Lage entspannt sich

Rhein-Hochwasser in Bonn zieht sich weiter zurück

Drei Kanuten nutzten das Hochwasser im Panoramapark für einen Ausflug.

Drei Kanuten nutzten das Hochwasser im Panoramapark für einen Ausflug.

Bonn/Köln. Der Rheinpegel in Bonn und der Region hat am Samstagmorgen seinen Scheitelpunkt erreicht und fällt auch am Sonntag weiter. Der Schiffsverkehr ist wieder freigegeben, die Linie 66 fährt wieder bis Bad Honnef.

Bonn hat das nächste Hochwasser überstanden. Der Scheitelpunkt von 7,73 Meter wurde am Samstagmorgen erreicht. Beim Hochwasser Anfang Januar war der Pegel noch auf 8,21 Meter angestiegen. Am Sonntagvormittag lag der Pegel bereits wieder bei 7,26 Meter. Inzwischen ist die Schifffahrt auch wieder freigegeben. In Remagen-Oberwinter war der Höchststand am Samstagmorgen bei 6,88 Metern, am Nachmittag war er bereits auf 6,73 Meter gefallen.

Inzwischen konnte auch der Fährbetrieb der Autofähre zwischen Linz und Remagen-Kripp wieder aufgenommen werden. Dies teilte die Energieversorgung Mittelrhein AG am Nachmittag mit. Ab Montagmittag wird ab 13.30 Uhr auch wieder der Betrieb der Nixe zwischen Remagen und Erpel aufgenommen. Die Fahrten zwischen sieben und acht Uhr entfallen aber noch.

Da die Nebenflüsse des Rheins – Mosel, Main, Neckar und Lahn – derzeit keine neuen Regen- oder Schmelzwasser aus dem Westerwald, dem Hunsrück und auch dem Schwarzwald zuführen, geht Bernd Budszuhn von der Wasserschutzpolizei Beuel davon aus, dass der Rheinpegel weiter sinken wird.

Das Hochwasser bringt aber auch Kurioses hervor. Im Panoramapark in Rüngsdorf hat Thomas Busch am Samstagnachmittag drei Kanufahrer entdeckt, die das Hochwasser für einen kleinen Ausflug nutzten. "Bonn hat doch noch Geld. Gerade neue Kanustrecke eröffnet", schrieb er unter das Foto, welches in der Facebook-Gruppe "Du kommst aus Bonn, wenn..." bis Sonntagvormittag mehr als 240 Reaktionen hervorbrachte und 26 mal geteilt wurde. Gegen 17 Uhr nahm er das Bild oberhalb der Bad Godesberger Fähre auf, so Busch zum GA.

Drei Kanuten nutzten das Hochwasser im Panoramapark für einen Ausflug.

Drei Kanuten nutzten das Hochwasser im Panoramapark für einen Ausflug.

 

Deichtore wurden geschlossen

Auf der Beueler Rheinseite hatte der Ortsverband des Technischen Hilfswerks noch am Donnerstagabend das erste Dammtor an der Marienstraße sowie das Tor an der Rheinaustraße oberhalb der Wolfsgasse geschlossen. Laut Stadt musste die Feuerwehr jedoch keine weiteren Maßnahmen ergreifen: „Sandsäcke oder Stege werden nicht in der aktuellen Lage nicht aufgebaut“, hieß es auf GA-Anfrage aus dem Presseamt im Stadthaus.

Aufgrund der Hochwasserstände hatte der Oberkasseler Wassersport-Verein die Karnevalsveranstaltung „Blaue Nacht am Hafen“ abgesagt, die am Samstagabend im vereinseigenen Bootshaus stattfinden sollte. „Da das unmittelbar am Rhein gelegene Bootshaus des OWV nicht mehr trockenen Fußes erreichbar ist, musste der Vereinsvorstand die beliebte Veranstaltung für diese Session absagen“, teilte der Verein mit.

Straßenbahnlinie 66 fährt wieder bis Bad Honnef

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von knapp drei Wochen mussten auch die Rhein-Anwohner in Königswinter unter dem Hochwasser leiden. Doch auch dort entspannt sich seit Samstagmorgen die Lage endlich wieder: In Königswinter war der Scheitelpunkt bereits in der Nacht zu Samstag erreicht. Seither fällt der Pegel wieder. Seit Montagmittag sind alle Sperrungen in Bad Honnef wieder aufgehoben: Die Unterführung in Rhöndorf "Zum Steinchen " ist freigegeben, genauso wie die Abfahrt der B42 in Rhöndorf von Bonn kommend in Fahrtrichtung Rheinland-Pfalz. Die Stadt informiert, dass alle gesperrten Straße, Wege sowie die Insel Grafenwerth wieder frei sind.

