Marcel Gerber

Rollstuhlbasketball: Das nächste Mal Gold

Dank des Sportes, wie hier bei der EM in Spanien, hat Marcel Gerber seine Krankheit im Griff. FOTO: WERNER SCHORP

Dank des Sportes, wie hier bei der EM in Spanien, hat Marcel Gerber seine Krankheit im Griff.

17.10.2014 BONN. Sein Lebensmotto heißt "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker". Eine feste Stimme, ein selbstbewusster Blick: Das ist Marcel Gerber, 17 Jahre, Elftklässler der Beueler Gesamtschule. Vor Kurzem ist der Rollstuhlbasketballer mit dem U 22-Nationalteam in Spanien Vize-Europameister geworden.

Stolz blitzt aus seinen Augen. "In Saragossa, das war klasse, Deutschland zu repräsentieren, internationale Luft zu schnuppern und mit dem Adler auf der Brust zu kämpfen", erzählt er.

Zum ersten Mal im Nationalteam habe natürlich ein ganz anderer Druck geherrscht als zu Hause in der Liga, "wo man die Körbe, die Leute, die Schiedsrichter alle kennt". Marcel spielte bisher für den ASV Bonn in der zweiten Bundesliga als Top-Aufbau, als einer, der die Bälle verteilt und auch defensiv gefürchtet ist. Dreimal pro Woche trainiert er und absolviert zwei weitere Einheiten im Kraftraum.

Inzwischen wird er als hoffnungsvollster Nachwuchsspieler gehandelt. "Na ja, ich weiß nicht, ob ich das wirklich schon leiste", sagt Marcel bescheiden. Für Deutschland zu spielen, da habe man natürlich auch riesige Erwartungen an sich selbst. Man müsse dann versuchen, denen irgendwie gerecht zu werden.

Im Finale in Saragossa habe sich Angstgegner Großbritannien als "ein kleines Stück besser als wir" herausgestellt. "In allen Belangen überlegen. Das muss man anerkennen. Wie waren eben ein frisch zusammengesetztes Team mit fünf neuen Spielern." Einer der Youngster war Marcel.

Man müsse erst in die Mannschaft hineinwachsen. Als Neuer müsse man sich 'reinkämpfen. "In der Nationalmannschaft bin ich sechster oder siebter Mann. Da muss man die Taschen, Wasserflaschen und die Bälle für die Älteren nach dem Training einsammeln. In Bonn habe ich natürlich schon eine ganz andere Position", sagt Marcel und lacht.

Er wurde in Bonn geboren. "Ich war vier Jahre alt, als ich nach und nach aufgehört habe, zu laufen", berichtet er. Alles wurde schwieriger, so dass er irgendwann einen Rollstuhl brauchte. Die Anfangszeit, in der die Familie auf der Suche nach der Diagnose war, sei sehr schwierig gewesen.

"Es wusste erst niemand, womit wir es zu tun hatten. Juvenile Osteoporose ist eine äußerst seltene Krankheit. Da gibt es nur eine Handvoll Betroffene in Deutschland." Doch hätten die Ärzte mit ihren Behandlungsmethoden die Krankheit recht gut in den Griff bekommen, auch wegen der Ähnlichkeit zur bekannteren Glasknochenkrankheit. "Beides ist eine Knochenschwäche. Also bekam ich Medikamente. Aber als ich mehr Sport machen konnte, bin ich so zu Kräften gekommen, dass ich vor sechs Jahren die Medikamente komplett absetzen konnte."

Jetzt strahlt Marcel. Allein durch seine sportliche Aktivität halte er jetzt eine Knochendichte, die im Normalbereich sei und die ihn vor Brüchen schütze. Die Verletzungsgefahr gehe immer weiter zurück.

"Ich habe also ziemlich schlechte Zeiten hinter mir, in denen ich mir andauernd etwas gebrochen habe. Aber ich erlebe jetzt seit einigen Jahren ziemlich gute Zeiten. Der Sport ist meine beste Therapie." Im Rollstuhl habe man ein eingeschränktes Bewegungsspektrum. Da sei es wichtig, die Beine mit zu benutzen. "Ja, ich habe immer schon einen großen Bewegungsdrang gehabt. Das war also ein großer Vorteil in meinem Fall."

Nach dem integrativen Kindergarten begann Marcel eine ganz normale Schullaufbahn. "Da hat meine Mutter wertvolle Arbeit geleistet", sagt Marcel über Ingrid Gerber, die im Verein Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen aktiv ist. "Wenn Kinder und Jugendliche wie ich nicht die Chance bekommen, ganz normal in die Schule zu kommen, wäre ich im Kopf überhaupt nicht an dem Punkt, wo ich jetzt bin", sagt Marcel selbstsicher. Dass seine Mutter so kämpfen musste, damit er diese Möglichkeit bekam, davon profitierten jetzt auch andere Familien.

Und wie lautet sein nächstes Ziel? Natürlich ein Karrieresprung. Marcel ist deshalb mit seinem Freund Oliver Hoffmann vom ASV zum zweiten Bundesliga-Verein "Rhinos" Wiesbaden gewechselt. "Und in zwei Jahren fahre ich nicht zur Europameisterschaft, um nur Silber zu holen. Soviel steht fest."

Typisch bönnsch

Das sagt Marcel Gerber über seine Heimat: (Ebba Hagenberg-Miliu)

  • An Bonn gefällt mir, dass unsere Stadt multikulturell ist.
  • Typisch bönnsch sind für mich die Telekom Baskets.
  • Mein liebster Platz in Bonn ist der Hofgarten, wenn ich da mit meiner Freundin sitze.
  • In Bonn vermisse ich eigentlich nichts. Es gibt keine Stadt, in der ich lieber wohnen würde.