG-Siedlung und zeigt, was alles sehr wohl möglich ist. Sie ist stolze Mieterin einer der denkmalgeschützten Wohnungen in der Amerikanischen Siedlung, die der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gehört. Moderne Küchengeräte ergänzen den Fünfziger-Jahre-Schick.

Schön, die Reihe Glasschütten für Salz, Mehl und andere Zutaten sind noch original, ebenso die Hängeschränke darüber. Lediglich die roten Griffe sehen nicht aus, als seien sie aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders. Und eine Arbeitsplatte sieht auch höher als die ursprüngliche aus. Auch Geilenkirchens Nachbarin Petra Gereit würde sich nur ungern von der alten Küche trennen: "Es gab Mieter, die haben sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass die herausgerissen wurde, und die BImA hat sie dennoch entfernt", sagt sie.

Dass die Behörde nun klagt, der Denkmalschutz sei Schuld am Sanierungsstau in den Siedlungen in Tannenbusch und in Pennenfeld, bringt die zum Teil sehr langjährigen Mieter regelrecht auf. Sie fordern einen Runden Tisch mit Vertreter von BImA und Stadt.

Gereit lebt schon seit 1957 hier. "Mein Vater wurde damals zwangsversetzt", erzählt sie mit keckem Blick. Der Bundeswehroffizier zog mit der Familie nach Tannenbusch - und Gereit blieb. "Hier leben viele Kinder der Erstbewohner, und alle fühlen sich wohl hier", erzählt sie, und die anderen nicken. Peter Schumburg lebt seit 1953 in der Siedlung, die seit 1995 unter Denkmalschutz steht.

1999 wurden die Satteldächer aller Häuser neu eingedeckt - ausgenommen die Dormitories, die Schlafstätten, so Norbert Höfer, einer der Mitinitiatoren der Mieterinitiative HICOG Dünenfüchse. Das Gleiche dann 2000, als alle Häuser doppelverglaste Fenster bekamen, nur wieder die Dormitories nicht. "Die zwei Gebäude mit jeweils 24 Wohneinheiten für studentische Wohngemeinschaften stehen fast leer. Sie wären für Studenten preislich und lagemäßig ideal, befinden sich aber in einem unvermietbaren Zustand, weil sie seit 15 Jahren nicht in die Renovierungsmaßnahmen der Siedlung einbezogen wurden", sagt Klara Geilenkirchen.

Dabei gebe es durchaus Interessenten für die Häuser, die von außen einen sehr verfallenen Eindruck machen. Dort gehören zu jeweils sechs Zimmern je eine Gemeinschaftsküche und ein Gemeinschaftsbad. "Für WGs wäre das ideal", meint Lukas Bäuerle. Der 25-jährige Student hat sich mit sieben weiteren Studierenden zusammengetan und möchte mit Unterstützung des Hilfsvereins für studentisches Wohnen und Wirtschaften in Alfter die Immobilie erwerben, denkmalgerecht sanieren und dann an Studierende vermieten. "Wir haben die BImA mehrmals angeschrieben, ein zehnseitiges Konzept geschickt - doch die wollen nicht", berichtet Bäuerle.

Zunächst seien fadenscheinige Gründe vorgeschoben worden, wie etwa, man könne nicht eine Immobilie in einer "Insellage" mitten in einer Siedlung verkaufen. Das würde auch die Energiekostenabrechnung erschweren. Doch dann habe ein BImA-Mitarbeiter erklärt, die BImA wolle das Objekt als Ganzes veräußern, das erweise sich aber wegen des Denkmalschutzes als schwierig.

Das ist genau das, was Mieter wie Thomas Faßbender, Gerlinde und Peter Walther sowie Manfred Spengler längst vermuten: "Die BImA möchte doch nichts lieber als des für ihre Zwecke hinderlichen Denkmalschutzes für die amerikanische Siedlung endlich ledig zu werden. Die Absicht des Bundes und der in seinem Auftrag tätigen BImA ist vielmehr, die ihm vor einigen Jahren von den Amerikanern geschenkte Siedlung endlich ohne hinderlichen Denkmalschutz verkaufen zu können", bringt es Andreas Dahm auf den Punkt. Genau das aber hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber, der sich mehrmals mit den Mietern getroffen hatte, als Aussage der BImA mitgebracht: Ein Verkauf der Siedlung sei nicht geplant.

Doch das Vertrauen der Menschen in den Siedlungen auf die BImA ist arg gestört. Sie ärgert, dass die Behörde den Denkmalschutz dafür vorgibt, dass sie mit der Sanierung nicht hinterherkommt. Mehr noch aber stört sie, dass die BImA angeblich keine Mieter findet. "Das stimmt einfach nicht, dass es keine Interessenten für die Wohnungen gibt", sagt Geilenkirchen. "Mein Mann und ich haben in den vergangenen Jahren mehrmals versucht, ein Apartment in den Dormitories als Arbeitszimmer anzumieten und erhielten die Auskunft, sie würden nicht vermietet."

Der Verein "Wahlverwandte" habe vor etwa drei Jahren Interesse an einer Nutzung der leerstehenden Wohnungen für sein generationenübergreifendes Wohnen geäußert. Es sei abgelehnt worden. Petra Gereit sagt, in ihrem Haus stehe seit drei Jahren eine Wohnung leer. "Im Tannenbusch 24 stehen so viele Wohnungen leer, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann", ergänzt Spengler.

Auch für den seit mindestens 15 Jahren leerstehenden und total verwahrlosten Pavillon am Hochhaus, der ideal für einen Kiosk oder eine Bäckerei wäre, habe es den Mietern zufolge mehrere gewerbliche Interessenten gegeben. "Selbst die damaligen Mieter, eine Heißmangel und ein Second-Hand-Laden, konnten nicht nachvollziehen, weshalb ihnen gekündigt wurde", erinnert sich Geilenkirchen. Die Anwohner möchten diesen Pavillon kostenfrei als Treffpunkt für nachbarschaftlichen Austausch zur Verfügung gestellt bekommen und haben auch dafür ein Nutzungskonzept erstellt. "Die BImA sagt uns nun, dass sie nicht auf Mieteinnahmen verzichten kann", berichtet Geilenkirchen.