Umbau am Sportplatz Lessenich

Rat schaltet Rechnungsprüfer wegen Vereinsräumen ein

Am Vereinsheim: Marco Jost, Sportplatz Lessenich.

Am Vereinsheim: Marco Jost, Sportplatz Lessenich.

LESSENICH. Der Stadtrat hat das Rechnungsprüfungsamt beauftragt, zu prüfen, ob eine Wohnung am Sportplatz des FC Rot-Weiß Lessenich womöglich unter die Zweckentfremdungssatzung fallen könnte.

Eine Wohnung am Sportplatz des FC Rot-Weiß Lessenich, das der Verein zur Geschäftsstelle umbauen will, wird das städtische Rechnungsprüfungsamt beschäftigen. Der Stadtrat hat den RPA damit beauftragt, zu prüfen, ob die Wohnung möglicherweise unter die Zweckentfremdungssatzung fallen könnte.

Eine 81 Quadratmeter große Wohnung am Sportplatz des FC Rot-Weiß Lessenich wird das städtische Rechnungsprüfungsamt beschäftigen. Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen, das RPA damit zu beauftragen, herauszufinden, ob die Wohnung möglicherweise unter die Zweckentfremdungssatzung fallen könnte. Diese Satzung soll verhindern, dass zur Verfügung stehender Wohnraum im Stadtgebiet verloren geht.

Hintergrund der Prüfung ist das Vorhaben des Lessenicher Sportvereins, die Wohnung für rund 200.000 Euro zu einem Vereinsheim und einer Geschäftsstelle umzubauen, die Hälfte der Summe käme laut Vorstand aus eigenen Mitteln, die andere Hälfte solle aus Sportfördermitteln fließen. Eingangstür und sanitäre Anlagen müssten unter anderem erneuert, eine Feuertreppe installiert werden. Aus Sicht der Verwaltung gibt es keine Hinderungsgründe, die Wohnung dem Verein zur Verfügung zu stellen. „Die Zweckentfremdungssatzung greift aus unserer Sicht nicht“, erklärte Sozialdezernentin Carolin Krause den Ratspolitikern in der Sitzung. Die Wohnungen – insgesamt gibt es drei in dem direkt am Platz gelegenen Gebäude – seien nämlich nie als „normaler“ Wohnraum gedacht gewesen, schon wegen der oft hohen Lautstärke bei Trainingseinheiten und Spielen.

Vielmehr seien die Wohnungen ursprünglich beispielsweise für Platzpfleger oder Hausmeister entstanden. Nachdem die Wohnungen nicht in dieser Funktion genutzt wurden, habe die Stadt zwischenzeitlich andere Verwendungsmöglichkeiten gesucht und in der Vermietung als Wohnraum auch gefunden.

Vereinsvorsitzender reagiert enttäuscht

Dieses Argument wollten aber Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn und Rolf Beu von den Grünen nicht ohne Weiteres gelten lassen. Zwei der Wohnungen seien schließlich immer noch vermietet. In der seit Ende 2016 leerstehenden Wohnung, die der Verein nutzen will, habe schließlich eine Familie gelebt, die Asyl in Deutschland beantragt habe, sagte Beu. Schmitt fragt sich überdies, aus welchem Grund die Stadt direkt mehrere Wohnungen hat errichten lassen und wie viele vereinsnahe Mitarbeiter denn dort unterkommen sollten.

Schmitt bezifferte den seit diesem Zeitpunkt durch Leerstand entstandenen Schaden durch Mietausfälle auf eine fünfstellige Summe. Enttäuscht reagierte der Vereinsvorsitzende Marco Jost auf den Mehrheitsbeschluss, gegen den lediglich die CDU stimmte und der die Überlegungen des Vereins nun zunächst blockiert. „Soweit ich sehen kann, ist das ganze Gebäude seinerzeit für eine sportliche Nutzung errichtet worden“, sagte Jost dem GA, so stehe es auch in den Bebauungsplänen. Ein Mieter lebe seit vielen Jahren in dem Gebäude, die andere Familie habe eine ganze Weile die Reinigung der Kabinen übernommen. Es seien letztlich immer „Notkonstrukte“ gewesen, erläuterte Jost.

Der Vereinsvorsitzende betonte auch, dass die bisherigen Mieter dort bleiben könnten. Neben der Variante einer Anmietung komme für den Verein auch eine Übernahme in Form eines Erbbaupachtvertrags auf Zeit in Betracht. Bei einem solchen Konstrukt würde der Verein als Vermieter auftreten. Vor allem zeigte sich Jost „enttäuscht“ über die aus seiner Sicht fehlende Anerkennung aus der Politik für die Arbeit des Vereins: „Wir leisten schließlich Sozialarbeit und machen was für Kinder und Jugendliche.“