Neues Hochhaus in Bonn

Richtfest für den "Kurzen Eugen" auf dem UN-Campus

Bonn. Der Rohbau des neuen Hochhauses am UN-Campus in Bonn steht. Einen offiziellen Namen für den Erweiterungsbau gibt es noch nicht, einige Ideen aber schon. Im Herbst 2020 sollen dort 330 Mitarbeiter einziehen.

UN-Erweiterungsneubau – ein sperriger Begriff, wie Anne Katrin Bohle findet. Bei der Namensgebung vertraut die Staatssekretärin des Innenministeriums ganz auf den „rheinländischen Wortwitz“: Wegen der gläsernen Fassade gingen schon die Titel Gewächshaus und Glashaus um. Bohle hat aber einen ganz anderen Favoriten für das Hochhaus auf dem UN-Campus. „Neben dem älteren Bruder, dem Langen Eugen, könnte doch gut der Kurze Eugen stehen“, sagte sie am Montag beim Richtfest.

Bis das Klimasekretariat der Vereinten Nationen einziehen kann, werden noch einige Monate vergehen. Der Rohbau mit seinen 18 Obergeschossen – wobei das oberste der Haustechnik vorbehalten ist – steht schon. Die doppelte Glasfassade ist in den ersten neun Stockwerken angebracht. Bis zum Herbst kommenden Jahres soll der Innenausbau abgeschlossen sein.

Bima wird Hochhaus an Vereinte Nationen übergeben

„Damit liegen wir im Zeitplan von dreieinhalb Jahren, auch wenn es wegen der Weltklimakonferenz eine Unterbrechung gab“, sagte Petra Wesseler, Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Das Amt baut im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das Hochhaus schließlich an die Vereinten Nationen übergeben wird. Sie trägt auch die Gesamtkosten von rund 72 Millionen Euro, die nicht steigen sollen.

Bei den Bauarbeiten in Bonn gab es viele Herausforderungen. „Wegen der Nähe zum Rhein musste wir von Anfang an den Hochwasserschutz berücksichtigen“, erklärte Architekt Stefan Lippert. Soll heißen: Damit die Baugrube ausgehoben werden konnte, musste zunächst eine Schutzwand errichtet werden, die mehr als 20 Meter in die Tiefe reicht und das Grundwasser zurückhält. Hätte sie nicht gehalten, wären Pumpen angesprungen. „Und für den Fall, dass die ausfallen, gibt es Löcher in den drei Untergeschossen.“ Sie hätten verhindert, dass sich das Gebäude anhebt.

Später sollen mobile Hochwasserschutzwände das Bürohaus trocken halten. In den Untergeschossen ist dann Platz für Lagerräume, ein Archiv sowie Umkleiden samt Duschen für Fahrradfahrer. „Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber einfach praktisch. Dort kann man auch seine verschwitzten Sportsachen aufhängen.“

"Kurzer Eugen" bietet Platz für 330 Mitarbeiter

Für Toily Kurbanov, den stellvertretenden Exekutivkoordinator des Freiwilligenprogramms der Vereinten Nationen, wird der Kurze Eugen ein „schönes neues Zuhause“ sein. „Als wir damals hierhin kamen, waren wir ziemlich alleine. Aber jetzt haben wir mit 20 Einrichtungen eine ganz besondere Beziehung zu Bonn“, sagte er.


(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

Wo welche Abteilungen einziehen werden, ist Sache der Vereinten Nationen. Die Büros und Konferenzräume sollen Platz für 330 Mitarbeiter bieten. „Sie sind sehr offen und geräumig gestaltet, aber die Anordnung ist auf jeder Etage anders“, sagt Lippert. Innenwände, die nun eingezogen werden, können in einigen Jahren auch wieder entfernt und in anderer Konstellation neu aufgebaut werden. Als Hingucker gelten schon jetzt die Aussichtsplattformen, die über zwei Etagen reichen und mit geschwungenen Treppen miteinander verbunden sind. Von dort kann man das Bundesviertel und den Rhein überblicken.

Was man aktuell nur an vielen freiliegenden Enden von Leitungen erkennt, ist das aufwendige Klimasystem, das sich mit Wärmetauschern das Grundwasser des Rheins zunutze macht. In die dicken Betondecken sind Rohre eingelassen, durch die warmes oder kaltes Wasser fließt. „Der Beton dient dabei als Speichermasse und überträgt die Temperaturen in die Räume“, erklärt Lippert. Damit sich die Büros hinter den rund 7000 Quadratmetern Glasfassade nicht zu sehr aufheizen, wird der Sonnenschutz immer an das Wetter angepasst. „Sodass genau die richtige Menge Tageslicht durchkommt“. Diese und viele andere technische Finessen machen das Hochhaus zu einem Pilotprojekt für die Bima, in Sachen Nachhaltigkeit gilt der höchste Standard für Bundesbauten.