Zwischenzeitlich hatten die Experten beim Hochwassermeldezentrum Mainz einen maximalen Höchststand von 8,64 Meter errechnet. Weil sich diese Prognose jedoch nicht bewahrheitete, konnte nach Angaben der Stadt auf den erneuten Stegebau verzichtet werden. Die Sperrung der Rheinallee bleibe jedoch weiterhin bestehen. Nachdem die Stadtbahnlinie 66 zwischenzeitlich nur bis Oberdollendorf fuhr, fahren die Bahnen seit Montagnachmittag wieder bis zur Endhaltestelle in Bad Honnef. "Bevor der Normalbetrieb wieder aufgenommen wurde, musste das Rheinwasser auch aus den Kabelschächten entlang der Strecke abgeflossen sein. Danach reinigten SWB-Mitarbeiter die Zugleit-, Signal- und Stellwerkstechnik und überprüften die Funktionsfähigkeit der Anlagen", hieß es seitens der SWB.

Die Stadt weist allerdings darauf hin, dass es durch das Sinken des Flusswassers zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels kommen kann. Dadurch könnte es sein, dass auch in weiter vom Rhein entfernt liegenden Häusern in tieferen Gebäudeteilen Wasser eindringt. Das Leerpumpen sei dabei nicht ohne Risiko, weil der Druck des erhöhten Grundwasserspiegels zu erheblichen Bauschäden führen könnte.

Deshalb solle besser das Sinken des Grundwasserspiegels abgewartet werden. Aufgrund des Hochwassers mussten auch Teile der Straßenbeleuchtung aus Sicherheitsgründen außer Betrieb genommen werden.

Straßen gesperrt

Die Abfahrt der B 42 in Rhöndorf aus Richtung Bonn war am Donnerstagmorgen gesperrt worden. Aufgrund des steigenden Pegels wurde am späten Mittwochnachmittag ebenfalls die Rhöndorfer Unterführung "Am Steinchen" gesperrt. Beeinträchtigungen gibt es auch für Autofahrer im nördlichen Kreis Neuwied. Das Hochwasser des Rheins überflutete am Donnerstagmittag die B 42, die daraufhin zwischen Erpel und Linz in beide Richtungen gesperrt werden musste.

In Linz befindet sich die Feuerwehr laut Wehrleiter Thomas Nelles schon seit Mittwochabend im „24-Stunden-Dienst“. Die Wehrleute sind als Ansprechpartner vor Ort an den überfluteten Straßen, haben Informationsbroschüren an betroffene Haushalte verteilt, versorgen diese bei Bedarf mit Sandsäcken oder helfen Anwohner durch die überfluteten Bereiche. Die Alice-Salomon-Schule Linz/ Neuwied muss wegen des Hochwassers ihren für Samstag, 27. Januar, geplanten Tag der offenen Tür verschieben.

Sinkende Pegel auch in Köln und Düsseldorf

In Köln lag der Scheitelpunkt am Samstagmorgen bei 8,25 Metern und damit unter der für die Schifffahrt kritischen Marke von 8,30 Meter. „In den kommenden Stunden werden die Pegel im gesamten Rheingebiet weiter sinken“, teilte die Hochwasserschutzzentrale Köln mit. Das Hochwasser bleibe damit auch deutlich unterhalb der Höchstwerte von Anfang Januar. Damals waren nach Angaben der Hochwasserschutzzentrale 8,78 Meter erreicht worden. Am Samstagnachmittag lag der Rheinpegel in der Domstadt bei 8,22 Metern.

Mit 7,85 Meter stagnierte der Pegel am Samstagnachmittag auch erstmals in Düsseldorf, teilte das Hochwassermeldezentrum Rhein in Mainz mit. Damit sei man voraussichtlich auch dort am Scheitelpunkt angelangt.

Infoblatt der Stadt

Eine automatische Ansage über die Pegelstände in Bonn erhält man unter 0228/19429. Wichtige Tipps zur Hochwasservorsorge liefert das Infoblatt der Stadt Bornheim. Außerdem kann man dieses Infoblatt am Umwelttelefon der Stadtverwaltung Bornheim unter 02222/945310 kostenlos anfordern. Der Versand erfolgt per Post oder E-Mail.