Beerdigung von Hans Riegel

Rund 600 Menschen geben Ex-Haribo-Chef das letzte Geleit

Kessenich. Es war ein großer und zugleich stiller und schlichter Abschied: Rund 600 Trauergäste haben am Freitag Haribo-Chef Hans Riegel auf seinem letzten Weg begleitet. Ganz in Weiß waren Blumenschmuck und Kränze in der Kessenicher Nikolauskirche gehalten.

Ein Herz aus Rosen von Riegels Lebensgefährtin Anna-Maria Bischof, unweit davon ein Kranz mit dem rheinischen Gruß "Mach et jot" und ein weiterer mit dem ewigen Dank seines Patenkinds.

Die Kirche, die Riegel selbst in seiner Kindheit und Jugend besucht hat, bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, etliche Menschen verfolgten die Heilige Messe draußen auf einer Leinwand. Mit Spannung wurde die Ansprache von Riegels Freund und Haribo-Werbepartner Thomas Gottschalk am Ende der Trauerfeier erwartet.

Sie war absolut treffend: kurz, persönlich, ohne Lobeshymne und Pathos und mit einem Augenzwinkern am Ende. Gottschalk verzichtete bewusst auf die Aufzählung von Verdiensten und Auszeichnungen. In einer Kirche werde die Lebensleistung eines Menschen anders bemessen.

"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen", zitierte Gottschalk aus dem Matthäusevangelium. "Wenn man mit Hans Riegel mal über Kreuz lag, hatte man es nie mit intellektueller Rechthaberei, sondern mit kindlicher Widerspruchsfreude zu tun", sagte Gottschalk aus eigener Erfahrung. Riegels Lebensaufgabe sei gewesen, die Menschen froh zu machen - so die Anspielung auf den bekannten Haribo-Slogan.

[kein Linktext vorhanden]Als Riegels "Botschafter auf Erden" sagte Gottschalk: "Hans, du warst nicht jeden Sonntag in der Kirche, sondern in der Firma. Du hast deine Botschaft jeden Tag in Beutel abgefüllt." Mit stoischer Gelassenheit habe sich der Unternehmer den medialen Eitelkeiten entzogen. Lieber als jeden roten Teppich habe er das Laub der Wälder unter den Füßen gehabt. Gottschalk ist sicher, dass Hans Riegel bis zuletzt Kind im Herzen war. In seinen letzten Sekunden auf dieser Erde habe der begeisterte Pilot sicher oben angefragt: "Kann ich nicht auch mit dem Hubschrauber kommen?" Gottschalk schloss seine Rede mit einem schlichten: "Wie werden ihn vermissen."

Pfarrer Gottfried Stohldreyer, pensionierter Militärpfarrer und Vertrauter Riegels, zeichnete ein Bild von einem Patriarchen, der "mit offenem Herzen und geöffneter Geldbörse" andere an seinem Erfolg teilhaben ließ. Er war "stets großzügig, ohne große Gesten", sagte der Pfarrer zur Erinnerung an den 90-jährigen Unternehmer, der in der vergangenen Woche überraschend an Herzversagen gestorben war.

Die musikalische Gestaltung der Messe schlug einen Bogen von Kessenich in die Steiermark, wo Riegel seine zweite Heimat hatte. Heimische Chöre wechselten sich mit drei Sängerinnen aus der Steiermark ab. Ein zartes "Ave Maria" des Rattener Dreigesangs begleitete den Auszug des Sarges aus der Kirche. In der großen Trauergemeinde war, abgesehen von Heinos Frau Hannelore, wenig Prominenz.

In den ersten Bankreihen saßen die Familien Riegel und Bischof. Viele Kessenicher sowie ehemalige und aktuelle Haribo-Mitarbeiter, auch aus dem Werk in Solingen, erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. Die Weingummi-Produktion in Kessenich stand während der Trauerfeier für den Patriarchen nicht still. Eine Notbesetzung hielt die Firma am Laufen.

 Hans Riegel wurde im Familiengrab auf dem Südfriedhof beigesetzt, in dem schon sein Vater Hans und sein 2009 verstorbener Bruder Paul ruhen. Große Bronzefiguren zeigen die Kreuzigung Jesu. Zum Abschied erklangen Jagdhörner. Am Grab wünschte Pfarrer Gottfried Stohldreyer dem Verstorbenen "Glück auf diesem seinem letzten Flug".