GA-Serie "Bonner Köpfe"

Raphael Vollmar - ein Rheinländer durch und durch

Als Lokalpatriot liegt Raphael Vollmar die Geschicke der Stadt Bonn sehr am Herzen. In der Mozartstraße betreibt der rührige Geschäftsmann eine Bar, die allerdings nur donnerstags öffnet.

Als Lokalpatriot liegt Raphael Vollmar die Geschicke der Stadt Bonn sehr am Herzen. In der Mozartstraße betreibt der rührige Geschäftsmann eine Bar, die allerdings nur donnerstags öffnet.

Bonn. Der 42-jährige Raphael Vollmar ist eine Frohnatur. Und Rheinländer durch und durch. Er leitet eines der letzten Traditionsgeschäfte Bonns und kreierte mit einem Freund den Gin „Siegfried“.

Raphael Vollmar gehört zur eher seltenen Spezies Mann, der ohne Punkt und Komma redet. Und nach fast jedem zweiten Satz verzieht sich sein Mund zu einem breiten Lächeln. Der 42-Jährige ist eine Frohnatur. Und Rheinländer durch und durch. Er leitet eines der letzten Traditionsgeschäfte Bonns und kreierte mit einem Freund den Gin „Siegfried“. Auch wenn er mit Karneval nicht viel anfangen kann – eigentlich. „Ich dachte immer, das ist nicht mein Ding. Aber in der vorigen Session habe ich mit meinem Freund so richtig an Karneval durchgefeiert. Das hat mit dann doch wieder ganz gut gefallen.“

Raphael Vollmar ist erfolgsverwöhnt. Über Bonns Grenzen bekannt geworden ist er durch den „Siegfried Rheinland Dry Gin“, den er mit seinem Freund Gerald Koenen vor vier Jahren eher aus einer Laune heraus kreiert hat und seither mit wachsendem Erfolg in mittlerweile elf Ländern vertreibt. Das ist aber nicht genug, denn eigentlich ist er seit acht Jahren Geschäftsführer eines der ältesten Unternehmen Bonns. Vollmar leitet gemeinsam mit seinen Eltern Anita und Johannes das Traditionsgeschäft „Vollmar & Söhne – feine Waren seit 1861“ in vierter Generation. Die Geschichte des Hauses, dessen Geschäftsführung er 2010 von seinem Vater übernahm, kennt der gelernte Banker und studierte Ökonom aus dem Effeff.

Tradition wird in der Familie groß geschrieben

1927 hatte sein Urgroßvater Wilhelm Vollmar das 1861 ursprünglich am Römerplatz (heute Remigiusplatz) gegründete und 1900 an die Ecke Kaiserplatz/Am Neutor umgesiedelte Einzelhandelsgeschäft für Parfümerie, Schmuck- und Silberwaren von Franz Lauffs übernommen. Der Uropa betrieb seit 1910 eine Kerzenfabrik in der Kasernenstraße. „Da gab es Kerzen, aber auch Spiegel und Kämme. Und Kondome. Die wurden wahrscheinlich nur heimlich unter der Ladentheke weitergereicht“, sagt Vollmar und lacht. Eigentlich sollte sein Großvater als Erstgeborener später Fabrik und Handelsgeschäfte übernehmen. Doch dazu kam es nicht: Der Großvater fiel Ende des Zweiten Weltkriegs. Sein Sohn Johannes, Raphael Vollmars Vater, war gerade erst wenige Wochen auf der Welt. „Sie haben sich nie gesehen“, sagt der 42-Jährige.

Tradition wird in der Familie groß geschrieben. Aufgewachsen ist Raphael Vollmar mit Bruder und Schwester im Musikerviertel in der Mozartstraße. Dort lebt er noch heute. Als Sohn einer katholischen Familie hat er natürlich auch im Bonner Münster als Messdiener gedient. Nur in einem Punkt verweigerte er den Vorfahren die Gefolgschaft: „Es war eigentlich immer ein Familienmitglied im Vorstand der Münsterpfarrei. Das wäre nicht meins.“ Stattdessen engagiert sich der Unternehmer im Vorstand des Stadtmuseums. Das hat schließlich auch Tradition.

Raphael Vollmar ist ein Familienmensch. Wenn er von seiner Frau und seinem Sohn Paul (5) spricht, werden seine Züge weich. „Ich habe natürlich alle Arten von Geburtsvorbereitungskursen mitgemacht.“ Stolz schwingt in seiner Stimme mit, als er seinen Bruder Maximilian und Schwester Eva erwähnt. Maximilian ist Teammanager des 1. FC Köln und Schwester Eva gilt als eine der einflussreichsten Casterinnen Deutschlands und lebt in Berlin. Da muss man sich nicht wundern, wenn Fußballspieler und -funktionäre sowie Schauspieler und Models zu Gast in Vollmars Büro sind, denn das öffnet seit einem Jahr die Türen für die Öffentlichkeit und verwandelt sich in eine Bar. Allerdings ist das Büro nur einmal in der Woche (donnerstags) als Bar geöffnet, was dem umtriebigen Geschäftsmann entgegenkommt. „Zeit ist für mich ein kostbares Gut.“

"Das Viktoriakarree ist katastrophal"

Trotzdem würde er sich gern in einem der Gremien des Einzelhandels einbringen, betont er. „Ich bin Lokalpatriot und fest verhaftet mit Bonn. Mir liegt viel am Fortune der Stadt. Ich liebe Bonn sehr.“ Doch an der aktuellen Entwicklung der City missfällt ihm einiges. „Ich hätte gern bei City-Marketing mitgemacht, aber nur, wenn ich einen Vorstandsposten bekommen hätte. Doch dafür hätte ich eine längere Zeit Mitglied sein müssen, hat man mir gesagt“, sagt er und grinst.

Kein Verständnis hat er für die Gegner des einst geplanten Einkaufzentrums im Viktoriakarree. „Es ist alles besser als das, was da jetzt ist. Das Viertel ist verwahrlost und sieht katastrophal aus.“ Beim Thema Innenstadt redet sich der eloquente Unternehmer richtig in Rage: „Wir haben eine hohe Kaufkraft in Bonn, aber eine schlechte Kaufkraftbindung.“ Schuld daran ist aus seiner Sicht auch die schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt. „Wenn ich mit dem Auto in die City fahren will, werde ich regelrecht abgeblockt. Da fahre ich doch lieber gleich weiter nach Köln oder Düsseldorf.“

Aber Raphael Vollmar ist kein Typ, der sich lange mit Kritik aufhält. Schnell kommt er wieder auf die positiven Seiten seiner Vaterstadt zu sprechen. „Gucken Sie mal hier raus, Bonn ist sooooo schön“, schwärmt er und zeigt auf die Reihe hübscher Jugendstilhäuser in der Mozartstraße gegenüber seiner Bar, wo er direkt neben seinem Elternhaus mit seiner Frau Luisa und Söhnchen Paul (5) lebt. Vollmar strahlt über das ganze Gesicht: In Kürze wird er zum zweiten Mal Vater. Und dieses Mal ist es ein Mädchen.