Rheinufer bleibt ein Pflegefall

„Sobald Unfallgefahren bestehen, ist die Stadt zum Handeln gezwungen.“ Die Aussage von Stadtbaurat Helmut Wiesner in einem GA-Interview im Juni ist eigentlich unmissverständlich. Doch auch wenn die Stadt Bonn am Rheinufer „Handlungsbedarf in der Verkehrssicherung“ sieht, so Wiesner damals, „insbesondere bei defekten Wegebelägen, Mauern oder Pflanzungen“: Geschehen ist seither praktisch nichts.

Wie berichtet ist das Rheinufer insbesondere zwischen Kennedybrücke und der Ersten Fährgasse in schlechtem Zustand. Tiefe Schlaglöcher, Asphaltbrüche und unebene Gehwegplatten gefährden Spaziergänger, Läufer und Behinderte. Ein Teil der Mauer unterhalb der Oper ist eingestürzt und nur notdürftig abgesperrt. In den vergangenen Monaten haben sich die Schäden dort noch ausgeweitet. Lediglich vor derBeethovenhalle hat es einige Verschönerungsarbeiten gegeben. Dort konnten Passanten etwa einige neu bepflanzte Beete bewundern.

Auch wenn die Rheinuferanlage nicht mehr verkehrssicher sei, wie Markus Schmitz aus dem Presseamt auf GA-Nachfrage bestätigte, sollen erst im kommenden Jahr am Brassertufer „Sanierungsarbeiten zur Verkehrssicherung und Verschönerungsmaßnahmen“ mit Blick auf das Beethoven-Jubiläum 2020 durchgeführt werden.

Als erstes sollen bis Ende Januar sieben Bäume gefällt werden, die die Uferanlage mit ihrem Wurzelwerk stark angegriffen haben. Ohne deren Entfernung sei eine Sanierung unmöglich, so Schmitz. Im kommenden Herbst sollen dann neue Bäume und Sträucher gesetzt und die Hecken am Brassertufer ergänzt werden. Außerdem will die Stadt die unebenen Gehwegplatten neben der Baumallee unterhalb der Oper durch eine „wassergebundene Wegdecke“ ersetzen lassen. Die bröckelnde Terrassenmauer soll saniert werden. Betonbänke und Pflanzkübel sollen verschwinden und durch zeitgemäße Bänke und Metallpoller ausgetauscht werden. Ein paar Kübel abzuholen und Bänke auszutauschen, sollte in einem halben Jahr möglich sein.

Warum die Stadt das bislang nicht geschafft hat, lässt Schmitz offen. Immerhin seien bereits der Baugrund und die Leitungen geprüft und ein Statiker für die Mauersanierung beauftragt worden. „Große funktional-gestalterische Maßnahmen brauchen Zeit“, sagte Schmitz. Erst ab 2021 – der Masterplan Innere Stadt, der das vorsieht, ist dann schon zehn Jahre alt – könne das Rheinufer funktional und gestalterisch „in einem kooperativen Planungsprozess“ in einzelnen Schritten grundsätzlich überarbeitet werden. Sichtbare Veränderungen dürfte es somit kaum vor Mitte des kommenden Jahrzehnts geben. Und auch diese Absicht steht weiter unter Finanzierungsvorbehalt. Eine Umsetzung halte die Stadt nur dann für möglich, wenn sie entsprechende Förderzusagen erhält, so Schmitz.