Konzert in Bonn

Roger Hodgson sorgt für Gänsehaut-Momente auf dem KunstRasen

Bonn. Roger Hodgson und John Illsley haben bei ihrem Konzert auf dem KunstRasen an Supertramp und Dire Straits erinnert. Dem Publikum boten sich exklusive Kombinationen.

„Dreamer“, „Logical Song“, „Breakfast in America”: Roger Hodgson (68) kann eigentlich würfeln, wenn es um die Frage geht, mit welchem Welthit er das Konzert auf dem Bonner KunstRasen am liebsten eröffnen möchte. Er löst das Luxusproblem mit der Nonchalance eines freundlichen Entertainers, der es nicht nötig hat, auf Superstar zu machen – und beginnt vor 3200 Besuchern mit „Take the Long Way Home“, gefolgt von „School”. Das sind zwei weitere Evergreens aus dem unerschöpflichen Katalog der legendären Band Supertramp, die Hodgson 1969 gegründet und 1983 verlassen hat. Alle relevanten Songs stammen ohnehin aus seiner eigenen Feder.

„Sultans“ of Swing“, „Money for Nothing”, “Brothers in Arms“: Für erste Gänsehaut-Momente des nostalgischen, aber durchaus kreativ konzipierten Konzertabends sorgt der Bassist John Illsley (69), der 1977 mit Mark Knopfler die Dire Straits gegründet hat und seit der Trennung 1995 immer wieder Tourneen unternimmt. Als Gründungsmitglied der Dire Straits fällt es ihm auch am Rhein nicht schwer, den Geist der alten Songperlen authentisch zu vermitteln.

Exklusive Kombinationen

Doch John Illsley und seine Mitstreiter übernehmen in Bonn keineswegs die Rolle einer handelsüblichen Vorband. Der Veranstalter Ernst-Ludwig Hartz hatte beharrlich an diesem Paket gearbeitet. Bei einem Herbst-Konzert in der Harmonie fragte Hartz den britischen Bassisten, ob er am 20. August 2018 zur Verfügung stünde. Illsley signalisierte Interesse an einem Doppel mit Roger Hodgson. Hartz buchte die Flüge für Illsley und seine Band.

Insofern erlebt das Bonner Publikum an diesem Abend einige exklusive Kombinationen. Natürlich vermisst jeder Fan die alles entscheidende Gitarre eines Mark Knopfler, doch Illsley interpretiert Stücke wie „Private Investigations“ und „Romeo and Juliet” mit dem nötigen Respekt vor den Originalen und einigem Spaß an eigenen Klangvarianten.

"Roger! Roger!"-Rufe

Nichts gegen lange Haare, nur gepflegt sollten sie sein. Als Roger Hodgson 1969 mit Supertramp an den Start ging, litt die männliche Jugend der westlichen Welt noch unter dem Kopfschmuckkodex der Elterngeneration. Roger Hodgson bleibt da konsequent. Er hat die Haare schön und beweist seit fünf Jahrzehnten, dass eine schulterlange Altwetterfrisur selbst zum feinen weißen Anzug passt. Und der Anzug zum weißen Flügel.

Soviel zu den modischen Randerscheinungen eines gelungenen Konzertes. „Roger! Roger“-Rufe in den ersten Reihen. Hodgson sagt „Guten Abend“ und singt das Hohe Lied auf Konzerte in Deutschland. „Ihr seid echt“, sagt er und begründet das damit, dass deutsche Fans regungslos bleiben, wenn ihnen eine Show nicht gefällt. Die Musik sei überhaupt die beste Art, selbst die größten Problem für zwei Stunden wegzublenden. Gesagt, getan. Und dann begrüßt er noch ein paar besondere Gäste im Publikum: den Sänger Fred Durst und dessen Band Limp Bizkit, die am Dienstagabend zum Finale der KunstRasen-Saison abrocken wollen. Fred Durst steht auf der Tribühne und feiert seinen Geburtstag. Melodische Popmusik und harter Nu-Metal, interessanter könnte der Kontrast kaum sein.