Streit mit Architekten

Sanierung der Bonner Beethovenhalle wird erneut teurer

Das Dach der Beethovenhalle ist während der Sanierung mit Planen geschützt. Im Vordergrund: die Grube für den unterirdischen Anbau.

Das Dach der Beethovenhalle ist während der Sanierung mit Planen geschützt. Im Vordergrund: die Grube für den unterirdischen Anbau.

Bonn. Die Sanierung der Beethovenhalle in Bonn wird noch einmal 233.000 Euro teurer. Die Verwaltung der Stadt wirft den federführenden Architekten schlechte Arbeit vor.

Die Sanierung der Beethovenhalle hakt immer noch. Im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung hat sich die Stadtverwaltung in der Nacht zum Donnerstag eine weitere Budgeterhöhung genehmigen lassen. Die Firma Drees & Sommer soll 233.000 Euro erhalten, damit sie Aufgaben übernimmt, die eigentlich das Berliner Architektenbüro Nieto Sobejano Arquitectos als Objektplaner erfüllen müsste.

Zwischen Kommune und Architekten kracht es seit mehr als einem Jahr. Stadtdirektor Wolfgang Fuchs warf ihnen mehrfach vor, fehlerhafte Terminpläne und Ausführungsunterlagen vorgelegt zu haben, drohte mit einer Schadensersatzklage. Die Berliner haben im Mai zwar einen neuen Terminplan erstellt, mit dem die mehr als 50 beteiligten Firmen koordiniert werden.

Doch zufrieden ist die Stadt als Bauherrin noch lange nicht. „Trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderung und persönlicher Gespräche ist auf Seiten des Objektplaners keine hinreichende Verbesserung der Präsenz vor Ort und der Koordinierungsleistungen der am Bau beteiligten Planer bzw. Fachplaner und Firmen festzustellen“, schreibt die Verwaltung in einer vertraulichen Beschlussvorlage. „Zudem gestaltet sich die Planlieferung nach wie vor mangelhaft.“

Diese Lücke sollen nun Drees & Sommer mit zusätzlichem Personal schließen. Die Firma ist bereits als Projektsteuerer an der Sanierung der Beethovenhalle beteiligt und kennt die Baustelle im Detail. Die Stadt will die Zusatzkosten den Berliner Architekten in Rechnung stellen. Nieto Sobejano Arquitectos selbst darf sich ohne Zustimmung der Stadt nicht zu den Vorwürfen äußern. „Diesen Umstand bedauern wir sehr und bitten um Verständnis“, teilte das Büro am Freitag mit.

164 Behinderungsanzeigen liegen vor

Das Problem ist: Der gestörte Bauablauf löst bei den beteiligten Gewerken eine Kettenreaktion aus. Bisher haben die Firmen laut Stadtverwaltung schon 164 Behinderungsanzeigen eingereicht, die in der Regel mit finanziellen Nachforderungen verbunden sind. Die schlagen sich auch in sogenannten Nachträgen nieder, die den Unterlagen zufolge bereits eine Gesamthöhe von 12,6 Millionen Euro erreicht haben. Zur Überprüfung der Nachträge hat die Stadt ein spezialisiertes Gutachterbüro eingeschaltet.

Die Kostenprognose für die Sanierung liegt jetzt bei rund 79 Millionen Euro. Dazu kommen weitere 1,4 Millionen für neue Stühle und sonstige Ausstattung. Anfang 2017 hatte die Stadt noch mit insgesamt 61,5 Millionen Euro kalkuliert. Seitdem steigen die Kosten auch deshalb ständig an, weil gut ausgelastete Firmen deutlich mehr Geld verlangen als das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) erwartet hat.

Den gestörten Bauablauf schreibt die Stadt nicht nur den Architekten zu. Probleme mit dem Baugrund, schlechter Bausubstanz und der Statik von Teilen der Beethovenhalle – laut Stadtdirektor Fuchs so nicht vorhersehbar – brachten die Sanierung im Februar dieses Jahres fast zum Stillstand. Ob und wie die technischen Schwierigkeiten inzwischen gelöst sind, konnte das Presseamt am Freitag auf GA-Anfrage nicht kurzfristig beantworten.

Die Stadt rechnet damit, dass die denkmalgeschützte Halle „im ersten Halbjahr 2020“ fertig sein wird, wie aus einer Antwort auf eine Große Anfrage des Bürger Bunds Bonn hervorgeht. Viele Veranstaltungen des Beethoven-Jubiläumsjahres müssen deshalb verlegt werden – die meisten davon ins Opernhaus.