Wallanlage auf dem Venusberg

Rätselhaftes Erbe aus der Jungsteinzeit

Erich Claßen zeigt auf die Reste der Wallanlage. Rechts von ihm verläuft der Bodelschwinghweg, in seinem Rücken die Robert-Koch-Straße.

VENUSBERG. Dort, wo der Bodelschwinghweg auf die Robert-Koch-Straße trifft, führt als Verlängerung des Bodelschwinghwegs ein Waldweg ins Grüne, gern und viel genutzt von Spaziergängern und Hundeliebhabern, die mit ihren Tieren Gassi gehen. Aber die wenigstens Passanten dürften wissen, dass im Waldstück neben dem Weg eine archäologische Besonderheit verborgen liegt:

 Forscher des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, so der damalige Name, entdeckten dort 1986/ 87 eine jungsteinzeitliche Wall-Graben-Anlage. Und die ist für Erich Claßen, Leiter der Außenstelle Overath des LVR Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, etwas ganz besonderes. "Außergewöhnlich für so eine jungsteinzeitliche Anlage ist, dass sie im Gelände noch gut zu erkennen ist", sagt Claßen. Stimmt, wenn man mit der Nase draufgestoßen wird, ist weder der ehemalige Wall, noch der Graben davor zu übersehen.

Doch auch, als das Gelände 1882 zum ersten mal kartografisch erfasst wurde, tappte man im Dunkeln. Man hielt den Wall für eine brandenburgische Schanze. Erst in den achtziger Jahren lüfteten Archäologen das Geheimnis. Damals, so Claßen, sei der Wall noch auf 140 Meter Länger erkennbar und 1,50 Meter hoch im Gelände gewesen. Radiokarbonuntersuchungen von Holzkohleresten im Boden ergaben, dass die Anlage 4000/4200 vor Christus erbaut wurde. Die Menschen, die hier lebten, gehörten also zu einer Gruppe, die die Wissenschaft unter dem Begriff "Michelsberger Kultur" zusammenfasst. Insbesondere anhand von Keramikfunden, große, unverzierte Töpfe und andere Gefäße, lassen sie sich zu einer Gruppe zusammenfassen. "Und für diese Kultur sind eben auch solche Wall- und Grabenanlagen typisch". Der Wall mit vorgelagertem Graben riegelt ein rund 20 Hektar großes Gelände nach Süden hin ab. "Es ist unwahrscheinlich, dass das gesamte Gelände von so einem Wall umgeben war", sagt Claßen. Das war auch gar nicht nötig nach Norden, Osten und Westen hin fällt der Hang steil ab. Doch was passierte seinerzeit auf dem Gelände? "Darüber streiten die Gelehrten", sagt Claßen. Dass innerhalb solcher Anlagen Menschen dauerhaft lebten, ist nur selten nachgewiesen. "Häufig findet man in den Innenflächen solcher und vergleichbarer Anlagen nichts", sagt Claßen. So wie die Häuser in diesem Abschnitt des Neolithikums gebaut gewesen sind, sei Besiedlung aber nach tausenden von Jahren auch nur schwer nachweisbar.

Auch auf dem Venusberg fand man nichts, allerdings wurde auch nicht gegraben. "Möglich ist, dass an diesen Orten gehandelt wurde, sie könnten auch eine rituelle Bedeutung gehabt haben", meint Claßen. Die Anlage auf dem Venusberg sei der älteste Nachweis einer Nutzung des Bonner Stadtgebietes durch frühe Ackerbauern. Die Menschen, die damals hier lebten, konnten Stoffe und Gewänder weben, benutzten Werkzeug aus Stein, im süddeutschen Raum gibt es aus jener Zeit jedoch auch erste Kupferfunde. Und sie sahen im wesentlichen so aus wie wir heute - vielleicht ein wenig kleiner, weil die Ernährung schlechter war. "Mit dem Beginn der Jungsteinzeit vor 7500 Jahren findet ein entscheidender Wandel in der Menschheitsgeschichte statt, die Menschen werden sesshaft, bauen Getreide an, halten Haustiere und es gibt ein deutliches Bevölkerungswachstum.

Irgendwann wird die Anlage aufgegeben, die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Zurück bleibt aber ein einzigartiges Zeugnis. Denn die meisten vergleichbaren Anlagen sind infolge landwirtschaftlicher Nutzung eingeebnet.