Rat segnet umstrittenes Geschäft ab

SWB verkaufen Anteile in Sankt Augustin

Der Eingang der SWB

Der Eingang der SWB

Bonn/Sankt Augustin. Die Stadtwerke Bonn GmbH (SWB) darf ihre Anteile an der Energieversorgungsgesellschaft Sankt Augustin (EVG) verkaufen. Das beschloss der Bonner Stadtrat mehrheitlich. Übernommen werden die 45 Prozent von der RheinEnergie AG aus Köln.

Die Stadtwerke Bonn GmbH (SWB) darf ihre Anteile an der Energieversorgungsgesellschaft Sankt Augustin (EVG) verkaufen. Übernommen werden die 45 Prozent von der RheinEnergie AG aus Köln. Der Bonner Rat stimmte dem Geschäft am Dienstagabend im nichtöffentlichen Teil der Sitzung zu – gegen den Widerstand von Linkspartei und Bürger Bund Bonn, die den Verkauf, wie berichtet, schon im Vorfeld abgelehnt hatten. Die FDP hegte ebenfalls Zweifel, ob der weitgehende Rückzug der SWB aus Sankt Augustin vorteilhaft für Bonn ist. Von den Argumenten, die die Stadtverwaltung am Montag in einer vertraulichen Stellungnahme nachreichte, ließ sich die Ratsmehrheit dann aber überzeugen. Kaufpreis für die Anteile: 5,49 Millionen Euro – etwa die Summe, die die SWB in die Netze in Sankt Augustin investiert hatte.

Der Hintergrund: Die SWB hatte sich vor Jahren verpflichtet, die EVG zum Grundversorger in Sankt Augustin auszubauen. Das ist aber nie geschehen. Tatsächlich dominiert dort heute die RheinEnergie den Markt für Strom und Gas. Sie soll nach der Übernahme der SWB-Anteile ihre Kunden in die Gesellschaft einbringen, die dann als Stadtwerke Sankt Augustin mbH firmieren wird. Die SWB bleibt den Stadtunterlagen zufolge mit rund acht Prozent an der EVG-Muttergesellschaft beteiligt.

Dadurch werde sie in Sankt Augustin künftig rund 30 000 Euro im Jahr einnehmen. Würde die Transaktion, der die Aufsichtsräte schon zugestimmt haben, jetzt gestoppt, könnte die SWB zwar selbst einen Strom- und Gasvertrieb in der Nachbarstadt aufbauen. Den nötigen Investitionen stünden aus Sicht der SWB-Geschäftsführer aber zu hohe Risiken gegenüber, heißt es in der Stellungnahme. So sei zu befürchten, dass die Rhein-Energie der SWB als Reaktion in Bonn Kunden abjagen werde. Die Linke hatte einen Änderungsantrag in den Rat eingebracht, dem Geschäft nur zuzustimmen, wenn die Kölner im Gegenzug ihre Anteile an der lukrativen Energiesparte der SWB reduzieren. Das lehnte die Mehrheit jedoch ab.