Weltkriegsbunker an der Karlstraße

Sanfter Abriss eines Bollwerks

WESTSTADT. Der trotzige Betonklotz ist schon rundherum abgesperrt, oben, auf dem flachen Dach, macht sich ein erster Bagger an der Kieselschicht zu schaffen. Die Stadtwerke Bonn (SWB) lassen den Hochbunker an der Karlstraße abreißen.

Das im Zweiten Weltkrieg errichtete Stahlbetonbauwerk soll einem neuen Büro- und Verwaltungsgebäude am Standort des Heizkraftwerks Nord in der Weststadt weichen.

Nach dem Ausbau des Heizkraftwerks Nord, das vor gut zwei Jahren in Betrieb genommen wurde, sei schon länger geplant gewesen, den Standort auch mit einem modernen Verwaltungsgebäude auszustatten, so SWB-Geschäftsführer Marco Westphal. "Bislang sind die Mitarbeiter hier am Standort über mehrere Gebäude verteilt."

Zudem sollen technische Mitarbeiter, die im Moment noch im Haus der Stadtwerke an der Theaterstraße untergebracht sind, in dem neuen Gebäude einquartiert werden. Insgesamt soll der geplante Neubau 150 Mitarbeitern Platz bieten. Über Entwürfe oder erste Kostenschätzungen könne er noch nichts sagen, so Westphal. Ein Architektenwettbewerb laufe derzeit. Grünes Licht zum Bau müsse am Ende der Aufsichtsrat geben.

Um Platz für den Neubau zu schaffen, wird nun zunächst der Hochbunker abgerissen - keine leichte Aufgabe. "Eine Sprengung kommt nicht infrage, weil das Gebäude nur etwa 70 Meter Luftlinie von der Turbinenanlage des Heizkraftwerks entfernt ist, die Erschütterungen nicht verträgt", sagt Westphal. "Weil wir ja auch keine Erfahrung mit dem Abriss von Bunkern haben, haben wir uns erst einmal umgehört, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt." Der fünfgeschossige, massive Betonbau ist schon jetzt an vielen Stellen mit Löchern durchsiebt. "Wir haben Bohrproben entnommen, um überhaupt zu wissen: Was wurde genau verbaut?", erklärt Kraftwerksleiter Andreas Goldschmidt.

Der Luftschutzbunker, der an der Karlstraße direkt an der Einfahrt zum Stadtwerke-Gelände steht, ist 12,3 Meter breit, 28 Meter lang und 20 Meter hoch. Die Wände sind in den vier Obergeschossen rund zwei Meter dick, im Untergeschoss drei Meter dick. Die massive Bunkerdecke besteht aus mehreren Schichten und ist knapp zwei Meter dick.

Der Hochbunker wurde im Rahmen des "Luftschutz-Sofortprogramms" der Nationalsozialisten (siehe Infokasten) im Kriegsjahr 1941 errichtet, um der Bevölkerung, den Mitarbeitern des an der Karlstraße gelegenen Kraftwerks und des benachbarten Schlachthofs Schutz vor Bombenangriffen zu bieten. Im Dezember 1944 wurde das Kraftwerk schwer getroffen und konnte erst im Jahr 1959 wieder zur Stromversorgung Bonns beitragen.

Um den Stahlbetonbau abzureißen, wird eine Fachfirma ein chemisches Verfahren anwenden. Zunächst Löcher in das Gebäude bohren. In diese Bohrlöcher wird ein Quellmittel gegeben, in Verbindung mit Wasser nimmt es an Volumen zu und bricht so die feste Betonstruktur auf. "Das darf man sich in etwa so vorstellen, wie beispielsweise bei Bauschaum, der sich ausdehnt, nur mit deutlich mehr Kraft", sagt Rolf Drillen, technischer Angestellter der SWB. Es handele sich um ein umweltschonendes Quellmittel und ein von der Bezirksregierung Köln genehmigtes Verfahren, so Geschäftsführer Westphal.

Bei dieser Art des Abbruchs werden Erschütterungen, Lärm und Staub deutlich minimiert. Der so aufgebrochene, gelockerte Beton wird dann nach und nach abgetragen, der verbaute Stahl zerkleinert. 800.000 Euro kostet der Abriss die Stadtwerke. Anfang 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen, der Bunker abgerissen und das Gelände frei für den Neubau sein.

Bunker in Bonn

Insgesamt 14 Bunker sind in Bonn und Beuel während des Zweiten Weltkriegs entstanden, darunter auch der Windeckbunker in der Bonner Innenstadt, die meisten im Jahr 1941.

Die Bonner Bunker waren Teil des sogenannten Führer-Sofortprogramms. Auf Weisung Adolf Hitlers entstanden ab 1940 in Berlin und weiteren 60 Städten rund 2000 Bunker. In Bonn fanden offiziell 12 000 Menschen Schutz, tatsächlich wegen Überbelegung noch deutlich mehr.

Ausführliche Infos über Bonn im Bombenkrieg bietet das Portal Rheinische Geschichte des LVR auf www.rheinische-geschichte.lvr.de.