Nimptsch weist Kritik zurück

Sangenstedt fordert Korpsgeist für Bonn

BONN. Bis zur Oberbürgermeisterwahl sind es noch vier Monate. Drei Kandidaten stehen bisher in den Startlöchern. Welche Qualitäten der neue OB mitbringen muss, das ist bei den Spitzen der Stadtgesellschaft unbestritten.

"Er benötigt Verwaltungskompetenz und muss in der Lage sein, eine Stadtverwaltung mit mehr als 5500 Beschäftigten auch professionell zu führen", sagte Rudolf Sangenstedt, Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft "Haus & Grund", gestern Abend beim Jahresempfang des Vereins im Münster-Karree vor mehr als 100 Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Den Gastvortrag zum Thema Wohnungsbau hielt Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD).

Die Lacher auf seiner Seite hatte Sangenstedt, als er die OB-Kandidaten Peter Ruhenstroth-Bauer (SPD) und Tom Schmidt (Grüne) begrüßte und CDU-Kandidat Ashok Sridharan wegen einer beruflichen Verpflichtung als Beigeordneter der Stadt Königswinter entschuldigte. "Er hat halt den großen Nachteil, einen Beruf zu haben", meinte Sangenstedt. Anwalt Ruhenstroth-Bauer und Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Schmidt nahmen es mit Humor - so sah es jedenfalls aus.

Sangenstedt kritisierte den Rat, "Eitelkeiten und Partikularinteressen" zu sehr nach vorne zu stellen anstatt gemeinsam mit dem OB die Stadt als Unternehmen zu führen. Er legte seinen Zuhörern mehrfach die Lektüre des gestern im GA veröffentlichen Gastbeitrags des Bonner Unternehmers Herrmann Simon (siehe oberen Text) ans Herz und meinte, in Bonn dauere vieles einfach zu lange. "Rat und Verwaltung fehlt der Korpsgeist, um die Stadt konkurrenzfähig zu machen." Kein gutes Harr ließ er an der vom Rat beschlossenen Erhöhung der Grundsteuer.

Sie bestrafe alle, die durch ihr Investment den Standort Bonn stärkten und ihr Geld investierten, um Wohnraum zu schaffen. "Angesichts der schwierigen Haushaltslage haben wir zwar unsere Bereitschaft erklärt, einen Beitrag auf der Einnahmenseite im angemessenen Umfang zu leisten. Diese war aber an die Bedingung geknüpft, dass der Rat bereit ist zu sparen." Doch das sehe er nicht, klagte Sangenstedt.

Seinen letzten offiziellen Auftritt bei Haus & Grund hatte OB Jürgen Nimptsch (SPD). Er steht im September nicht mehr zur Wahl und bedankte sich bei Sangenstedt für die stets "konstruktive Auseinandersetzung". Ungewohnt versöhnlich seine Äußerungen zur Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und sehr deutlich seine Worte an seine Kritiker: Ja, sagte Nimptsch, es habe bei vielen Dingen einen Zeitverzug gegeben, aber von Stillstand könne in Bonn trotz widerstreitender Interessen keine Rede sein. "Es ist vieles nach vorne gegangen", sagte der OB und nannte als Beispiel die Wirtschaftskraft der Bundesstadt. Beim Bruttoinlandsprodukt erreiche Bonn pro Kopf in NRW die höchsten Werte. Allein beim WCCB, das im Juni eröffnet werden soll, erwarte die Stadt eine Umwegrendite von 115 Millionen Euro im Jahr. "Bei allem Blut und Schweiß, die das WCCB gekostet hat, es ist ein tolles Projekt geworden."

Auf seinen letzten Metern als OB hofft Nimptsch, dass noch in seiner Amtszeit das Umzugsthema Bonn-Berlin gelöst werden kann und Kanzlerin Merkel alle Verantwortlichen an einen Tisch holt.