Abschied von Joachim Vobbe

Requiem für einen gastfreundlichen Mann

Bonn. Mit einem Trauergottesdienst verabschieden Alt-Katholiken den verstorbenen Altbischof Joachim Vobbe in der Bonner Namen-Jesu-Kirche.

Der alt-katholische Altbischof Joachim Vobbe war beliebt, daran gab es am Samstag in der Namen-Jesu-Kirche keinen Zweifel. Denn die Menschen, die sich von ihm verabschieden wollten, standen bis in die Eingangstür und saßen auf spontan zur Verfügung gestellten Pappkartons, weil die Sitzbänke überfüllt waren. An seinem Namenstag am 26. Juli verstarb Joachim Vobbe nach langer Krankheit im Alter von 70 Jahren. Ihm zu Ehren wurde vor der Beisetzung ein knapp zweistündiges Requiem abgehalten.

Zu diesem hatten sich etliche Geistliche der alt-katholischen Kirche sowie anderer Konfessionen eingefunden, von denen einige auch zu Wort kamen, um den Verstorbenen zu würdigen. Vobbe war zunächst katholischer Priester im Erzbistum Köln, bevor er konvertierte. Von 1995 bis 2010 war er Bischof der Alt-Katholiken in Deutschland. 1996 weihte er die ersten Frauen zu Priesterinnen. Er setzte sich stark für die Ökumene ein und gehörte auch der evangelischen Michaelsbruderschaft an.

Glaube als moderner Mensch

„Wenn ein Mensch von uns geht, bleiben Erinnerungen“, sagte Vobbes Nachfolger, Bischof Matthias Ring, der den Trauergottesdienst in der Bistumskirche des deutschen Alt-Katholizismus leitete. Er erzählte in der Predigt von seiner ersten Begegnung, damals als Diakon in Würzburg, mit dem gebürtigen Bad Honnefer, der ihn im September 1989 zu einem Gottesdienst in Offenbach einlud – und zum anschließenden Mittagessen ins Pfarrhaus. „Wo vier satt werden, werden auch fünf satt“, habe Vobbe gesagt.

„Bischof Vobbe tat sich leicht mit der Gastfreundschaft“, so Ring. Auch die Vereinbarkeit von Glauben und moderner Welt sei dem Bischof ein Anliegen gewesen, das er immer wieder in seinen Hirtenbriefen angesprochen habe. „Bischof Vobbe hat darum gerungen, als moderner Mensch glauben zu können.“ Dass er damit viele erreicht hat, sah man in der Namen-Jesu-Kirche, von der aus sein Sarg den letzten Weg antrat.