"Bonn wird zur Plansch-Stadt"

Protest gegen die Einschränkung der Öffnungszeiten in den Bädern

BONN. Unter dem Motto "Bleibt uns in Bonn fürs Frühschwimmen nur der Rhein?" haben die (Früh-)Schwimmer aus Hardtberg-, Melb- und Panoramabad, Ennertbad und Beueler Bütt am Wochenende zu einer Protestaktion aufgerufen.

Bikinis waren dann dank der am Morgen noch recht frischen Temperatur keine zu sehen, dafür aber viele Bademäntel, Schwimmbrillen und Neoprenanzüge.

"Wir sind doch diejenigen, die bei jedem Wetter kommen, keinen Müll hinterlassen und der Stadt sichere Einnahmen garantieren", ärgert sich Antje Daniels. Die (Früh-)Schwimmer aus Hardtberg-, Melb- und Panoramabad, Ennertbad und Beueler Bütt hatten unter dem Motto "Bleibt uns in Bonn fürs Frühschwimmen nur der Rhein?" zu einer Protestaktion aufgerufen.

Neben der 77-jährigen Notarin a.D. waren zahlreiche Schwimmer aller Altersstufen ans Beueler Rheinufer gekommen. Auf der Höhe des Restaurants "Canale Grande" hatte sich die bunte Truppe versammelt, um gegen die neuen Öffnungszeiten für die Freibadsaison zu protestieren.

Die Meinung ist einhellig: Die von der Stadt auch mit möglichen Einsparungen begründete Maßnahme kann keiner der Anwesenden nachvollziehen. "Wir befürchten im Gegenteil, dass durch die eingeschränkten Öffnungszeiten auch die Einnahmen entsprechend sinken werden und damit die Verluste der einzelnen Bäder noch größer werden", sagt Jürgen Gebel vom Melbbad-Förderverein. "Warum hat man eigentlich den städtischen Feuerwehrleuten die Überstunden erlassen, anstatt sie in den Bädern mit einzusetzen", fragt sich sein Rüngsdorfer Mitorganisator Heinz-Karsten. "Das sind doch alles ausgebildete Rettungsschwimmer", sagte Abresch.

"Als berufstätige Mutter kann ich nun gar nicht mehr schwimmen gehen", beklagt auch Meiken Löffler. Wenn die Bäder am Wochenende um 11 Uhr aufmachen, muss ich mich um meine Familie kümmern und unter der Woche arbeite ich selbstverständlich", sagt die Hausärztin, die demonstrativ ihren Schwimmanzug aus Neopren angezogen hat. "Ich rate regelmäßig vielen meiner Patienten aus Gesundheitsgründen zum Schwimmsport - die werden mich jetzt fragen, wo sie denn hingehen sollen."

Meiken Löffler ist mit ihrem Trainingspartner Christoph Eschweiler zum Rhein gekommen. Der 33-jährige Förderschullehrer hat während seines Studiums 13 Jahre lang nebenbei als Rettungsschwimmer bei den Bonner Bädern gearbeitet und ist der Meinung, dass die Regelung nicht nur für die Frühschwimmer, sondern auch für die Mitarbeiter schlecht ist: "Ich habe noch Kontakt zu ganz vielen ehemaligen Kollegen, und die Dienstpläne sind überhaupt nicht mehr familientauglich."

Ein weiteres Argument ist auch die fehlende Verfügbarkeit von Schwimmbahnen. "Ich habe zum Beispiel im Rüngsdorfer Freibad nachgefragt, ob es wenigstens eine Möglichkeit gibt, zu den späten Öffnungszeiten Bahnen für Schwimmer abzutrennen", berichtet Christina Diederichs. "Bei dem großen Andrang an schönen Tagen ist doch sonst gar nicht an Schwimmen zu denken", beklagt die 56-jährige Ärztin aus Bonn. Das sei aber leider nicht möglich, habe man ihr lapidar geantwortet. "Die meisten von uns kommen ja auch deshalb morgens in die Bäder, weil ein normales Bahnenschwimmen wegen des Gedränges später kaum noch möglich ist", findet Diederichs. "Wir werden zur Plansch-Stadt."

Wirklich in den Rhein mochte dann aber auch aus Protest niemand gehen: "Das ist uns zu gefährlich", sagte Mitorganisator Abresch. Auch habe die Bonner DLRG, die sich an den Protesten aus ungenannten Gründen nicht beteiligen wollte, dringend davon abgeraten.

Stadt will Schließungen rechtzeitig ankündigen

Die sechs Bonner Freibäder sind seit Samstag geöffnet, in der Woche von 12 bis 19 und an Wochenenden von 11 bis 19 Uhr. Parallel dazu sind alle Bonner Schwimmhallen bis zum 30. August geschlossen, die Sauna im Kurfürstenbad bleibt nur noch bis zum 31. Juli 2015 geöffnet und schließt danach endgültig.

Das Freibad Friesdorf ist montags bis freitags bereits ab 10 Uhr geöffnet, nur dort gibt es für Vereinsmitglieder mit einer speziellen Saisonkarte das Angebot des Frühschwimmens von 6.30 bis 9.30 Uhr. Diese Saisonkarte kostet 50, ermäßigt 25 Euro, hinzu kommt der Mitgliedsbeitrag für den Förderverein von 30 respektive 20 Euro. Die Freibadsaison wird am letzten Wochenende im August enden, kündigte die Stadt Bonn an. Wenn die Stadt die Freibäder zumacht, weil es laut Wettervorhersage kühler als 19 Grad werden soll, will sie das im Vorfeld rechtzeitig ankündigen.

Bei den Auswinterungsarbeiten der Freibäder sind diesmal Reparaturarbeiten angefallen, die sich laut Presseamt in einem normalen Rahmen bewegen und sich auf Gesamtkosten von rund 95 000 Euro belaufen.

Diese Fliesen-, Maler-, Gerüst- und Tiefbauarbeiten hätten sich gleichmäßig auf alle Freibäder verteilt, allein im Melbbad seien weniger Arbeiten angefallen, sagte eine Sprecherin. Die Kosten hätten damit denen aus anderen Jahren entsprochen.