Modernisierung der Universität Bonn

Sanierungsbedarf: 92 Millionen Euro

Im ehemaligen Residenzschloss könnte sich die Uni-Leitung auch eine moderne Bibliothek vorstellen.

Im ehemaligen Residenzschloss könnte sich die Uni-Leitung auch eine moderne Bibliothek vorstellen.

Bonn. Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität hat ein Problem. So traditionsreich die Uni ist, die 2018 ihr 200-jähriges Bestehen feiert, so sanierungsbedürftig sind viele ihrer rund 250 Häuser in der Stadt.

Allein im Hauptgebäude, dem kurfürstlichen Residenzschloss, beziffert die Universitätsleitung den Investitionsbedarf auf stattliche 92 Millionen Euro. In ganz Bonn müsste rund eine Milliarde in die Hand genommen werden, sagt Klaus Sandmann, Prorektor für Hochschulplanung. Geld, das die Universität nicht hat; sie ist auf das Land NRW angewiesen.

Die größten Sorgen macht Sandmann das Allgemeine Verfügungszentrum (AVZ) 1 an der Nussallee – rund 5500 Quadratmeter mit viel Laborfläche für Ausbildung und Forschung. Seit 2011 ist sich die Uni mit dem zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes einig, dass das marode Haus durch einen Neubau ersetzt werden muss. Der Rechnungshof fragte 2013, ob eine Sanierung wirtschaftlicher wäre, was Uni und BLB verneinten. Doch seitdem hakt das Projekt.

Zwar wurden Brandschutzmaßnahmen umgesetzt und die Elektrik erneuert, die Betriebserlaubnis für das Zentrum läuft aber bis Jahresende weitgehend aus. Nur einige Büro- und Seminarräume sind noch bis Dezember 2017 nutzbar, nicht aber die Labore. Der mit 37 Millionen Euro veranschlagte Neubau wird frühestens 2020 stehen. Unklar sind die Hintergründe der Verzögerung: In Uni-Kreisen ist von Unstimmigkeiten in der Landesregierung die Rede; der BLB dagegen sagt, die Universität habe den Nutzerbedarf erst Ende 2015 konkretisiert. Der sei Planungsgrundlage.

Vom AVZ-Problem sind viele Studiengänge „massiv betroffen“, wie Prorektor Sandmann betont – Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, Biologie, Chemie, Physik, Pharmazie, Medizin. Die Uni suche mit dem BLB Alternativen in anderen Häusern. Denkbar seien zudem Modulbauten auf dem Gelände der früheren Pädagogischen Hochschule an der Römerstraße. Auf 2500 Quadratmetern könnten dort neben dem mit dem Schadstoff PCB verseuchten, weitgehend leeren Hochhaus auch Labore eingerichtet werden. Mit den Überlegungen der Stadtverwaltung, in der benachbarten Mensa notfalls Flüchtlinge einzuquartieren, werde das Vorhaben nicht kollidieren, so Sandmann. Es seien noch Fragen zu klären.

Gewaltigen Investitionsbedarf hat auch das frühere Residenzschloss, dessen Türme schon saniert worden sind. Die von Sandmann veranschlagten rund 92 Millionen Euro sollen unter anderem in eine neue Heizung, Fenster, Brandschutz, verbesserte Statik und eine Optimierung der Fluchtwege fließen. Ein Zeitplan existiert noch nicht. „Die Sanierung lässt sich nur abschnittsweise umsetzen. Ausweichflächen würden das sehr erleichtern.“ Zur Debatte stehen dabei auch Container und Interimsbauten, wie BLB-Sprecher Frank Buch erläutert. Das Schloss wird von den Theologen, der philosophischen Fakultät und Teilen der Uni-Verwaltung genutzt.

Sandmann könnte sich dort auch die Philologische Bibliothek vorstellen, die im vorerst geplatzten Viktoriakarree-Projekt vorgesehen war. Statische Prüfungen laufen vorsorglich, Abstimmungen mit den Nutzern stehen noch aus. Ohne den Neubau sei allerdings „kein großer Wurf“ im Stadtzentrum mehr denkbar, eher eine Vielzahl kleinerer Lösungen, sagt Sandmann. Der Prorektor stellt deshalb einen neuen Gedanken in den Raum: „Am einfachsten wäre es, wenn wir selbst Flächen in Zentrumsnähe erwerben könnten, um eine moderne Bibliothek zu errichten. So eine Nutzung direkt in der Innenstadt – das wäre jenseits aller zu erwartenden Schwierigkeiten eine Chance für Bonn.“ Ob damit die städtischen Flächen im Viktoriakarree gemeint sind, lässt Sandmann offen.

Gerade für ein solches Projekt würde sich der Prorektor mehr Eigenständigkeit für die Uni wünschen, um nicht nur auf den BLB angewiesen zu sein. „Die Verantwortung sollte dort gestärkt werden, wo der eigentliche Bedarf liegt – vor Ort.“ Dass mit einer aufgestockten eigenen Bauverwaltung viel zu erreichen sei, zeige das Modellprojekt der Kölner Universität, betont Sandmann. „Deshalb wollen wir mit dem Ministerium den bisherigen Kontraktierungszwang mit dem BLB konstruktiv besprechen.“