Defekte Aufzüge

Rollstuhlfahrer kämpfen mit langen Wegen am Bonner Bahnhof

Rollstuhlfahrerin Helle Deertz und ihr Begleiter Christian stehen mal wieder vor einem defekten Aufzug im Bonner U-Bahnhof. Die einzige Alternative sind lange Umwege.

Rollstuhlfahrerin Helle Deertz und ihr Begleiter Christian stehen mal wieder vor einem defekten Aufzug im Bonner U-Bahnhof. Die einzige Alternative sind lange Umwege.

Bonn. Die Situation rund um den Bonner Bahnhof ist für Passanten mit Gehbehinderung, Eltern mit Kinderwagen und vor allem Rollstuhlfahrer ein großes Problem. Grund sind oftmals die defekten Aufzüge.

In regelmäßigen Abständen ist mindestens einer der Aufzüge im Bonner Hauptbahnhof defekt. Wie aktuell der Aufzug zum Gleis 1. Seit der Sperrung des südlichen Tunnels inklusive der Rampe in Richtung Busbahnhof aufgrund der Großbaustelle für das Maximiliancenter stehen Passanten mit Gehbehinderung, Eltern mit Kinderwagen und vor allem Rollstuhlfahrer vor einem Problem.

Wie Helle Deertz. Die 35-Jährige Rollstuhlfahrerin muss zurzeit lange Umwege in Kauf nehmen, um vom Busbahnhof in den U-Bahnhof und zurück zu gelangen. Deertz wohnt in Röttgen und fährt täglich mit dem Bus zum Hauptbahnhof, wo sie in die Stadtbahn umsteigt, um zur Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu fahren. Für die ist sie seit zwei Jahren tätig. Deertz sitzt ihr ganzes Leben lang im Rollstuhl und ist auf eine persönliche Assistenz rund um die Uhr angewiesen.

Die junge Frau, die Pädagogik und Romanistik studiert hat, wird auch auf ihrem Arbeitsweg von einem Assistenten begleitet, weil sie den Weg allein nicht bewältigen könnte. Dieses Mal ist ein junger Mann namens Christian an ihrer Seite, der sich wie Deertz auch darüber ärgert, dass die Aufzüge ständig außer Betrieb sind.

„Aus versicherungstechnischen Gründen darf ich mit Frau Deertz im Rollstuhl keine Rolltreppe nutzen. Deshalb müssen wir immer weite Umwege nehmen, wenn die Aufzüge hier im Bahnhof defekt sind. Und das kommt nicht selten vor“, sagt er. Wahlweise bleiben den beiden dann nur die Nordunterführung oder die Unterführung an der Poppelsdorfer Allee. „Dann muss auch der Aufzug zur Quantiusstraße funktionieren, was auch nicht immer der Fall ist“, sagt Deertz.

Der Aufzug zum Gleis 1 war bereits vor Weihnachten eine Zeit lang ausgefallen. „Er wurde dann repariert und war gerade einmal drei Wochen lang in Betrieb“, sagt Deertz. Keine Alternative sei der provisorische Aufzug am Bonner Loch gewesen, den der Investor des Maximiliancenters, Ten Brinke, nach Schließung der Rampe zum Busbahnhof hatte einbauen lassen.

 „Der war auch sehr schnell kaputt“, sagt Deertz. Inzwischen hat Ten Brinke den Aufzug ohnehin aufgrund der fortschreitenden Bauarbeiten stilllegen müssen. Eine Wohnung, die näher an ihrer Arbeitsstätte liegt, habe sie bei ihrem Umzug nach Bonn nicht gefunden. „Röttgen war nie mein Wunschort. Aber dort habe ich wenigstens eine barrierefreie Wohnung gefunden, von denen es noch viel zu wenige gibt“, klagt Deertz.

Johannes Wiedemann von der Behindertengemeinschaft Bonn ist als Behindertenbeauftragter der Stadt unter anderem zuständig für den öffentlichen Nahverkehr. Er sieht das Dilemma, „aber uns sind die Hände gebunden“. Bemühungen, dass die Stadt während der Bauzeit am Bonner Loch anstelle der neuen Treppenzugänge übergangsweise einen Aufzug einbaut, seien gescheitert, weil diese Treppen für die Entfluchtung und Entrauchung der U-Bahn im Brandfall erforderlich seien.

„Die neuen Bauprojekte sind zwar alle mit unserer Beteiligung barrierefrei ausgerichtet, aber der jetzige Zustand ist alles andere als behindertenfreundlich, aber leider nicht zu ändern“, sagte Wiedemann. Vor Weihnachten seien lange Lieferzeiten für Ersatzteile der Grund gewesen, dass der Aufzug zum Gleis 1 über einen längeren Zeitraum nicht repariert werden konnte, hieß es von der DB-Pressestelle auf GA-Nachfrage. Ein Teil der Steuerung des Aufzugs sei jetzt sogar irreparabel defekt. Wann das Teil ersetzt werden soll, könne man noch nicht sagen.