Südüberbauung

Rückenwind für den Investor

BONN. Die Realisierungschancen auf den Abriss und Neubau der Südüberbauung vor dem Bonner Hauptbahnhof dürften ein gutes Stückweit gestiegen sein. Denn die Bürgerversammlung, in der Investor Roger Sevenheck, seine Architekten sowie Vertreter der Stadtverwaltung rund 120 Bürger über das Projekt informierten, geriet am Dienstagabend keineswegs zur Protestveranstaltung gegen das Projekt, wie viele dachten.

Zwar kritisierten am Ende der zweistündigen Veranstaltung auch Bürger das Projekt, darunter die "grottenschlechte Architektur", und manche wollen keinen neuen "Klotz" anstelle des alten - wofür sie Beifall erhielten. Doch mindestens ebenso viel Applaus erhielten andere Bürger, die zum Ausdruck brachten: "Man sollte diese Chance nutzen und nicht auf den Sankt Nimmerleinstag warten, bis hier etwas passiert." Einer zweifelte sogar ganz offen, dass ein Bürgerbegehren der richtige Weg sei.

Für den Investor Roger Sevenheck hat das Rückenwind gegeben, zumal die Gegner des Projekts, die jetzt das Bürgerbegehren einleiten wollen, augenscheinlich in der Minderheit waren.

Die Masse der Besucher war gekommen, um ihre Fragen loszuwerden - sei es zur künftigen Verkehrssituation, der weiteren Bebauung auf dem Nordfeld (Bonner Loch und Parkplatz) sowie aus Eigeninteresse, weil sie umtreibt, was aus ihren Läden im Untergeschoss wird.

Sevenhecks Bilanz fiel dementsprechend aus: "Ich habe nur eine kleine Truppe gesehen, die grundsätzlich dagegen war. Aber ich habe vor allem gesehen, dass die Leute eine Lösung für den alten Klotz vor dem Bonner Bahnhof haben wollen."

Dass bei diesem Projekt nicht alles eitel Sonnenschein sein kann, hatte Stadtbaurat Werner Wingenfeld aber zu Beginn der Veranstaltung in der Aula des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums deutlich gemacht. "Hier müssen wir alle eine Kröte schlucken, mit Maximalforderungen bleibe alles so, wie es ist." Er zum Beispiel hätte den Neubau lieber ein Stockwerk niedriger und ohne ein Staffelgeschoss auf dem Dach gesehen, das sei aus wirtschaftlichen Gründen aber für den Investor nicht möglich gewesen.

55 mal 35 Meter soll der Neubau groß sein. Allerdings so versetzt, dass künftig aus der Poststraße der Blick auf das Bahnhofsportal frei sein wird. Das neue "Maximilian Center" soll zudem 7,50 Meter weiter entfernt vom Bahnhofsgebäude stehen als der heutige "Klotz", so dass vor dem Bahnhof eine Breite von 23,60 Meter bleibt - also eine ähnliche städtebauliche Situation wie früher entsteht.

Im Gegenzug rückt der Neubau näher an die Maximilianstraße heran, und die heutigen Müllcontainer und der Schnellimbiss "City Pick" kommen weg. Hauptmieter des Gebäudes wird der Elektronikmarkt Saturn auf drei Etagen, sagte Architekt James Craven.

Die Neubaupräsentation, zu der auch viele Eigentümer der Südüberbauung sowie etliche Kommunalpolitiker gekommen war, endete in einer munteren Fragerunde. Die ungewöhnlichste Idee entwickelte ein junger Student, der viele Befürworter für das Projekt in seiner Generation sieht und sich über den hohen Altersschnitt der Besuchern wunderte. Seine spontane Idee: "Man könnte doch eine Sky-Beachbar auf dem Dachgeschoss des Neubaus einrichten."