Bonner Stadtarchiv

Rettung für das Stadtarchiv ist in Sicht

Bonn. Die Mitarbeiter kämpfen seit Jahren gegen Schimmel und Feuchtigkeit im Stadtarchiv. Die Stadt Bonn lässt die Pläne für ein neues Domizil prüfen.

Die Stadtverwaltung hat möglicherweise eine Lösung für ein neues Domizil für das Stadtarchiv gefunden. Es könnte samt eines Neubaus für das Magazin nun doch auf dem Areal der ehemaligen Pestalozzischule an der Budapesterstraße untergebracht werden.

Das Stadtarchiv ist zurzeit im Erd- und Untergeschoss in einem der Verwaltungstürme des Stadthauses untergebracht. Dort kämpfen die Mitarbeiter seit Jahren aufgrund von zahlreichen Wassereinbrüchen mit massiven Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung. Einige historische Bücher sind so beschädigt, dass sie unwiderruflich verloren sind.

Eher beiläufig erfuhren die Mitglieder des Kulturausschusses am Mittwochabend, dass die Verwaltung nun die Planung eines Neubaus für das Magazin auf dem Gelände der ehemaligen Pestalozzischule an der Budapester Straße sowie die Unterbringung der Archivverwaltung und Besucherräume im denkmalgeschützten Teil der 1897 errichteten Schule prüfen lässt. Nächste Woche sollen erste Ergebnisse vorliegen, teilte Kulturdezernent Martin Schumacher zur sichtlichen Überraschung der Politiker mit. Damit beauftragt ist ein Berliner Büro, das Erfahrung mit Archiv- und Museumsbauten hat, sagte Stadtarchivar Norbert Schloßmacher.

Eine Lösung muss dringend gefunden werden

Ursprüngliche Pläne, das Stadtarchiv mit dem Stadtmuseum sowie der Gedenkstätte für die Nazi-Opfer in der Pestalozzischule unter einem Dach zu vereinen, wurden aus Kostengründen ad acta gelegt. Nach GA-Informationen hätte diese Lösung bis zu 24 Millionen Euro verschlungen. Schloßmacher ist deshalb gespannt, was der neue Vorschlag am Ende kosten wird. „Ich hoffe, dass er weit unter den damals geschätzten Kosten liegen wird“, zeigte er sich zuversichtlich.

Wie dringend eine Lösung her muss, davon konnten sich die Politiker vor Beginn der Sitzung mit eigenen Augen bei einem Gang durch das Stadtarchiv überzeugen. Die Spuren der mehr als 13 Wassereinbrüche seit 2007 sind unübersehbar: Überall stehen Auffangbecken und Eimer, viele Regale sind leer geräumt oder mit Folien abgedeckt. Teure Rollregale sind stillgelegt, weil sie total verrostet sind. Den schwersten Wassereinbruch nach einem Starkregen 2010 hielt Schloßmacher mit einem Video fest: Es zeigt, wie das Wasser schwallartig von der Decke in das Magazin schießt und die Räume in Sekundenschnelle unter Wasser setzt. „Wir können froh sein, dass das während der Dienstzeit und nicht am Wochenende passiert ist“, sagte er.

Seine Sorge um das Archiv, das „Gedächtnis der Stadt Bonn“, wie er sagt, ist groß. Eine permanent zu hohe Luftfeuchtigkeit und kaum mehr zu regulierende Temperaturen in den Räumen setzten dem Bestand nach wie vor zu. Dazu der Schimmel, für dessen Bekämpfung die Stadt bisher fast 60 000 Euro ausgeben musste. Ganze Regalbereiche können nicht mehr genutzt werden. Viele sind vorsorglich auf Ziegelsteine gestellt worden als Schutz vor weiteren Wassereinbrüchen. Mittlerweile sind die Schäden auch in den Publikumsbereichen nicht mehr zu übersehen. „Dieser Zustand ist einer Bundesstadt nicht würdig“, so das Fazit des Stadtarchivars.

Politiker über Zustand "erschüttert"

Da mochte ihm keiner der Politiker im Kulturausschuss widersprechen. „Der Zustand ist erschütternd“, sagte Wilfried Löbach (FDP), dessen Fraktion das Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Bärbel Richter (SPD) ermahnte die Jamaika-Koalition, in die Suche nach einer Lösung für das Stadtarchiv „genauso viel Herzblut zu investieren wie in die Sanierung der Beethovenhalle“. Sie kündigte entsprechende Anträge seitens der SPD an. „Auch wenn wir uns im Klaren sind, dass das nicht preisgünstig zu haben sein wird“, sagte Richter.

Schumacher berichtete, auch Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) habe sich im Archiv umgesehen und sehe ebenfalls dringenden Handlungsbedarf. Das Kulturdezernat werde die Mittel für die nun auf dem Tisch liegende Lösung für den nächsten Doppelhaushalt anmelden. Unklar ist allerdings, wann mit einer möglichen Realisierung zu rechnen ist. Im Augenblick wird die Schule noch als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt.