Nach Sprengung des Bonn-Centers

Riesiger Schuttberg lockt Schaulustige

Bonn. Der Tag nach der Sprengung: Immer wieder halten Radfahrer an der Reuterbrücke an, steigen ab und zücken ihre Smartphones. Der Schuttberg, der sich vor ihnen auftürmt, ist gewaltig.

Bis zu drei Monate wird es nach Auskunft vom Investor, dem Kölner Unternehmen Art Invest, wohl dauern, bis die Überreste des Bonn-Centers mit den Lastwagen abtransportiert worden sind.

Viele Zaungäste staunen, wie schnell die großen Bagger die großen Betonteile in kleinste Stücke zermalmen und dabei trotzdem fein säuberlich den Stahl abtrennen. „Wir werden jetzt jede Woche vorbeischauen, um zu sehen, wie es hier weitergeht“, sagt Bernhard Sass. Der 71-Jährige aus Kessenich hat seinen Enkel Julian (5) dabei, der mit großen Augen die Arbeit der Bagger verfolgt. Baustellen sind halt Schaustellen.

Ein Mitarbeiter des Abbruchunternehmens, der von der Reuterbrücke aus Fotos machen will, kann sich kaum retten vor den Fragen der Passanten. Die meisten wollen wissen, was jetzt mit dem ganzen Schutt passiert. Auf eine offizielle Anfrage des General-Anzeigers erklärt Thomas Leise von Art-Invest: „Die Reste des Bonn-Centers werden in Beton und Stahl getrennt. Der Beton wird zerkleinert und zum Recycling abtransportiert.“ Der Stahl werde gesondert davon zur Wiederverwertung gebracht.

„Die Betonreste werden bestimmt für den Straßenbau verwendet“, erklärt Opa Bernhard seinem Enkelsohn. Er habe schon viel kommen und gehen sehen in Bonn, meint er. „Dem Bonn-Center trauere ich nicht nach . Das war ja nicht mehr als ein Klotz. Wie das Stadthaus, das man auch am besten sprengen sollte.“ Leid habe es ihm getan, als die alten Häuser in der Maximilianstraße dem U-Bahnbau geopfert wurden. „Schade, das waren wirklich schöne Häuser. Das tut mir noch heute weh, wenn ich dort entlanggehe“, sagt er.

 

Karin Becker überkommt dagegen ein wenig Wehmut, als sie auf der anderen Seite der Baustelle an der Fußgängerbrücke in Höhe Straßburger Weg mit ihrem Handy Fotos von der Großbaustelle macht. „Ich habe im Bonn-Center Silvester gefeiert. Auch mein Augenarzt hatte dort seine Praxis“, sagt sie. Jetzt hoffe sie, dass „dort wieder etwas Vernünftiges hinkommt“.

Keine konkreten Angaben zu Bebauungsplänen

Doch das ist genau der Punkt. Für das Bauvorhaben „Der Neue Kanzlerplatz“ macht Art-Invest bisher nur grobe Angaben: So sollen auf dem 18.540 Quadratmeter großen Grundstück drei Gebäudeteile mit einer Gesamtnutzfläche von bis zu 70.000 Quadratmetern und einem zwischen 60 und 101,5 Meter hohen Hochhaus entstehen. Geplant sind demnach außerdem zwei bis drei Tiefgaragen-Ebenen mit rund 1000 Parkplätzen und etwa 370 Fahrradabstellplätzen. Baubeginn soll 2018, die Fertigstellung nach jetzigem Stand 2020 sein. „Weitere Informationen werden wir Ihnen mit Beschluss des Bebauungsplans gerne vorstellen“, so Leise auf GA-Nachfrage. Mit dem Beschluss ist voraussichtlich in den nächsten Wochen zu rechnen.

Die Frage, ob man inzwischen durch die Sprengung bedingte Schäden an den unmittelbar an der Baustelle liegenden Wohnhäusern festgestellt habe, verneint Leise. „Bei der Sprengung ist es zu keinen Schäden gekommen. Die Sprengung ist planmäßig verlaufen und alle Sicherheitsmaßnahmen haben gegriffen“, versichert er. Die wesentlichen Untersuchungen dazu seien am Sonntag im Anschluss an die Sprengung durchgeführt worden. Sie würden am Montag fortgesetzt.

 

Tanja Störtenbecker wohnt im Hause unmittelbar vor der Baustelle an der Eduard-Pflüger-Straße. „Uns ist bisher nichts an Schäden aufgefallen“, meint sie. Selbst vom Betonstaub sei das Gebäude größtenteils verschont geblieben. Sie merke aber jetzt deutlich, wenn die Bagger den Beton zerkleinerten. „Dann vibriert bei uns der Fußboden und es klirrt in den Schränken.“ Mit Blick auf die Hochbauten, die nun errichtet werden sollen, glaubt sie, dass es dann noch „viel nerviger und lauter für uns alle hier wird“.

In einem Büro auf der anderen Seite der Reuterbrücke genießt ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, jetzt vor allem die neue, weil freie Aussicht auf den Venusberghang. „Das wird ja leider nicht so bleiben“, seufzt er, „denn das alte Gebäude wird ja jetzt wieder durch ein neues, obendrein viel höheres Gebäude ersetzt.“