55 Hallen und Veranstaltungsorte in Bonn

Ratsfraktionen kritisieren Hallenkonzept als "banal"

Bonn. Das Hallenkonzept, das ein Fachbüro im Auftrag der Stadtverwaltung erstellt hat, fällt bei allen Fraktionen im Rat durch. Politiker kritisierten die Vorschläge als "banal" und "unkonkret".

Der Rat hat 13 Jahre gewartet – und ist jetzt unzufrieden. Fraktionsübergreifend kritisieren die Politiker das Hallenkonzept, das sie schon 2005 bei der Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hatten.

Die Resultate, die das Fachbüro Cima am Dienstagabend im Ratssaal präsentierte, sind den Fraktionen zu unkonkret. „Sie enthalten viele Selbstverständlichkeiten“, brachte es die SPD-Fraktionsvorsitzende Angelika Esch auf den Punkt. Gleichzeitig stocken die Beratungen über Sanierung oder Neubau städtischer Theatergebäude. Eine Sondersitzung zu diesem Thema sagte die Stadtverwaltung am Dienstag trotz Eilbedürftigkeit überraschend ab – weil „noch Fragen aus der Politik“ offen seien, so das Presseamt.

Cima-Büroleiter Wolfgang Haensch hatte keinen leichten Stand am Rednerpult. Seine Kernbotschaft: Die 55 großen und kleinen Hallen und Veranstaltungsorte in Bonn sind gut ausgelastet – und das, obwohl er keine andere deutsche Kommune dieser Größe mit derart üppigem Angebot kenne. „Das ist eine Stärke Ihrer Stadt, die aus der Hauptstadtgeschichte kommt“, sagte Haensch. Für Rock- und Popkonzerte mit bis zu 2500 Gästen sieht Cima trotzdem noch eine Marktlücke und unterstützt das seit Jahren diskutierte „Westwerk“ auf dem früheren Schlachthof.

Die Gutachter empfehlen, die Stadthalle Bad Godesberg und das Schauspielhaus zu erhalten, wobei letzteres durch eine Öffnung für andere Veranstalter intensiver genutzt werden sollte. In der Debatte um Sanierung und Neubau rät Cima zu den Varianten 2 oder 4 (siehe „Die sechs Actori-Vorschläge“). Zu den Empfehlungen gehört auch, die Beethovenhalle durch „Kulturveranstaltungen und adäquate sonstige Veranstaltungen“ auszulasten. Wichtig sei dabei das Image der Halle. „Mit einer Erotikmesse schießen Sie sie ab“, warnte Haensch. Das Beethoven Orchester soll jährlich etwa 50 Konzerte im sanierten Baudenkmal geben.

Telekom Dome ist primär eine Sportstätte

Was denn jetzt das „strategische Ergebnis“ der Untersuchung sei, hakte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt nach. Er wundere sich, dass „alles, was sich über Jahrzehnte zufällig entwickelt hat, genau das sein soll, was Bonn wirklich braucht“. Birgitta Jackel (CDU) erinnerte daran, dass immer von einem Überangebot der Hallenkapazitäten die Rede gewesen sei.

„Bonn steckt im Haushaltssicherungskonzept“, betonte Hans Friedrich Rosendahl (Allianz für Bonn). „Müsste man da nicht bei den städtischen Hallen sparen?“ Er verwies auf große private Hallen wie den Telekom Dome. Den stufte Cima-Mann Haensch wegen seiner „Ausstattung und Technik“ allerdings „primär als Sportstätte“ ein. Tatsächlich finden auf dem Hardtberg aber immer öfter Großveranstaltungen und Konzerte statt. Erst am Samstag heizte Querbeat dort 4800 Zuhörern ein, und am 31. Oktober 2017 feierten 5000 Gäste die bundesweit größte Luther-Gala. Auch eine Höhepunkt-Veranstaltung des Beethoven-Jubeljahres 2020 ist im Telekom Dome geplant, wie Oberbürgermeister Ashok Sridharan kürzlich verlauten ließ.

Linke kritisieren Papier als "banal"

Für Dieter Schaper (SPD) ist das Cima-Papier eine „Bestandsaufnahme, der die strategische Ausrichtung fehlt“. Womöglich müsse die Stadt ihren Beratungsauftrag erweitern. Die bisherige Untersuchung kostet 50.000 Euro. Die härteste Kritik an den Ergebnissen kam von Linken-Fraktionschef Michael Faber. Abgesehen von den Empfehlungen zu Sanierung oder Neubau sei „vieles zu allgemein, um nicht zu sagen banal“. Die Stadtverwaltung will bis Sommer 2019 eine Vorlage zum Hallenkonzept erarbeiten.

Unklar ist, wann der Rat über die bauliche Zukunft von Oper und Schauspiel entscheiden kann. In der abgesetzten Sondersitzung sollte ein Bürgerbeteilungsverfahren beschlossen werden, bei dem die Stadtverwaltung nur die Actori-Varianten 2 und 4 zur Diskussion stellt. Zumindest CDU und SPD wollen aber auch über einen Neubau auf dem Parkplatz an der Beethovenhalle debattieren. Den lehnen die Urheberrechtsinhaber des Landschaftsarchitekten Heinrich Raderschall jedoch ab, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Auf Druck von CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles hat das Fachbüro Actori zudem sein Gutachten um eine wichtige Berechnung ergänzt. Das Resultat: Berücksichtigt man die deutlich längere Lebensdauer eines Neubaus, schneiden die Sanierungsvarianten bei den Kosten schlechter ab.