„March for Science“ auf der Hofgartenwiese

Raus aus dem Elfenbeinturm auf die Straße

Mehr als 1000 Menschen beteiligten sich am "March for Science" in Bonn.

Bonn. Beim NRW-Ableger des internationalen March for Science demonstrieren auf der Hofgartenwiese gut 1500 Menschen für die Freiheit von Wissenschaft, Medien und Justiz.

Die Bonner Hofgartenweise ist am Samstagmittag erneut zum Austragungsort einer großen friedlichen Demonstration geworden. Wo vor Jahrzehnten Zehntausende gegen die Notstandsgesetze und gegen die Aufrüstung protestierten, richtete sich nun der Protest gegen die international drohende Einschränkung freier Wissenschaften.

Und zwar im Rahmen der weltweit parallel stattfindenden „March for Science“-Demonstrationen, die in Bonn gut 1500 Menschen aus ganz NRW auf die Beine brachte. „Forschen statt Faken!“, „Tatsachen schafft man nicht aus der Welt, indem man sie ignoriert“ oder „Fakten sind sexy“ stand auf den Plakaten, als die Bonner „March for Science“-Gruppe auf der Bühne ihre Solidarität mit allen aktuell unter Druck gesetzten Wissenschaftlern etwa in der Türkei, Russland, den USA und Ungarn betonten. „Die freie Wissenschaft steht unter Beschuss.

Dabei ist sie eines der wertvollsten Werkzeuge der Aufklärung und unserer Demokratie“, betonte Jenia Jitsev vom Bonner Team. Den Universitäten werde vorgeworfen, sei seien zu unpolitisch, sagte Professor Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn, der die Hofgartenwiese für die Veranstaltung gerne geöffnet hatte. „Heute zeigen wir hier beim March for Science, dass wir den populistischen und wissenschaftsfeindlichen Tendenzen auch in unserem Land kraftvoll entgegenstehen“, betonte der Rektor unter großem Applaus. Die Stadt Bonn habe sich über Jahrzehnte als Wiege einer dauerhaften Demokratie bewiesen. „Unsere Hofgartenwiese war eine Arena demokratischer Auseinandersetzung“, so Professor Hoch.

Da knüpfe man heute bewusst wieder an. „Wir gehen auf die Straße, um für die freien Wissenschaften zu kämpfen. Wir brauchen eine global denkende Forschung. Nur so können wir als Demokratie weiter bestehen“, rief auch NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in die Menge. Nur freie Wissenschaften könnten der Gesellschaft und der Politik die nötigen Impulse geben. „Und dafür gibt es keine alternativen Fakten. Alternative Fakten sind nichts als Lüge.“ Es sei natürlich allzu verlockend, sich auf komplizierte Fragen einfache Antworten zu wünschen.

„Überlassen wir also den Ideologen etwa in den USA und in der Türkei nicht das Feld, die diesen Wunsch instrumentalisieren und für ihre Zwecke missbrauchen“, so Schulze. Die freie Wissenschaft werde aktuell von Wellen von Phrasen und Parolen bedroht, die nur die eigenen Meinungen bestätigen wollten und die Freiheit des Denkens gefährdeten, mahnte auch Professor Margret Wintermantel, Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). „Lassen Sie uns also gegen jeden Populismus und gegen den Anspruch Einzelner, das Volk zu sein, eintreten.“

Nur eine freie Wissenschaft sei Granat für ein friedliches Miteinander auf der Welt.  Professor Axel Freimuth, Rektor der Universität zu Köln, schloss neben der Wissenschaft auch die kritische Presse und die unabhängige Justiz als unbedingt schützenswerte Institutionen mit ein. Es sei kein Zufall, dass die Populisten dieser Erde genau bei diesen Dreien die Handlungsfreiheit einschränken wollten oder es bereits täten. Professor Freimuth richtete den Fokus auch auf populistische Tendenzen hierzulande. „Wissenschaft, Presse und Justiz müssen unabhängig bleiben. Nur so sind sie Garanten einer freien Gesellschaft.“ Und wer sage, er spreche für "den Volkswillen", ignoriere, dass es auch in Deutschland nicht "ein Volk", sondern nur eine Vielfalt gebe.