Repair-Café in der Ermekeilkaserne

"Reparateure" auf dem Vormarsch

SÜDSTADT. In der Ermekeilkaserne eröffnet das fünfte Repair-Café in Bonn. "Keine Schwarzarbeit, sondern Nachbarschaftshilfe" lautet das Motto.

Die sieben Festplatten, die Christoph Wassermann ins erste Repair-Café der Ermekeilkaserne mitgebracht hat, sind teilweise schon Altertümchen für die Computergeneration. Knapp 15 Jahre ist eine alt, mit gerade einmal 500 Megabyte Speicherplatz. "Sie läuft bestimmt noch", sagt Wassermann. Wirklich repariert werden, so wie es in den Repair-Cafés üblich ist, muss sie also nicht.

Doch IT-Experte Daniel Appelt nimmt sich ihrer trotzdem an. Mit seinem Arbeitskollegen Wassermann hat er sich verabredet, um die auf den Festplatten gespeicherten Daten sicher zu löschen. "Mal sehen, ob wir das mit dem alten Laptop hier hinbekommen", sagt Appelt und schließt die Kabel an. Es funktioniert. Und hätte es nicht funktioniert, hätte er so lange daran getüftelt, bis es funktioniert. Dieser Tüftlergeist treibt viele sogenannte Reparateure an, die in den Repair-Cafés kostenlos ihre Hilfe denen anbieten, die ratlos sind.

"Für mich ist das nicht wie von vielen professionellen Werkstätten behauptet Schwarzarbeit, sondern Nachbarschaftshilfe", sagt Georg Greiser. Er hat gerade die kaputte Lampe von Inge Bischoff in der Hand, in die er eine neue Fassung montiert. Bischoff war vorher im Haus Müllestumpe, wo es ebenfalls ein Repair-Café gibt. "Da hatten sie aber nicht die passenden Ersatzteile", erzählt sie. Greiser suchte deshalb in seinem Fundus zu Hause. Erfolgreich. Die Fassung passt, die Lampe leuchtet wieder. "Sonst wäre sie wahrscheinlich weiter verstaubt oder im Müll gelandet", sagt Bischoff. Sie hat auch etwas dabei gelernt: Das neue Stromkabel hat sie unter Anleitung selbst eingezogen.

"Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten", sagt Jürgen Paschen, der mit Ursula Neumann-Kronenberg das Repair-Café unter der Leitung des Vereins Ermekeilinitiative gegründet hat. Viele der fast hundert Besucher, die am Samstag vorbeikamen, wussten sich eben nicht mehr zu helfen. Wie eine Frau, deren Fahrrad dringend Pflege brauchte. "Ein klassisches Bahnhofsfahrrad", sagt Matthias Lenz, der in einem Nebenraum das Gefährt auf den Ständer gestellt hat. Die Kette ist gelängt, die Seilzüge müssen geschmiert und das Licht repariert werden. Die Frau sitzt daneben und guckt gespannt zu. Auf einer Liste notiert sie, welche Teile sie für den nächsten Besuch kaufen muss.

"Ich habe nur ein paar Sachen aus meiner Werkstatt mitgebracht. Ich dachte, es gäbe schon ein bisschen Ausstattung", so Lenz. Doch im ersten Repair-Café wurden nur Tische aufgestellt, im Café gab es Kuchen und Getränke. "Den Rat haben wir schon gegeben, demnächst brauchen die Reparateure hier mehr Platz", sagt Daniel Fett, der in Trier bei einem anderen Repair-Café mitmacht und in Bonn zu Besuch war. Dort läuft es seit einem Jahr, die Erfahrungen teilte er mit den Bonnern. Zum Beispiel, dass es sich kaum lohnt, Drucker zu reparieren, weil der Aufwand oft zu groß sei und Hersteller auf den Neukauf abzielten.

Reparatur-Szene wächst

Das Repair-Café Ermekeilkaserne ist das erste in der Südstadt, aber keinesfalls das erste in Bonn. Im Wechsel sind sie wöchentlich im Bonner Farbraum Dimon, dem Nachbarschaftstreff Pennenfeld, im Haus Müllestumpe und beim Stadtteilverein Dransdorf. In der Ermekeilkaserne ist es das nächste Mal am 21. Februar und am 21. März. Jeder kann vorbeikommen und mitmachen, zur Finanzierung wird ein Spendenschwein aufgestellt.