Stadtmuseum und Gedenkstätte

Protest gegen Umzugspläne

Eigentlich sollen Stadtmuseum und Gedenkstätte in die Pestalozzischule umziehen. FOTO: MÜLLER

Eigentlich sollen Stadtmuseum und Gedenkstätte in die Pestalozzischule umziehen.

BONN. Mit der Umgestaltung des Viktoriakarrees wird auch für das Stadtmuseum und die Gedenkstätte Bonn ein neues Kapitel anbrechen. Dabei ist vom Umbau der bisherigen Räume an der Franziskanerstraße bis zum Umzug an andere Standorte alles möglich.

Doch was die beiden Institutionen zurzeit an Nachrichten aus dem Stadthaus hören, gefällt ihnen überhaupt nicht. Denn die Stadtverwaltung überlegt nach eigenen Angaben, das Stadtmuseum im Landesmuseum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) an der Colmantstraße unterzubringen, während die Gedenkstätte in einen Turm ins Stadthaus einziehen könnte. Das erfuhr der Vorstand der Gedenkstätte nach eigenen Angabe aus der Presse.

Entsprechend ist Astrid Mehmel, Leiterin der Gedenkstätte, nicht nur über die mangelhafte Kommunikation der Verwaltung verärgert. Der Vorstand lehne auch den geplanten Standort im Stadthaus kategorisch ab. "Das kommt überhaupt nicht infrage", so Mehmel. "Gedenkstätten brauchen einen historisch authentischen Standort und keine Unterbringung in einem Funktionsbau der 1970er Jahre, der möglicherweise sogar auf absehbare Zeit abgerissen werden soll."

"Doch das kostet Geld, das die Stadt nicht hat"

Auch die Pläne, das Stadtmuseum im Landesmuseum unterzubringen, stoßen klar auf Ablehnung: "Das Landesmuseum, das aus allen Nähten platzt, könnte nur einige Exponate des Stadtmuseums, das zurzeit über 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verfügt, ausstellen. Der Rest müsste ins Depot", sagt der Fördervereinsvorsitzende des Stadtmuseums, Gisbert Knopp. "Doch das kostet Geld, das die Stadt nicht hat." Überlegungen, die Einrichtungen ins Landesmuseum zu verlegen, bedeuteten deshalb, sich des Stadtmuseums zu entledigen.

Beim Landschaftsverband sagt man zurzeit nur soviel: "Das Kulturamt der Stadt hat mit dem LVR unterschiedliche Überlegungen über eine mögliche Integration des Stadtmuseums in das Landesmuseum erörtert", so ein Sprecher des LVR.

Dabei sieht die Ausschreibung für den Umbau des Viktoriakarrees eine Planung vor, mit der beide Einrichtungen - auch wenn ihnen der bisherige Standort am liebsten wäre - leben könnten.

Der Investor, der den Zuschlag für das Karree erhält - aller Voraussicht nach die Signa-Holding -, soll die leerstehende Pestalozzi-Schule an der Budapester Straße so sanieren und umbauen, dass dort Gedenkstätte und Stadtmuseum unterkommen können.

Unterbringung im B-Turm des Stadthauses?

Das hat jedoch seinen Preis: Die Kosten dafür wird der Investor mit dem Kaufpreis verrechnen, den er für die städtischen Grundstücke im Viktoriakarree zahlen muss. Weshalb Gedenkstätte und Stadtmuseum vermuten, dass man ihnen für die Stadt vorteilhaftere Lösungen schmackhaft machen will: nämlich die Unterbringung im Landesmuseum beziehungsweise im B-Turm des Stadthauses, wo die Gedenkstätte zusammen mit dem Stadtarchiv einziehen soll, das wegen großer Feuchtigkeitsprobleme am derzeitigen Standort im Untergeschoss des Stadthauses zu kämpfen hat. Dafür aber müsste das bislang im B-Turm ansässige Städtische Gebäudemanagement in die Pestalozzischule umziehen.

Auch wenn sich das städtische Presseamt dazu am Mittwoch nicht näher äußern wollte und nur sagte, es würden zurzeit verschiedene Umzugsmöglichkeiten erörtert, liegt die Vermutung nahe, dass diese Umzugsvariante kostengünstiger ausfiele als ein aufwendiger Umbau der Pestalozzi-Schule.

Was wiederum den Vorteil aus Sicht der Stadt hätte, dass der Viktoriakarree-Investor das Geld stattdessen in die Schließung der Tiefgaragenrampen am Bischofsplatz und in der Stockenstraße und in den Neubau einer Tiefgarageneinfahrt vor der Universität investieren würde.