Personalmangel beim Städtischen Gebäudemanagement Bonn

SGB verbaut dieses Jahr 108 Millionen Euro

Bonn. Vize-Chefin Marion Duisberg beklagt den Sanierungsstau. Seit viereinhalb Jahren ist der Chefsessel unbesetzt. Die SGB verwaltet 1500 städtische Immobilien.

Ob Marion Duisberg weiß, über wie viele städtische Immobilien sie sozusagen die Herrin ist? „Es sind wohl um die 1500“, antwortet die Vize-Chefin des Städtischen Gebäudemanagements (SGB). „Es kommt auch darauf an, wie man vor allem die einzelnen Gebäude der Schulzentren zählt.“ Auf jeden Fall weiß Duisberg, welches das älteste Gebäude ist, das der Stadt Bonn gehört: die Endenicher Burg, sie entstand vermutlich 1135 bis 1200, gefolgt von der Godesburg (1210) sowie der Burg Limperich (1285). Ein beachtliches Vermögen, das das SGB instand halten muss. Und jedes Jahr kommen neue Gebäude dazu.

2016 hat das SGB 79,5 Millionen Euro ausgegeben: Davon entfielen 27,4 Millionen Euro auf die Bauunterhaltung, 32,5 Millionen Euro auf Neubauten, 12,3 Millionen wurden für den Erwerb von Immobilien ausgegeben und 7,3 Millionen Euro flossen in das World Conference Center Bonn (WCCB) . In diesem Jahr sind laut Wirtschaftsplan des SGB gut 23 Millionen Euro für die Instandhaltung der städtischen Gebäude und 62,1 Millionen Euro für Neubauprojekte vorgesehen. Dazu kommen in 2017 rund 23 Millionen Euro für die Sanierung der Beethovenhalle, die insgesamt rund 60 Millionen Euro kosten soll. Unterm Strich verbaut das SGB dieses Jahr 107,9 Millionen Euro.

„Unser Hauptproblem ist der hohe Sanierungsstau“, erklärt die Ingenieurin. Das sei indes kein spezifisches Bonner Problem, sondern betreffe viele Kommunen. „Es ist in den früheren Jahren zwar viel neu gebaut worden, aber bestehende Gebäude sind aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten vieler Städte und Gemeinden, so eben auch in Bonn, ziemlich vernachlässigt worden.“

Freie Wirtschaft zahlt Ingenieuren mehr

Die Mittel für die Bauunterhaltung seien nach wie vor knapp bemessen, sagt Duisberg. Andererseits könne sie mit den ihr zur Verfügung stehenden Personalressourcen aber auch gar nicht mehr umsetzen. Dazu kommt, dass Fachkräfte fehlten. Vor allem der Markt für Ingenieure sei so gut wie leergefegt.

„Mittlerweile ist es so, dass die Industrie angehende Absolventen bereits in der Universität abwirbt“, weiß Duisberg. Ein weiterer Nachteil für die öffentliche Hand: Die freie Wirtschaft zahlt in der Regel mehr Geld. Mit der Folge, dass die Kommune bei Großprojekten, wie aktuell bei der Beethovenhalle, verstärkt auf externe und damit oftmals teurere Kräfte zurückgreifen müsse. Zur Frage, warum sie nunmehr seit viereinhalb Jahren als stellvertretende Leiterin die Geschäfte des SGB kommissarisch führt und nicht längst selbst Anspruch auf den Chefsessel erhoben hat, schweigt sie. Nur so viel: „Die Organisation des SGB wird derzeit von der Verwaltung untersucht. Deshalb ist die Suche nach einem kaufmännischen Leiter zurückgestellt worden.“

Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass sich von außen wohl aufgrund der Pleiten und Pannen des SGB seit seiner Gründung 2004 offensichtlich kaum jemand auf den Posten bewerben will. So hatten in den vergangenen Jahren hintereinander drei Bewerber, die ihren Hut in den Ring geworfen hatten, wieder einen Rückzieher gemacht. Die Probleme beim SGB reichen vom Einbau umstrittener Legionellenanlagen in Schulen über das völlige Versagen bei der Kontrolle des WCCB-Projekts bis zur Kostenexplosion beim Haus der Bildung.

Der langjährige SGB-Gründungsgeschäftsführer Friedhelm Naujoks, der einst für die Prüfung der WCCB-Baukosten zuständig war, saß im Zuge des WCCB-Skandals auf der Anklagebank. Das Verfahren gegen ihn wurde gegen Zahlung von 15 000 Euro eingestellt. Die Stadt hatte dem Manager zuvor gekündigt. Sie verlor die Kündigungsschutzverfahren. Nau-joks erhielt am Ende eine Abfindung in Höhe von 110 000 Euro.