Kommentar zur Bädersituation

Rolle rückwärts

Kacheln mit dem Schriftzug "Bonner Bäder" im Frankenbad.

Kacheln mit dem Schriftzug "Bonner Bäder" im Frankenbad.

Bonn. Mit der Vorstellung, in jedem Stadtbezirk ein Hallenbad erhalten zu wollen, lehnt sich die Verwaltung weit aus dem Fenster. Sie weckt Erwartungen. Doch die Voraussetzungen für solche Versprechen sind denkbar schlecht.

Nach dem Aus für das Wasserlandbad will die Verwaltung nun doch den Weg gehen und in jedem Stadtbezirk ein öffentliches (Hallen)-Schwimmbad vorhalten. Was für eine Rolle rückwärts. Ob des ganzen Hickhacks um die Zukunft der Bonner Bäderlandschaft reibt man sich verwundert die Augen und fragt sich, ob Oberbürgermeister Ashok Sridharan und seine Verwaltung sich damit nicht sehr weit aus dem Fenster lehnen – zumal das neue Bäderkonzept ja erst erarbeitet werden soll. Sridharan weckt mit dieser Ankündigung Hoffnungen, die unter den bisherigen Rahmenbedingungen wohl kaum zu erfüllen sind.

Denn die Voraussetzungen für ein Bad pro Stadtbezirk sind nach wie vor – auch auf längere Sicht – denkbar schlecht: Alle noch offenen Hallenbäder sind in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Das Kurfürstenbad ist bereits seit zwei Jahren dicht. Und im Haushalt sind gerade einmal 26 Millionen Euro für die Badinvestitionen eingestellt. Da erstaunt die eher verhaltene Reaktion der Jamaika-Koalition nicht. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Ratsmehrheit von diesem Vorstoß der Verwaltung kalt erwischt wurde. Schließlich ist sie in der Verantwortung und muss sich an den Entscheidungen, die in der Stadt getroffen werden, messen lassen.

Aber bis Ende 2019 fließt noch viel Wasser den Rhein runter, und wer die seit Jahrzehnten währende Debatte um die Bonner Bäderlandschaft verfolgt hat, weiß: Außer Spesen ist bisher nix gewesen. Es ist zu befürchten, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird. Denn Dreh- und Angelpunkt des Problems ist die schlechte Finanzlage der Stadt. Und auch die wird sich in naher Zukunft nicht bessern. Das Problem ausbaden müssen die Schulen und Vereine, die immer weniger Möglichkeiten haben, Kindern das Schwimmen beizubringen.