Bonner Beethovenhalle

Rat beschließt teure Sanierungsplanung

Die Beethovenhalle ist dem Stadtrat lieb und teuer: Nach dem Willen der Mehrheit wird die Stadtkasse nun mit zwei Millionen Euro belastet für die Planung einer 56-Millionen-Euro-Sanierung. FOTO: VOLKER LANNERT

Die Beethovenhalle ist dem Stadtrat lieb und teuer: Nach dem Willen der Mehrheit wird die Stadtkasse nun mit zwei Millionen Euro belastet für die Planung einer 56-Millionen-Euro-Sanierung.

BONN. Es ist entschieden: Der Stadtrat hat Donnerstagnacht in geheimer Abstimmung mit 48 Ja- und 27 Nein-Stimmen rund zwei Millionen Euro bewilligt, mit der die Planung für eine von Experten auf 56 Millionen Euro geschätzte denkmalgerechte Sanierung der Beethovenhalle in Gang gesetzt werden soll. Acht Stadtverordnete enthielten sich.

Die SPD hatte die geheime Abstimmung beantragt - wohl in der Hoffnung auf ein anderes Ergebnis als kürzlich im Finanzausschuss. Dort hatte die Jamaika-Koalition gegen die Opposition für die Freigabe der Planungssumme gestimmt. Auch der Änderungsantrag der SPD, eine Planung für eine preiswertere Sanierung zu beschließen, war auf Antrag der SPD geheim abgestimmt worden.

Diese Variante sah vor, für von Experten geschätzte 31 bis 40 Millionen Euro nur das Nötigste zu machen. Die SPD unterlag mit 44 Nein- zu 38 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen. Gutachter des Beethovenhallen-Projektsteuerers Drees&Sommer hatten empfohlen, mit der Sanierung nach dem Beethovenfest 2016 zu starten, um zum Beethovenjahr 2020 unabhängig vom Festspielhaus eine funktionsfähige Beethovenhalle zu haben.

"Wir sehen ja ein, dass wir bei der Beethovenhalle etwas tun müssen", sagte Helmut Redeker (SPD). Aber die Stadt dürfe niemals 56 Millionen Euro für die Sanierung ausgeben - und deshalb auch nicht so viel Geld für die Planungskosten. Und sprach damit Bernhard Wimmer (Bürger Bund Bonn) aus dem Herzen. "Obwohl mein Herz für Denkmäler und Denkmalpflege sehr offen ist", sagte der Festspielhaus-Freund. Aus der Ecke, so ist Jürgen Repschläger von den Linken sicher, werde zurzeit Stimmung gegen die Sanierung der Beethovenhalle gemacht.

Er glaube nicht, dass die Kosten am Ende wirklich so hoch liegen würden. Seine Fraktion sei zwar für denkmalgerechte Sanierung, werde sich aber enthalten, weil ihr der Sanierungsbeginn zu spät erscheine. Ratsfrau Ros Sachsse-Schadt, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, warb als ehemalige Denkmalpflegerin für die Planung der teureren Variante. "Ich bin erstaunt, wie viel Sachkenntnis dazu im Rat herrscht", sagte sie ironisch an die Adresse von SPD und BBB. Die Architektur der 1950er Jahre der Beethovenhalle sei zu Recht unter Denkmalschutz gestellt worden und müsse auch denkmalgerecht saniert werden. Die preiswertere Variante stelle lediglich die Betriebssicherheit her.

CDU-Ratsfraktionschef Klaus-Peter Gilles erklärte, mit dem Planungsauftrag stehe ja noch gar nicht fest, was letztendlich mit der Beethovenhalle geschehe. "Wir schaffen jetzt lediglich die Planungsgrundlagen, die zur Entscheidungsfindung dienen sollen", sagte er. Auch müsse geklärt werden, ob das Land eine denkmalpflegerische Sanierung bezuschusse. "Die Antwort wird ein wichtiges Kriterium für unsere Entscheidung sein", sagte er.

Werner Hümmrich (FDP) machte aus einem Herzen keine Mördergrube: "Wir als FDP waren für den Abriss der Halle und den Neubau des Festspielhauses an der Stelle. Jetzt ist es, wie es ist." Die FDP trage nun die teurere Planungsvariante mit, weil nur so wichtige Fragen zur denkmalgerechten Sanierung vorab geklärt werden könnten. Allein auf weiter Flur ist CDU-Ratsherr Herbert Kaupert mit seiner Forderung, die Beethovenhalle abzureißen und an ihrer Stelle das Festspielhaus zu bauen. "Wir brauchen kein 59er Museum", sagte er, für das die Stadt Planungskosten in Millionenhöhe ausgebe und auf der anderen Seite Stadtbibliotheken schließe.

Stadtdirektor Wolfgang Fuchs riet, die Beethovenhallen-Projektgruppe solle möglichst schnell ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Kritik vom IHK-Präsident

Scharfe Kritik übt Wolfgang Grießl, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und Vorsitzender des Festspielhaus-Fördervereins, an den Beschlüssen der Ratskoalition: "Die Mitglieder der Jamaika-Koalition in den entsprechenden Ausschüssen bieten dem Publikum ein Stück aus dem Tollhaus. Sie beschließen Planungskosten von 3,25 Millionen Euro für eine 56-Millionen-Euro-Variante der Sanierung der Beethovenhalle, obwohl völlig klar ist, dass die Stadt ein solches Projekt aus eigenen Mitteln in der derzeitigen Situation nicht umsetzen kann. Und gleichzeitig beschließen sie, Büchereien zu schließen, um jährlich einen Betrag von 200.000 Euro zu sparen."