Rentner vor Bonner Amtsgericht

Prozess nach Streit um einen Euro Parkgebühr

Symbolfoto

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Bonn. Der unglaubliche Streit um die Parkgebühr von einem Euro beschäftigt die Bonner Justiz. Ein 81-jähriger Autofahrer soll so sauer auf eine Parkwächterin gewesen sein, dass er ihren Arm im Auto einklemmte.

Am 16. April 2018 wollte ein 81-jähriger Rentner in Begleitung seiner Ehefrau einen privaten Parkplatz im Viktoriakarree verlassen. Zwei Stunden lang hatte das Godesberger Paar in der Bonner Innenstadt flaniert und ein Kaffeehaus besucht. Als sie anschließend durch die Toreinfahrt mit ihrem Auto das Gelände verlassen wollten, wurden sie von der Parkplatzhüterin mit Handzeichen gestoppt.

Sie ließ sich das Parkticket zeigen und erklärte: Die bezahlte Parkzeit sei um sieben Minuten überzogen. Und dafür forderte die 51-Jährige eine Nachgebühr von einem Euro. Der 81-Jährige war sauer und fragte sie laut Anklage, ob sie bescheuert sei. Dann soll er den automatischen Fensterheber betätigt, dabei den Arm der Parkwächterin im Beifahrerfenster eingeklemmt haben und losgefahren sein.

Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung muss sich der Rentner zurzeit vor dem Bonner Amtsgericht verantworten. Denn laut Anklage soll er die Parkwächterin noch fünf Meter neben seinem Mercedes mitgeschleift haben, bis sie ihren Arm aus dem Fensterspalt wieder rausziehen konnte. Anschließend soll er mit Kavaliersstart in die Rathausgasse eingebogen und davongebraust sein.

Rentner will von eingeklemmtem Arm nichts wissen

„Nie im Leben war der Arm der Frau in meinem Fenster“, beteuerte der einstige Unternehmer jetzt im Prozess. „Es ist zwar richtig, dass mir der mürrische Befehlston der Frau nicht gefallen hat“, räumte er ein. Richtig sei auch, dass er sich geweigert habe, den Euro zu bezahlen. Aber als er den Parkplatz verlassen habe, habe er nur ein „lautes Geschrei und ein wildes Trommeln auf der Heckscheibe“ gehört. Von einem Arm im Fenster will er nichts wissen. Und die 82-jährige Ehefrau erklärte im Zeugenstand: „Auch wenn ich nicht verstanden habe, warum mein Mann den Euro nicht bezahlt hat“, einen eingeklemmten Arm habe es nicht gegeben.

Die Beweise aber wiegen schwer: Denn nach dem Schock war die 51-Jährige ins Krankenhaus gegangen, wo die Mediziner zwei längliche, parallel verlaufende Blutergüsse auf dem Arm feststellten und die Frau für vier Tage krankschrieben. Sie erklärte nun: „Mit vollem Karacho ist der los, und ich hing mit meinem Arm drinnen“. Der 81-Jährige hatte zwar einen Tag später noch versucht, die „dumme Sache“ wiedergutzumachen: Wie der Angeklagte erzählte, habe er dem Parkplatz-Betreiber geschrieben und als Entschädigung für den nicht bezahlten Euro eine Briefmarke über 1,45 Euro in den Umschlag gelegt. Aber das schützte ihn nicht vor dem Strafverfahren.

Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Denn auf Antrag des Verteidigers soll jetzt ein Rechtsmediziner klären, ob die dokumentierten Verletzungen mit einer Einklemmung im Autofenster in Einklang zu bringen sind.