Umstrittene Veranstaltung nach Gewalt-Attacke

Rede an der Uni Bonn verläuft unter Polizeischutz friedlich

Bonn. Mit Zivilstreifen sicherten Polizei und Uni am Donnerstag den Zugang zum Festsaal des Universitäts-Hauptgebäudes. Nach der Gewalt-Attacke gegen einen 50-jährigen jüdischen Hochschulprofessor am Vortag wurden besondere Vorkehrungen getroffen. 

Amichai Magen referierte auf Einladung des „Center for International Security and Governance“ zum Thema „Managing Terrorist Threats: The Growing Democracy Advantage“. „Ich bin froh, dass wir ihn für einen Vortrag gewinnen konnten“, freute sich Gastgeber James Bindenagel.

Tags zuvor hatte die Bonner BDS-Gruppe (BDS steht für Boycott, Divestment and Sanctions) die Absage der Veranstaltung gefordert. „Der Angriff auf den jüdischen Professor in Bonn hat mit unserem Aufruf zur Absage überhaupt nichts zu tun“, machten mehrere Mitglieder der Gruppe ihren Standpunkt deutlich und verteilten Flugblätter. Gleichwohl blieb die BDS bei ihrer Kritik und warf Professor Mager vor, als „Propagandist Positionen der israelischen Politik zu vertreten, die im Widerspruch zu demokratischen Werten“ stehen.

Angesichts der Gewalttat war auch Unirektor Michael Hoch gekommen. „Ich bin traurig und schäme mich dafür, was unserem Gast in Bonn passiert ist“, stellte er klar. Mit aller Schärfe verurteilte er die Tat und versicherte, dass „alle Mitarbeiter, Studenten und Professoren sich für den freien Austausch von Wissenschaftlern stark machen. Wir heißen hier jeden willkommen und werden dieses lebendige Klima erhalten.“

Amichai Magen, der die Theorie vertritt, dass sich die Demokratie stärker gegen den Terrorismus behaupten kann als andere Staatsformen, ließ sich von dem Angriff auf einen Kollegen nicht beirren. „Nein, ich habe keine Angst“, sagte er im GA-Gespräch. „Es war noch nie leicht Jude zu sein. Nicht vor 2000 Jahren, nicht vor 80 Jahren und heute auch nicht.“ Er werde sich trotz solcher Ereignisse nicht beirren lassen. „Ich bin viel in Deutschland unterwegs und habe sehr viele Kontakte hier. Ich bin stets willkommen und unter Freunden. Solche Übergriffe repräsentieren nicht Deutschland und nicht die Demokratie“, sagte er.